Rätselraten um den Unfallhergang

von Redaktion

Lastwagen fährt aus ungeklärter Ursache in Schaufenster – Beteiligte haben Glück im Unglück

Oberaudorf Ein Lastwagen ist am vergangenen Freitag in ein Sportgeschäft in Oberaudorf gekracht. Auch zwei Tage später ist dem Inhaber von Sport Schweinsteiger, Johann Scheuerer, der Schock noch anzuhören: „Für mich ist das Wichtigste, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, sagt er und ergänzt: „Kurz vor dem Unfall stand dort noch ein kleines Mädchen. Das ist Irrsinn, da darf man gar nicht dran denken.“

Eingangsbereich
ist zerstört

Der Eingangsbereich des Geschäftes sei zerstört worden, „wir haben das notdürftig mit einem Holzverschlag und einer Eisentür repariert“. Wie hoch der Schaden sei, stehe noch nicht fest. Die Polizei geht davon aus, dass er im sechsstelligen Bereich liegt. Am Lastwagen entstand wirtschaftlicher Totalschaden. „Bei uns hat es Regale, eine Leuchtreklame und Schaufensterpuppen erwischt“, sagt Scheuerer. Das sei ein Fall für die Versicherungen.

Was war passiert? Mitten in Oberaudorf parkte am Nachmittag ein Lastwagen, um Ware für eine Bäckerei anzuliefern. Wie die Polizei mitteilt, kam der Lkw aus bislang ungeklärter Ursache ins Rollen. Er touchierte einen vorbeifahrenden BMW und fuhr weiter, bis er schließlich ins Schaufenster krachte. Im BMW war eine Frau (47) aus dem südlichen Landkreis Rosenheim mit ihren Kindern, sechs und zehn Jahre alt, unterwegs. Ein Kind wurde bei dem Zusammenprall leicht verletzt.

Auch der Lkw-Fahrer (60), der ebenfalls aus dem südlichen Landkreis Rosenheim stammt, wurde ins Krankenhaus gebracht. Ob der Mann allerdings zum Zeitpunkt des Unfalls am Steuer saß oder nicht, sei unklar. Diese Frage sei laut eines Sprechers der Polizeiinspektion Kiefersfelden Gegenstand der Ermittlungen, da es zu dem Sachverhalt widersprüchliche Zeugenaussagen gebe.

Ein Augenzeuge, der ungenannt bleiben möchte, berichtete unserer Zeitung, dass sich der Lastwagen vor der Bäckerei plötzlich von alleine in Bewegung gesetzt habe, als der Fahrer gerade einsteigen wollte. „Der ist kerzengerade über den Zebrastreifen voll ins Geschäft rein.“ Nur wenige Sekunden zuvor habe noch eine Frau mit ihrem Kind am Schaufenster gestanden. „Das war Glück, dass niemand verletzt wurde“, so der Augenzeuge.

Von der benachbarten Eisdiele aus hätten Dutzende Menschen den Unfall beobachtet. Die Splitter des Fensters seien quer durch den Laden geflogen, der eine halbe Stunde später geöffnet gewesen wäre. Es sei „unglaublich, dass da nichts Schlimmeres passiert ist“, berichtet der Augenzeuge.

Hubert Wimmer, Angestellter bei Sport Schweinsteiger, ist heilfroh, dass der Unfall in der Mittagspause passiert ist. „Das Geschäft war geschlossen. Nicht auszudenken, wenn geöffnet und viele Kunden im Laden gewesen wären“, sagt er. Er dankt vor allem den Helfern vor Ort für ihr zügiges und beherztes Handeln. „So konnten wir schon Samstagfrüh wieder regulär öffnen.“

Eisverkäufer Giovanni Baesso berichtet, dass die Terrasse zum Unfallzeitpunkt mit 20 Personen besetzt gewesen sei, fünf Kunden hätten sich in der Eisdiele befunden.

„Es war wie
eine Detonation“

„Zweimal hat es laut gekracht. Es war wie eine Detonation“, erinnert sich Baesso an den Aufprall des Lastwagens. „Ich bin gleich nach nebenan gerannt, um zu sehen, was passiert und ob jemand verletzt ist. Zum Glück war wegen der Mittagspause niemand im Geschäft.“ Auch Tochter Livia (3) ist noch geschockt vom Ereignis.

In Oberaudorf kam es für zwei Stunden zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Polizei sicherte die Unfallstelle, die Feuerwehr übernahm die Aufräumarbeiten. Martin Kreklau/Eva Gruber

Autofahrer ignoriert Absperrung – Feuerwehrmann angefahren

Ein 79-jähriger Mercedes-Fahrer aus dem oberfränkischen Landkreis Forchheim wollte an der Absperrung vorbeifahren, die die Feuerwehr an der Unfallstelle errichtet hatte. Feuerwehrmann Franz Steinkühler (38) aus Oberaudorf habe den Mann aufgehalten und versucht ihm klarzumachen, dass aufgrund des Unfalls kein Durchkommen sei. „Als ein Kollege mit Martinshorn anfuhr, sagte ich ihm, dass er jetzt wirklich wegfahren müsse“, berichtet Steinkühler.

Doch der ältere Herr habe sich uneinsichtig gezeigt. Als er anfahren wollte, habe sich Franz Steinkühler in den Weg gestellt. „Ich habe ihm gesagt, dass das jetzt wirklich nicht geht“, erklärt der 38-Jährige. Der Mercedes-Fahrer sei dennoch angefahren und habe ihn am Knie erwischt. Und das Schauspiel habe sich sogar noch einmal wiederholt. „Das ist der Wahnsinn“, sagt Steinkühler, „das kann nicht sein.“ Gegenüber einem Feuerwehrmann sei dieses Verhalten unheimlich respektlos. „Wenn er gleich gesagt hätte, dass er zur Bank will, hätten wir ihm helfen können“, sagt der Oberaudorfer. Die Polizei zeigte den 79-Jährigen an. mak

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