Bruckmühl – Wenn die Menschen aus Mittenkirchen, Wiechs und Thalham von den Erlebnissen jener Katastrophennacht erzählen, als die Flutwelle ihre Orte überrollte, wird immer wieder ein Name genannt: Anian Folger. Voller Hochachtung sprechen sie vom 28-jährigen Fußballer des SV Bruckmühl und seiner Familie. Denn: „Die Folgers haben Thalham gerettet.“ Als Bürgermeister Richard Richter davon hört, entscheidet er spontan: „Da muss ich hin und Danke sagen.“
„Wir müssen schnell
sein, der Bach kommt“
Als Anian an jenem Montagabend vom Fußballtraining zurückkam, trat der Goldbach, der direkt am Hof der Familie vorbeifließt, schon über seine Ufer. „Erst war das Wasser noch klar, dann kam die braune Brühe“, erzählt Vater Klaus Folger. Er fuhr nach Wiechs, um zu sehen, ob an der Regulierung des Goldbachs alles in Ordnung sei. „Doch so weit bin ich gar nicht mehr gekommen. Es stand schon alles unter Wasser.“
Zurück auf dem Hof in Thalham, rief er seiner Familie nur noch zu: „Jetzt müssen wir ganz schnell sein. Der Bach kommt.“ Und er kam. Staute sich an der Brücke, lief über die Ufer, in die Pferdeställe, den Hof, drohte auch, das Wohnhaus zu durchfluten.
Hochwasser fließt
auf Weideflächen ab
Anian und sein Vater Klaus zögerten nicht lange. Sie wissen, dass die Brücke ein Problem ist. „Die einzige Möglichkeit, das Hochwasser zu entspannen, war in dem Moment der Aufbruch der Uferböschungen vor der Brücke, damit das Wasser auf die tieferliegenden Weiden abfließen kann“, erklärt Anian. Der Plan geht auf. Kaum hat Anian Folger mit dem Lader die erste Böschung gekappt, schießt das Wasser auf die Weiden und füllt eine riesige Fläche links und rechts der Straße von Thalham nach Bruckmühl. Und so schützen sie auch die Anrainer am weiteren Lauf des Goldbachs in Thalham vor Überflutungen.
Dann geht es auf dem Hof weiter. Die Folgers öffnen ihre leeren Güllegruben, pumpen und schieben das Wasser hinein. „Die Einsteller haben sofort mit angepackt und uns geholfen“, ist Iris Folger dankbar, denn allein hätten sie keine Chance gegen die Wassermassen gehabt. „Wir haben stundenlang mit dem Besen geschoben“, beschreibt sie. „Immer vom Haus weg – in die Gruben und hinüber auf die tieferliegenden Wiesen.“
Ähnlich ging es auch anderen Anliegern des Goldbachs. „Wir haben die Böschung südlich geöffnet, damit das Hochwasser abläuft“, berichtet Toni Pfeffer. Er wohnt etwa 400 Meter flussabwärts der Folgers, darf die benachbarten Wiesen im Falle eines Hochwassers als Überflutungsfläche nutzen, denn: „Was will man machen? Ehe das Wasser in den Keller läuft.“ Der Goldbach sei schon lange nicht mehr geräumt worden, da gehöre etwas gemacht, sagt er. „Doch das Problem war diesmal der Hainerbach.“ Man könne es zwar nicht beweisen, aber auch Pfeffer glaubt, dass „Anian uns Thalhamer vor einer noch größeren Überschwemmung bewahrt hat“.
Nach zwei Wochen sind auf dem Anwesen der Familie Folger fast alle Spuren der Flut beseitigt – die Ställe wieder sauber, die Wiesen abgekehrt und die Pflastersteine im Hof ein zweites und drittes Mal geputzt, um den Schlamm aus den Poren zu bekommen. „Wir haben so viel Glück gehabt“, sagt Iris Folger dankbar.
Doch wie kann es weitergehen auf einem Hof, der im Jahr 1765 erstmals urkundlich erwähnt wurde und unmittelbar an einem Bach liegt, der einst künstlich angelegt wurde? „Der Goldbach entspringt in Vagen an der Wallner Alm und wurde einst für den Betrieb von Sägewerken künstlich angelegt“, erklärt Klaus Folger. In Wiechs vereinigen sich Hainerbach und Goldbach und fließen weiter gen Mangfall. „Er führt schon seit einigen Jahren mehr Wasser als in meiner Jugend“, sagt Klaus Folger, der am Bach aufgewachsen ist. Auch bei normaler Witterung steht das Wasser nur knapp unter der Kante der Uferböschung. Steigt der Wasserspiegel um zehn oder 15 Zentimeter, geht der Bach über. „Ich denke, man muss den Abflussquerschnitt vergrößern, und das geht wahrscheinlich nur, indem man die Ufer erhöht, damit das Bachbett nicht instabil wird“, meint er und ergänzt: „Auch die Brücke über den Goldbach, die zur öffentlichen Straße von Thalham nach Bruckmühl gehört, muss erhöht werden, damit sich dort kein Rückstau bildet. Die Gemeinde plant das wohl schon seit Langem.“