Im Inntal bebt die Erde

von Redaktion

Epizentrum bei Wörgl – Bis nach Kiefersfelden zu spüren

Kiefersfelden – „Ich lag in Gedanken versunken in meinem Bett und plötzlich bebte unser ganzes Haus so vier bis fünf Sekunden lang“, erzählt die in Kiefersfelden lebende Sopranistin Anahita Ahsef den OVB-Heimatzeitungen. Der Grund war ein Erdbeben in der Nacht auf Dienstag in der Nähe von Wörgl – zu spüren bis in die Gemeinden im südlichen Landkreis Rosenheim.

„Nahe Wörgl bebte die Erde gegen 23.15 Uhr in einer Magnitude von 4,0 auf einer zehnstufigen Skala“, erläutert Seismologin Maria-Theresia Apoloner von der Zentralanstalt für Metorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das Erdbeben ist nach Angaben der Expertin durch Verschiebungen der eurasischen und adriatischen Platte ausgelöst worden.

1300 Meldungen gingen ein

Je stärker das Erdbeben sei und je tiefer es reicht, desto weiter entfernt könne es gespürt werden, so Apoloner weiter. Beim ZAMG seien rund 1300 Meldungen zum Erdbeben in Wörgl eingegangen. „Die Menschen sagten, es fühlte sich wie ein Donner an oder als ob ein schwerer Lkw am Haus vorbeifährt“, beschreibt Apoloner die Intensität des Erdbebens.

Eben so hat es auch Anahita Ahsef im rund 20 Kilometer entfernten Kiefersfelden auf deutscher Seite des Inntals erlebt: „Ich dachte, dass eine Abrissbombe das Haus getroffen hätte und es stürzt jetzt gleich ein. Aber angesichts der Zeit konnte das natürlich nicht sein.“

Ein Erdbeben solcher Stärke kommt Apoloner zufolge statistisch gesehen nur alle sieben Jahre vor. Sie hält es jedoch für „sehr unwahrscheinlich, dass etwas Größeres passiert ist.“ Möglich sei, dass in der Nähe des Epizentrums kleinere Risse in den Hauswänden entstanden seien.

Das Erdbeben stehe aber in keinem Zusammenhang mit dem heftigen Erdbeben auf Haiti vom 14. August, erklärt Apoloner. Die Wissenschaftler untersuchten stets, ob größere Erdbeben andere Erdbeben in anderen Teilen der Welt auslösten. „Das ist derzeit Forschungsgegenstand.“ Bewiesen sei das aber bisher nicht, erklärt die Seismologin. Was indes gewiss ist, dass es nach einem Erdbeben zu Nachbeben kommen kann. „Das sieht man auch im Fall Wörgl. Hier gab es bereits weitere, schwächere Nachbeben.“

Erdbeben in Tirol sind nicht selten. „Die Einwohner spüren bis zu 14 Erdbeben jährlich und sind daran bereits gewöhnt“, sagt die Seismologin aus Wien.

Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam meldet weltweit jedes Erdbeben auf seiner Internetseite. Laut dem Geoforschungszentrum kam es allein am vergangenen Montag neben dem Erdbeben in Tirol weltweit zu insgesamt 19 Beben unterschiedlicher Stärke. So hat die Erde zum Beispiel am Montag im Indischen Ozean, in Armenien nahe der Grenze zur Türkei und im Japanischen Meer gebebt.

Innerhalb Österreichs ist der Raum Innsbruck das am meisten von Erdbeben gefährdete Gebiet. „Hier hat das ZAMG die meisten Messstationen. Wir sind aber auch immer auf die Menschen angewiesen, die uns die Erdbeben melden“, erklärt Apoloner. Denn jede Meldung, wo ein Erdbeben spürbar war, helfe bei der Forschung.

Größeres Erdbeben zuletzt in Kufstein

Die Nacht auf Dienstag war nicht das erste Mal, dass ein Beben bis in die Region zu spüren war. Noch in guter Erinnerung ist vielen Menschen aus dem Inntal der Herbst 2019: Ende Oktober 2019 bebte dort die Erde im Raum Kufstein in einer Stärke von rund 3,9. Die Erdstöße waren damals gar bis ins Gemeindegebiet Tuntenhausen spürbar. Im Dezember 2019 folgten damals zwei weitere Erdbeben, deren Epizentren zwischen Imst und Telfs und bei Innsbruck lagen – und die ebenso in der Region die Erde haben zittern lassen.

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