Rosenheim – Es dauerte ein wenig länger als angekündigt, bis sich der Bundesvorsitzender Robert Habeck durch die Sitze aus Pappkartons schlängelte und auf die Bühne im Mangfallpark trat. Bei dem von seinem Wahlkreis in Flensburg „maximal weitest entfernten Auftritt“ erzählte der Bundesvorsitzende zunächst von seiner ersten Erfahrung im Landkreis: „Als ich 2017 das erste Mal hierher kam, war ich mir nicht sicher, ob man mich überhaupt versteht.“ Zusammen mit der Augsburgerin Claudia Roth, die sich selbst als eine Art „Vorband“ sah, sowie Rosenheimer Direktkandidatin Victoria Broßart hatte Habeck für die Kundgebung in der Mittagssonne aber bayerische Verstärkung an seiner Seite.
Flensburger trifft
bayerische Kultur
Es war der 59. Auftritt der deutschlandweiten Wahlkampftour der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Zur Kundgebung des Bundesvorsitzenden Robert Habeck und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth versammelten sich rund 300 Anhänger im Rosenheimer Mangfallpark Süd. Unter dem Motto „Bereit, weil Ihr es seid“ stellten die Bundestagskandidaten ihr Wahlprogramm auf der Wiese an der Rathausstraße vor. Die Veranstaltung fand in der Mittagshitze statt, weshalb sowohl die Teilnehmer als auch die Ordner größtenteils an den Rand der Bühne in den Schatten flüchteten. Für den Aiblinger Zuschauer Martin Embacher ein unglücklicher Umstand: „Mittags unter der Woche ist es für die meisten wahrscheinlich schwierig, zur Kundgebung zu kommen. Das ist schon etwas schade“, sagte der 53-Jährige. Da er selbst gerade Urlaub genommen hatte, wollte er die Bundestagskandidaten der Fraktion allerdings unbedingt erleben. „Die beiden Redner haben bestimmt etwas drauf“, war sich der Aiblinger sicher. Thematisch ergänzten sich Habeck und Roth zu ihren Kernthemen . Die Augsburger Direktkandidaten konzentrierte sich in erster Linie auf den Klimaschutz und wies darauf hin, dass es „nicht reicht, die Bäume zu umarmen“, um die Energiewende zu schaffen. Der Bundesvorsitzende fokussierte sich dagegen auf die „große Zeit der Veränderung“, die nach 16 Jahren unter Angela Merkel in jedem Fall bevorstehe. Aber auch der ständige Druck auf die Gesellschaft durch die Corona-Pandemie, die Digitalisierung und die Verkehrspolitik waren Teil der rund zweistündigen Veranstaltung. Insgesamt lief die Kundgebung ohne große Zwischenfälle ab. Rund 35 Ordner sorgten für einen geregelten Ablauf, der nur zweimal von Zwischenrufen und Pfiffen vonseiten des Mangfallufers unterbrochen wurde. Die zaghaften Störungsversuche der politischen Gegner wurden bis auf einen Kommentar von Roth – „kommt näher ran, dann hört ihr auch etwas“ – übergangen. Die Einhaltung der Hygienevorschriften war bei den rund 300 Menschen auf dem großen Platz unproblematisch. Da die Kundgebung unter freiem Himmel stattfand, trugen die Teilnehmer keine Maske und mussten sich auch nicht vorher anmelden.
Rosenheim als
Zwischenstopp
Nachdem der Bundesvorsitzende Habeck die abschließende Fragrunde absolviert hatte, musste er die Bühne auch schon wieder verlassen, um zu seinen anschließenden Auftritten in Kempten und Ravensburg zu kommen. Auch für Claudia Roth ging es direkt weiter zur Abendveranstaltung in Traunstein. Korbinian Sautter