Der undurchsichtige Sommerurlaub

von Redaktion

Reisebüros bemerken wachsende Unsicherheit in der Region

Rosenheim – Brauche ich einen aktuellen Corona-Test, um nach Mallorca zu fliegen? Was muss ich bei der Einreise nach Österreich beachten und muss ich in Quarantäne, wenn ich aus Griechenland zurückkomme? All das und viele weitere Fragen prasseln aktuell auf die Reisebüros im Landkreis ein. Nach einem kurzfristigen Hoch in den vergangenen zwei Monaten stagniert zu den Sommerferien die Anzahl an Buchungen aus Angst vor strengen Reisebeschränkungen. Die Reisebüros aus der Region müssen daher wieder vermehrt Stornierungen hinnehmen und versuchen, die Urlauber mithilfe von möglichst vielen Informationen zu beruhigen.

Informationen sollen
Sicherheit schaffen

„Wir sind mittlerweile mehr Psychologen als Reiseberater“, scherzt Yvonne Wieland, Inhaberin der Travel-and-more-Reiseagentur aus Raubling, wenn sie an die Gespräche mit ihren Kunden denkt. Viele Urlaubswillige haben demnach Bedenken aufgrund der unterschiedlichen Vorschriften, die sie im jeweiligen Land beachten müssen. Sei es lediglich die Anmeldung auf dem Einreiseportal, ein negativer Test oder sogar die Pflicht zur Quarantäne. Laut Wieland sind die Menschen verständlicherweise verunsichert und tendieren dazu, ihre „im Hype“ gebuchten Reisen wieder zu stornieren. Damit die Verunsicherung nicht größer wird, schickt die Leiterin mittlerweile Nachrichten auf die Smartphones ihrer Kunden, um über die aktuellen Bestimmungen zu informieren.

Ein aktuelles Beispiel ist Spanien. „Da haben wir direkt die Auswirkungen gemerkt, als das Land zum Hochinzidenzgebiet erklärt wurde“, berichtet die Leiterin des Reisebüros am Marienplatz in Wasserburg, Jutta Mauritz. Denn durch die neue Einstufung Spaniens durch das Robert Koch-Institut muss beispielsweise bei einer Rückkehr aus Mallorca jeder Urlauber für mindestens fünf Tage in Quarantäne, der nicht nachweislich geimpft oder genesen ist. Gerade für Rückkehrer, die anschließend wichtige Termine wahrnehmen müssen, sei das ein Grund, die Pläne noch einmal zu verschieben. „Wir haben aber auch speziell Familien, die das einfach in Kauf nehmen, weil sie nach so einer langen Durststrecke um jeden Preis weg wollen.“

Die Auswahlmöglichkeiten an Urlaubszielen bleiben begrenzt, wie Mauritz betont. Da Fernstrecken kaum nachgefragt werden, reduziert sich das meistgebuchte Angebot auf Regionen, die mit dem Auto zu erreichen sind. Italien, Österreich und Orte innerhalb Deutschlands, aber auch Kroatien oder Slowenien seien schon seit Juni nahezu komplett ausgebucht.

„Urlaub in der Nähe wird durch die aktuellen Entwicklungen allerdings auch immer teurer“, warnt Oliver Nowotny, Inhaber des Kolbermoorer Reisebüros Lohmann und Nowotny. Er ist frustriert, dass es „fast jeden Tag“ neue Vorschriften gibt, die es ihm schwierig machen, längerfristig zu planen. Zumal die Hygienevorschriften gut funktionieren würden und eine Reise dementsprechend nicht gefährlicher sei als eine große Familienfeier.

Blick richtet sich auf
das Frühjahr 2022

Einen optimistischeren Blick in die Zukunft wirft Tanja Dittmar von den Tui-Travel-Reisen in Prien. Auch sie hat einige Stornierungen hinnehmen müssen, merkt aber, dass die Stimmung besser ist als noch zu Beginn der Pandemie. „Es sind einfach schon deutlich mehr Menschen geimpft. Das bringt etwas mehr Sicherheit.“ Spätestens für das Frühjahr 2022 geht Dittmar von Lockerungen in mehreren Ländern aus und kann bereits die ersten Buchungen für den Zeitraum verzeichnen.

Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage in den Reisebüros noch deutlich geringer als vor der Pandemie. „Ich komme ungefähr auf ein Viertel meines Jahresumsatzes“, bilanziert Jutta Mauritz aus Wasserburg, die die Unsicherheit der Urlauber aufgrund der aktuellen Situation nachvollziehen kann. Wie die anderen Reisebüros hofft sie sehr, dass sich die Virus-Varianten nicht allzu sehr ausbreiten und sie sich wieder weniger mit den Corona-Vorschriften, sondern mehr mit der Urlaubsplanung beschäftigen kann.

Diese Regeln gelten für Reiserückkehrer

Grundsätzlich gilt: Bei der Rückkehr, egal aus welchem Land, muss man bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Test vorlegen können, wenn man nicht geimpft oder genesen ist. Seit 1. August unterscheidet das Robert-Koch-Institut die Risikogebiete in zwei Kategorien: Hochinzidenz- und Virus-Variantengebiete. Bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet gilt ein Impf-, Test- oder Genesungsnachweis. Außerdem muss man die Einreise auf der Seite www.einreiseanmeldung.de anmelden. Hinzu kommt eine zehntägige Quarantäne für Rückkehrer, die nicht geimpft oder genesen sind. Mit einem negativen Test wird die Zeit auf fünf Tage verkürzt. Bei der Einreise aus einem Virus-Variantengebiet (derzeit nur Brasilien und Uruguay) müssen auch Genesene oder Geimpfte für 14 Tage in Quarantäne. Welche Länder aktuell unter die Hochinzidenz fallen, steht auf der Webseite des Robert Koch-Instituts unter www.rki.de.

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