Konzert abgesagt

Sturm hält Rettungskräfte in Atem

von Redaktion

Großeinsatz am Chiemsee – Zug bei Großkarolinenfeld evakuiert

Rosenheim/Traunstein – Erneut ist am vergangenen Samstagabend ein schweres Gewitter über die Region hinweggezogen. Schwer getroffen wurde dabei vor allem der Landkreis Traunstein.

Als gegen 17.50 Uhr eine Sturmwarnung für den Chiemsee ausgelöst wurde, befanden sich noch zahlreiche Wassersportler auf dem See. 20 Minuten später setzten laut Priener Polizei die ersten heftigen Windböen am See ein. Die Wasserrettungsstationen waren besetzt, alle verfügbaren Einsatzboote sind sofort auf den See beordert worden.

Feuerwehr rettet
Stand-Up-Paddler

Die Besatzungen der Rettungsboote der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der Wasserwacht und Wasserschutzpolizei Prien retteten zwölf Sportboot-Besatzungen und brachten sie an Land.

Problematisch war vor allem ein Einsatz im Bereich der Krautinsel: Sechs alkoholisierte Besatzungsmitglieder von zwei Sportbooten mussten von der Wasserschutzpolizei vor dem Sturm in Sicherheit gebracht werden. Zum Zeitpunkt der Kontrolle lagen die beiden Boote noch vor Anker.

Einer der beiden Bootsführer hatte einen Atemalkoholwert von deutlich über einem Promille. Der 35-Jährige aus dem Landkreis Traunstein zeigte sich laut Polizei absolut uneinsichtig und beleidigte die Beamten massiv. Gegen den Mann wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Landratsamt Traunstein werde ebenfalls über den Vorfall informiert. Ob der Mann mit weiteren Konsequenzen rechnen müsse, liege in den Händen der zuständigen Behörden.

Auch am Hofstätter See mussten die Einsatzkräfte eingreifen: Gegen 18.15 Uhr wurden sie darüber informiert, dass sich zwei gekenterte Stand-Up-Paddler im Wasser befänden. Die Wassersportler fielen durch den aufkommenden starken Wind in den See und trieben wegen des Wellengangs immer weiter vom Ufer ab.

Die Feuerwehr ließ ein Boot in den See und transportierte die Paddler zurück ans Ufer. Wie die weiteren Ermittlungen ergaben, wollten die 64-Jährige aus Rott sowie ihr 73-jähriger Begleiter aus Grassau vom See aus ein Foto vom aufkommenden Unwetter machen. Warnungen von Passanten ignorierten sie. Geprüft werden muss laut Polizei jetzt, ob die beiden für die Kosten des Rettungseinsatzes aufkommen müssen.

Laut Rosenheims Kreisbrandrat Richard Schrank mussten die Feuerwehren im Landkreis am Samstag zu insgesamt 30 Einsätzen ausrücken. Das Gewitter habe den ganzen Landkreis erwischt, ein Schwerpunkt sei der Bereich Halfing/Amerang gewesen. Dort seien vereinzelt Keller vollgelaufen. „Hauptsächlich haben wir aber umgestürzte Bäume beseitigt“, sagt Schrank. Die Staatsstraße bei Halfing sei deshalb kurzzeitig gesperrt gewesen. Zu größeren Schäden kam es laut Schrank nicht, Verletzte habe es nach aktuellem Kenntnisstand nicht gegeben.

Einen größeren Einsatz hatten die Feuerwehren in der Nähe von Großkarolinenfeld: Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Nachfrage bestätigte, fielen gegen 18.30 Uhr mehrere Äste auf die Oberleitung, weshalb der EC287 auf der Strecke München-Innsbruck nicht mehr mit Strom versorgt werden konnte.

Die Feuerwehr rückte laut Schrank gegen 20.15 Uhr an und begleitete die 150 Fahrgäste in einen Ersatzzug. Laut des Bahn-Sprechers sei der Bahnverkehr aber ohne Einschränkungen weitergelaufen, da ein Gleis auf der Strecke immer befahrbar gewesen sei.

Zirkuszelt hält
dem Wind stand

Wie Hubert Hobmaier, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein, mitteilt, waren die Einsatzkräfte im gesamten Landkreis Traunstein gefordert: Umgestürzte Bäume hätten Straßen blockiert und seien auf Fahrzeuge oder Gebäude gefallen.

Teilweise habe man Keller auspumpen müssen, vor allem im östlichen Landkreis. Insgesamt seien 700 Feuerwehrleute zu 200 Einsätzen gerufen worden. Größere Schäden oder Verletzte seien nicht gemeldet worden.

Glück hatte der Zirkus Alfons William, der bis gestern in Wasserburg auf dem Badria-Festplatz gastierte: Ausgelegt sei das Zelt bis Windstärke zehn, William schätzt, dass der Sturm am Samstagabend nur knapp darunter gelegen habe. Deshalb blieb das Manegenzelt von größeren Schäden verschont. William hatte den Boden so gesichert, dass der Wind nicht eindringen konnte. Der Zirkus reist nun nach Haag weiter.

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