Auf die Stille hören

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Gott, deine Stimme ist leise geworden – zu leise für den Donner unserer Zeit. Wir können dich nicht mehr hören.“ Mit dieser Anklage richtet sich Beckmann verbittert an Gott.

Beckmann, das ist der Kriegsheimkehrer in Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. Beckmann ist orientierungslos und findet trotz Heimkommen keine Heimat mehr. Die Antwort, die Gott ihm in diesem Werk gibt: „Nein, keiner hört mich. Keiner mehr. Ihr seid zu laut!“

Obwohl dieser Dialog 1947 geschrieben wurde, passt er auch in unsere Zeit. Auch heute erzählen viele Menschen im Seelsorgegespräch von innerer Heimatlosigkeit. Gottes Stimme sei zu leise, denn die Welt um uns herum ist lauter denn je.

Wir habe das Hören auf die Stille verlernt und auf das, was uns dort aus unserem Inneren entgegenkommt. Wir hören im Alltag nicht zu wenig, sondern in der Flut der vielen Informationen und Nachrichten zu viel. Kein Wunder, dass das Ohr unseres Herzens dann „auf Durchzug“ stellt.

Die Ruhe der sommerlichen Tage im August, Ferien und Urlaubszeit sind für mich eine gute Gelegenheit, endlich in die Stille zu gehen. In diesen Tagen möchte ich nicht noch mehr Aktivitäten in mein Leben stopfen und jetzt krampfhaft noch alles unterbringen, wozu sonst keine Zeit mehr bleibt.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich nach dem Urlaub nicht so viel zu erzählen habe, schalte ich den „Donner unserer Zeit“ lieber ab und höre in der Stille auf den Resonanzboden meines Herzens. Und irgendwie ist dort dann auf einmal mehr an Leben, als ich im Reisebüro buchen kann.

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