Von Stillstand keine Spur

von Redaktion

Maschinen spielen in der Landwirtschaft heute eine große Rolle. Doch wie war das früher? Das haben wir für die achte Folge der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ Michael Weber gefragt, Mitbegründer des Maschinenrings Aibling-Miesbach-München. Wenn einer es weiß, dann er.

Rosenheim – Auf dem Weberhof in Feldkirchen-Westerham, den seit 27 Jahren Michael Webers Sohn bewirtschaftet, gibt es schon lange einen Melkroboter. Die Tiere gehen selbstständig in eine Box, der Roboter reinigt die Zitzen des Euters und bringt die Melkbecher mithilfe einer 3D-Kamera an. Das Gerät läuft beinahe rund um die Uhr, um fast 80 Kühe mindestens zweimal täglich zu melken.

Melkmaschine gab es
schon vor dem Krieg

Einen Vorläufer des Roboters gab es laut Michael Weber (81) schon vor dem Zweiten Weltkrieg. „Damals hat natürlich der Mensch die Zitzen gereinigt und das Melkgeschirr angebracht“, sagt er. Weber sitzt in der Stube seines 153 Jahre alten Bauernhauses und erinnert sich an vergangene Zeiten. Zeiten, die von Handarbeit und wenig Entlastung durch Gerätschaften geprägt waren.

Mit den paar Maschinen, die es gab, hat auch Weber gearbeitet. Mit einem Wagen zum Beispiel, der beim Dreschen von Getreide half, also beim Herauslösen der Körner aus den Ähren. Oder mit einen Gabelheuwender. Bei dieser Maschine waren einzelne Gabeln auf einer Kurbel angeordnet, mit denen man das Gras vom Boden aufnahm und nach hinten warf. „So trocknete es besser“, sagt Weber. Wenn es darum ging, Heu auf dem Heuboden einzulagern, half der sogenannte Heugreifer. „Man hat es auf einer großen Greifzange verteilt und die ist auf einer Schiene in den Stadl rein gelaufen“, erklärt er.

Trotz der Hilfe der Maschinen blieb der Großteil der körperlichen Arbeit an den Menschen hängen. „Verbesserungen waren da, aber sie waren nicht wirklich gravierend. Die Maschinen waren einfach noch zu klein und zu kostspielig“, sagt Weber. Nach dem Krieg sei die Landwirtschaft zunehmend technisiert worden. Während er seine Äcker bis 1963 trotzdem noch mit einem Pflug pflügte, der von Pferden gezogen wurde, rüstete die Familie Weber an anderer Stelle auf. „Als ich 16 war, haben wir den ersten maschinell gefertigten Schlepper bekommen. 15 PS hatte der“, erinnert er sich. „Das war 1956.“ Schlepper ist ein anderer Begriff für Traktor oder Bulldog. Zum Vergleich: Ein moderner, handelsüblicher Bulldog hat heute rund 110 PS.

Je größer die Maschinen damals wurden, desto teurer. Zu teuer für manche Landwirte. Um die Kosten für den Einzelnen gering zu halten, gründete Weber zusammen mit anderen Bauern 1963 in Feldkirchen einen Orts-Maschinenring. Parallel entstanden in den um liegenden Gemeinden des Landkreises Bad Aibling, der bis Anfang der 70er-Jahre bestand, ebenfalls Maschinenringe. Vier Jahre später schlossen sich diese zu einem Kreis-Maschinenring zusammen. „Der Grundgedanke war: Einer kauft die Maschinen und verleiht sie gegen Gebühr an seine Kollegen. So konnte man eine große Maschine viel einfacher finanzieren und nicht jeder musste eine haben“, sagt Weber.

28 Jahre lang war er Vorstand des Maschinen- und Betriebshilfsrings Aibling-Miesbach-München. Dieser vermittelt mittlerweile nicht nur Maschinen, sondern auch Arbeitskräfte wie Betriebs- und Dorfhelfer. Landwirte leisten inzwischen auch Dienste für Private und Kommunen. Sie pflegen Grünflächen, säubern Straßen, fällen Bäume und räumen im Winter Straßen. Die „pro communo AG“, ein Tochterunternehmen des Maschinenrings, stellt dafür die Maschinen bereit.

Seit es in Bulldogs und Transportwägen Klimaanlagen gibt, sei die Arbeit im Sommer deutlich angenehmer, sagt Michael Weber. In den 90er-Jahren seien die ersten Anlagen eingebaut worden. Auch für die Gesundheit der Bauern ein Vorteil: „Man hat dann nicht mehr den ganzen Staub eingeatmet, weil das die Klimaanlage geregelt hat“, berichtet er. Hinzu kam, dass die Fahrerkabinen mittlerweile besser abgedichtet seien.

Drohnen im
Einsatz auf dem Feld

„Einen Sprung hat es in der Technisierung nie gegeben. Das war immer eine kontinuierliche Weiterentwicklung“, sagt Weber. Heutzutage säen Bauern Mais mithilfe von GPS an und Drohnen fliegen Felder ab, um zu bestimmen, wie viel Dünger wo notwendig ist. So können Landwirte den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren, heißt es auf der Internetseite des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Auch Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, entdecken die Drohnen.

„Mit ihnen zu arbeiten ist aufwendig, aber sie helfen durchaus. Irgendwann wird jeder größere Betrieb eine Drohne haben“, vermutet er. Und er weiß auch, dass Drohnen und GPS-Geräte nicht das Ende der Technisierung sind. „Es gibt keinen Stillstand.“ Den hat es in den 75 Jahren, in denen er Landwirtschaft erlebt hat, nie gegeben.

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