Karmeliten

Dreharbeiten sorgen für Ärger

von Redaktion

Kein Verständnis für Kloster Reisach als Tatort-Kulisse – Vereine außen vor

Oberaudorf – Sie sind ehrenvoll im Dienst ergraute Fernsehkommissare, geradezu Urgesteine, die beiden Ermittler Ivo Batic und Franz Leitmayr alias Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. An ihnen liegt es nicht, wenn Günther Schmid seit den „Tatort“-Dreharbeiten in Kloster Reisach auf 180 ist. Es liegt an den zweierlei Maßstäben: „Warum dürfen die das und wir nicht?“ Das fragt sich Schmid, seit er von den Dreharbeiten erfahren hat.

„Wir“, das sind die Gruppen und Vereine „von der Frauengemeinschaft bis zum Männerchor“, wie Schmid sagt die sich in der Dorfgemeinschaft Niederaudorf zusammengetan haben. Deren Sprecher ist Schmid. Sie dürfen nicht mehr rein ins Kloster. Weil es nicht freigegeben ist. Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat das verfügt. Wegen baulicher Mängel.

Zorn auf
den Freistaat

„Die“, das sind die Filmleute aus München. Und deren Auftauchen in Kloster Reisach hat Günther Schmid daran erinnert, dass seit Längerem nichts vorangeht, nicht für die Gebäude des geräumten Klosters, nicht für die Vereine im Ort, die – anders als das „Tatort“-Team – nichts in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters der Unbeschuhten Karmeliten machen dürfen.

„Unverständnis, Fassungslosigkeit und Wut“ äußert Schmid in einer Reaktion auf die OVB-Berichterstattung über die „Tatort“-Dreharbeiten. Zorn auf den Freistaat, nicht auf das Filmteam äußert er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Begründung des Bauamts für die Sperre – weil durch „bauliche Mängel die Verkehrssicherheit und der Brandschutz in den entsprechenden Teilbereichen“ nicht gewährleistet werden können – lässt Schmid nicht gelten. Müssen für Vereine strengere Sicherheitsvorschriften gelten als für eine Film-Crew? Über den Tatort-Dreh habe man nicht zu entscheiden gehabt, heißt es aus dem Bauamt: „Mit den Produktionsfirmen gibt es entsprechende vertragliche Vereinbarungen mit dem Freistaat Bayern.“

Wer nun künftig über die Rolle und Nutzung des Gebäudes zu entscheiden hat, ist schwierig zu klären. Die Verantwortung liegt zunächst beim Kultusministerium. Dort erfolgt nach Auskunft eines Sprechers „die Abwicklung des kirchlichen Nutzungsrechts“, und zwar unter Mitwirkung „weiterer Behörden“. Die Entscheidung über die Freigabe für diverse Nutzung hat das Ministerium an das Staatliche Bauamt delegiert, das aber eben genau im Tatort-Fall nicht mitredete. Mitsprache können neben der Diözese einige weitere Beteiligte reklamieren, von verschiedenen Ministerien, in deren Fachbereich eine künftige Nutzung liegen könnte, bis hin zu den heimgekehrten Karmeliten. Was die weitere Nutzung von Grundstücken betrifft, werde die Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) „eine Staatsbedarfsprüfung“ durchführen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Bei einer zukünftigen Nutzung seien Fragen des Denkmalschutzes wie auch des Respekts vor dem Kirchengebäude zu beachten.

Was die Anfragen für Vereine betrifft, ist nach Auskunft des Kultusministeriums dann aber doch wieder Rosenheim zuständig: „Die Gestattung der Nutzung vor Ort obliegt dem Staatlichen Bauamt.“ Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt versteht den Ärger Schmids „voll und ganz“, verweist auf auch das überragende Engagement der Dorfgemeinschaft für Kloster und Brüder hin. Er äußert sich aber optimistisch, dass mit dem Bauamt eine Vereinbarung gefunden werden könnte. Das bestätigt das Bauamt: Es gebe einen Vertragsentwurf. Später wäre es denkbar, dass zum Beispiel ein Institut für Mobilitätsforschung ins Kloster einzieht – dann hätte man in Gestalt von Wissenschafts- oder Verkehrsministerium noch zahlungskräftige Partner im Boot.

Taten endlich
erwünscht

Günther Schmid und so viele andere im Inntal warten derweil, dass den Ankündigungen endlich Taten folgen, wie Schmid sagt. Seit Jahrzehnten ist er dem Kloster verbunden, erst als Messdiener, jetzt noch immer als Sänger im Kirchenchor. An das Motto des Tatort-Titels – „Wunder gibt es immer wieder“ – mag er derzeit nicht recht glauben. Und so ist er seit einiger Zeit über die Politik gründlich verstimmt. „Es ist Wut in mir, wenn ich an Kloster Reisach denke“, sagt er.

300 Jahre Klosterleben

1731 wurde Kloster Reisach gegründet, 2019 endete dieses Kapitel, als das Kloster aufgelöst wurde und die letzten Brüder der Reform-Karmeliten vom Teresianischen Karmel in ihre Heimat in Polen zurückkehrten. Seitdem ist das Kloster, verwaist. Das Erzbistum München-Freising wollte es nicht übernehmen, jetzt ist der Freistaat Bayern zuständig.

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