Der Neustart ist geglückt

von Redaktion

Junge Kölnerin besucht Klinik, in der ihr einst das Leben gerettet wurde

Inzell/Traunstein – Den 9. Juli 2015 vergisst Katja Lößl nie: An diesem Tag erleidet die damals 13-jährige Urlauberin infolge eines schweren Sportunfalls bei Inzell unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. Zwei Wochen wird die junge Kölnerin im Klinikum Traunstein behandelt. Die Folgen des Unfalls spürt die jetzt 20-Jährige bis heute. Aber sie geht erfolgreich ihren Weg: „Ich hoffe, dass meine Geschichte zeigt, wie dankbar man für die eigene Gesundheit sein sollte, aber vor allem, dass hinter allem Schlechten auch immer etwas Gutes steckt.“

Sturz mit dem
Longboard

Mit den Worten „ich brauche mal zehn Minuten für mich“ verabschiedet sie sich an jenem Sommernachmittag im Juli 2015 von ihren Eltern und ihrer Freundin aus der Inzeller Ferienwohnung. Bis zum nahen Grillabend will Lößl eine Runde auf ihrem Longboard fahren.

Fahrt durch
einen Tunnel

Das Letzte, woran sie sich nach dem Aufwachen auf der Kinderintensivstation erinnert, ist ihre Fahrt in einen Tunnel bei einem Waldstück. Dort finden sie Passanten bewusstlos auf dem Boden liegend. Die beiden erweisen sich als wahre Schutzengel, denn dank ihres raschen Handelns können Rettungskräfte die schwer verletzte 13-Jährige zeitnah zur Versorgung in die Kinderklinik am Klinikum Traunstein bringen.

Katjas Eltern hören zwar die Sirenen der Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber, ahnen aber nicht, dass es um das Leben ihrer Tochter geht. Als es zu dämmern beginnt und Katja immer noch nicht wieder aufgetaucht ist, setzen sie alle Hebel in Gang, um sie zu finden.

Nach einem Anruf bei der Feuerwehr meldet sich die Polizei bei den Lößls, sie könnten zu ihrer Tochter ins Klinikum Traunstein kommen. „Sie hatte keinen Ausweis und kein Handy dabei und war nicht ansprechbar, wir haben bis zum Schluss gehofft, dass es sich bei dem verunglückten Mädchen nicht um unsere Tochter handelt“, erinnert sich Klaus Lößl.

Seine Frau Angelika erleidet eine Kreislaufschwäche, als Katja zur Kernspintomografie gebracht wird. Mithilfe des bildgebenden Verfahrens soll die Schwere ihrer Kopfverletzungen, zu denen auch ein Felsenbein-Anbruch am rechten Innenohr gehört, abgeklärt werden. Später erfahren die Eltern, dass sich Katjas Gehirn nach dem Unfall nun erst einmal erholen müsse.

„Die Woche auf der Intensivstation war sehr schwer“, sagen Angelika und Klaus Lößl. Aber auch sie haben Glück im Unglück und finden mit Michael Lehmann aus dem Team der Psychologischen Betreuung an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Traunstein einen professionellen Begleiter durch diese nervenaufreibende Zeit. Angelika und Klaus Lößl fällt ein Stein vom Herzen, als Katja nach einer Woche aufwacht, ihre Eltern erkennt und Mama und Papa sagt. Der Teenager beginnt zu realisieren, was passiert ist.

Drei weitere
Operationen

Nach ihrer Entlassung aus dem Klinikum liegen noch schwierige Zeiten vor ihr. Kinderklinik-Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Gerhard Wolf hat sich für einen Reha-Platz in der Nähe von Köln eingesetzt, aber Katja muss wegen eines Trommelfellrisses in den darauffolgenden Jahren dreimal operiert werden, der vierte Eingriff steht gerade an.

Als sie nach der Reha in die Schule zurückkehrt, merkt sie, dass sie „anders“ ist. Das Lernen fällt ihr, außer in Mathematik, deutlich schwerer. Sie braucht eine Lesebrille und bekommt 2017 ein Hörgerät. Schon 2016 „fingen das Hinterfragen und die Depressionen an“, erzählt Katja Lößl. Auf tiefes Verständnis stößt sie bei einem Seminar für Menschen mit Schädel-Hirn-Traumata. Dort findet sie auch einen Freund, der ihre Beschwerden besser nachvollziehen kann als jeder nicht Betroffene.

Trotz Merk- und Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen bei Stress schafft Katja Lößl das Abitur, darauf ist sie zu Recht stolz. Unterdessen in einer Ausbildung zur Industriemechanikerin und begeistert beim Klettern unterwegs – „das gibt mir Halt“ – sagt sie: „Ich gehe jetzt den Weg, der für mich 2015 nicht mehr zu denken war und bin darauf stolz. Ich bin dankbar für das, was ich trotz Schmerzen Schönes erleben durfte.“

Sie sei früher erwachsen geworden, habe sehr viel erlebt und erfahren. Dies helfe ihr auch bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Leiterin einer Ministranten-Gruppe. Wenn ein Kind beispielsweise sage, dass es Schmerzen habe, „bin ich viel aufmerksamer, weil man nicht weiß, was dahintersteckt.“

„Alle waren sehr
aufmerksam“

Dass sie selbst von Pflegekräften und Ärzten im Klinikum Traunstein viel Aufmerksamkeit erfahren hat, hat Katja Lößl noch heute vor Augen. „Alle waren sehr lieb und aufmerksam“, erinnert sie sich. Besonders gut gefallen habe ihr, „dass sie mit mir und nicht über mich geredet haben“, betont sie, die „immer wissen will, was los ist.“ Auch ihre Eltern, die sagen, dass „Ärzte und Pflegekräfte über sich hinausgewachsen“ seien, erinnern sich noch heute, dass sie „jederzeit mit Fragen und Ängsten kommen“ konnten.

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