Nützlicher Plagegeist

von Redaktion

Sie ist als lästiger Blutsauger verhasst, doch der ökologische Nutzen der Gemeinen Stechmücke ist nicht zu unterschätzen. Mit ihr beschäftigt sich die 110. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“.

Rosenheim – Die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) ist wohl allen als sehr lästiges, blutsaugendes und nachtruhestörendes Insekt bekannt. Schon der helle, singende Ton lässt bei uns Menschen alle Alarmglocken schrillen.

Wir versuchen mit allen Mitteln, die lästigen Stiche dieser Biester zu vermeiden. Es gibt circa 40000 bekannte Tierarten in Deutschland, wovon etwa ein Viertel das Leben als Schmarotzer verbringt. Viele davon sind Innenparasiten. Für Außenparasiten, zu denen auch die Stechmücken zählen, ist Blutsaugen jedoch eine bevorzugte Art ihres Lebensunterhalts. Alle lebenswichtigen Stoffe sind darin enthalten.

Vor allem abends
und nachts unterwegs

Die Anpassung an das Schmarotzertum der Stechmücke war im Wesentlichen die Umformung der beiden Kieferpaare zu einem Stech- und Saugrüssel. Männchen haben einen Rüssel, mit dem sie nur Nektar und Pflanzensäfte schlürfen. Sie brauchen nicht die Proteine, die das Mückenweibchen zur Entwicklung ihrer Eier benötigt. Blütennektar brauchen aber auch sie zur Ernährung.

Die Gemeine Stechmücke erreicht eine Körperlänge von fünf bis sieben Millimetern. Sie hat eine schlanke Figur, sechs lange, einfarbig graue Beine und spitze lanzettlich geformte Flügel. Der Saugrüssel des Weibchens ist fast so lang wie ihr Hinterleib. Dieser ist dunkelgrau und weiß geringelt und mit feinsten Haaren besetzt. Der kleine rundliche Kopf trägt zwei seitlich gestellte Augen und zwei Fühler.

Am zahlreichsten trifft man die Mücken in wasserreichen Gegenden, denn in stehenden Tümpeln verleben sie ihre Entwicklung bis zum fertigen Insekt. Schwärme der gemeinen Stechmücke bestehen nur aus Männchen. Die Weibchen sitzen ruhig im Gebüsch. Fliegt es in einen Schwarm, gibt es ein Wettrennen um die Gunst des paarungsbereiten Weibchens. Haben sich beide Geschlechter gefunden, lassen sie sich zu Boden sinken und in Sekundenschnelle vollzieht sich der Paarungsakt. Für die Eireifung ist es nun unbedingt erforderlich, dass das befruchtete Weibchen an Blut von Säugetieren oder Vögeln kommt. Meist ist sie dabei nachts oder in der Dämmerung unterwegs.

Wenn aber örtlich eine Mückenplage herrscht – wie es immer wieder am Chiemsee vorkommt – ist man auch zu anderen Zeiten nicht vor den Blutsaugern sicher. Durch den Körpergeruch, den Ausstoß von Kohlendioxid durch die Atemluft und die Abstrahlung von Wärme zieht das auserkorene Opfer eine lange Duftspur hinter sich her. Dieser kann das Weibchen nicht widerstehen. Es ist übrigens eine Mär, dass Leute mit süßem Blut bevorzugt gestochen werden.

Sie fliegt die Haut an und bringt ihren ausgeklügelten Stechapparat in Stellung. Hat die „Stanze“ – wie sie in Oberbayern auch genannt wird – ihre Unterlippe auf die Stichstelle aufgelegt, wartet sie noch eine kurze Weile, um sicher zu sein, dass das Opfer nichts bemerkt hat, um dann mit ihrem langen Stechrüssel einzudringen.

Da die Stechborsten so winzig fein sind und während des Saugens gleichzeitig über die Speicheldrüsen ein Sekret in die Einstichstelle abgegeben wird, merkt das Opfer oft nichts. Das Sekret hat eine schmerzstillende und zugleich blutverdünnende Wirkung. Das ist aber auch der Moment, in der die Tiere ihr Opfer durch den eingespritzten Speichel mit verschiedenen Krankheiten durch Viren und Bakterien infizieren können.

Überträger
von Krankheiten

Mittlerweile ist bei heimischen Singvögeln etwa das Usutu-Virus verbreitet, das besonders den Amseln und Eulenvögeln zu schaffen macht. Die Gemeine Stechmücke wurde dabei eindeutig als Überträger festgestellt. Grundsätzlich sind jedoch beim Menschen gefährliche Krankheiten durch die Übertragung durch die Stechmücke nicht zu erwarten und nicht zu vergleichen mit tropischen Arten, die beispielsweise Gelbfieber oder Malaria übertragen.

Hat das Mückenweibchen nun erfolgreich das Blut eines Opfers gesaugt und sind die Eier gereift, so kann sie sich nach einer geeigneten Brutstätte umsehen. Das können Regentonnen im Garten, Fahrspurrinnen von Traktoren, Tümpel, Teiche, Altwässer und so weiter sein. Etwa 250 bis 300 Eier werden zusammengeklebt. Eingeschlossene kleine Luftbläschen sorgen dafür, dass sie auch bei Wind und Wellen nicht versinken.

Wenn die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, bleibt sie mit ihrer Atemröhre des Hinterleibes kopfüber hängend am Wasserspiegel. Sie ernähren sich von Algen und Mikroorganismen. Insgesamt häutet sich die Larve viermal und erreicht dabei die Größe von bis zu einem Zentimeter, ehe sie sich verpuppt. Die Puppe wiederum hat zwei Atemhörner am Kopf und kann sich frei im Wasser bewegen. Im Puppenstadium nimmt sie keine Nahrung zu sich. Bei 25 Grad Celsius dauert die Entwicklung vom Schlupf aus dem Ei bis zur erwachsenen Mücke zehn Tage, bei zehn Grad Celsius dagegen 40 Tage. Einzelne befruchtete Weibchen überwintern an geschützten, feuchten und frostfreien Stellen und sorgen im nächsten Frühjahr für die neue Generation. Die Männchen dagegen sterben alle.

Stechmücken zählen bei den Menschen wohl zu den verhasstesten Tieren. Trotzdem ist der ökologische Nutzen nicht zu unterschätzen, denn sie dienen vielen Vögeln, Fledermäusen, Kriechtieren, Lurchen und Fischen als üppige Nahrungsquelle.

Doch in manchen Gegenden wird die Mücke regelrecht zur Plage. Deshalb wird etwa rund um den Chiemsee das Bakterium „Bazillus thuringiasis israelensis“ eingesetzt. Es schädigt den Verdauungstrakt der Larve und sie stirbt.

Das Buch zur Serie

„Safari daheim“ gibt es jetzt auch als Buch: erschienen im Chiemgauer Verlagshaus und in allen Buchhandlungen sowie in den OVB-Geschäftsstellen zu kaufen („Safari daheim“. Heimische Wildtiere in Bayern, viele Fotos, 224 Seiten, 14,80 Euro).

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