Blockabfertigung 2022: Die Liste der Grausamkeiten

von Redaktion

21 Termine im ersten Halbjahr – Die Österreicher sprechen von Dosierung, die Nachbarn in Bayern von Willkür

Raubling – Die Österreicher reden von „Dosieren“, vielen Autofahrern aber versalzt die Maßnahme den Tag gründlich: Aufgrund der Blockabfertigung jenseits der Grenze staute sich gestern wie schon in den vergangenen Tagen der Verkehr auf der A93, aber auch noch auf der A8 auf Dutzenden von Kilometern.

Derweil stellt Österreich das Menü der Zumutungen für die erste Hälfte von 2022 vor. An 21 Tagen allein der ersten Jahreshälfte werden Lastwagen nur noch schubweise über die Grenze gelassen.

Vor allem im Juni werden die Autofahrer und allgemein die Menschen in den Inntal-Gemeinden auf eine Probe gestellt: In der ersten Hälfte des Monats mit den Pfingstferien drosseln die Österreicher den Verkehr achtmal.

Wie hart das die Autofahrer trifft, das lassen auch die Meldungen der Polizei ermessen. Zum Beispiel für Mittwoch. Der Rückstau habe gegen 10.40 Uhr seine Höchstlänge erreicht und dabei die komplette A93 sowie rund elf Kilometer auf der A8 aus München umfasst, mit einer Gesamtlänge von ungefähr 36 Kilometern. Auch am Donnerstag staute sich der Verkehr auf der A8 bis zur Ausfahrt Bad Aibling zurück.

Georg Dettendorfer von der Johann Dettendorfer Spedition Ferntrans bringt die Berichte seiner Fahrer auf den Punkt. „Die melden große Probleme, weil Blockabfertigung sehr lange in den Tag hinein geht“, sagt er. „Die Wochenplanung für die Lkw ist obsolet und belastet die Logistikketten aufs äußerste.“

Im Inntal brodelt‘s. Von „Willkür“ der Österreicher spricht etwa Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger. „Ich weiß auch nicht, was die sich als nächstes einfallen lassen, ob sie eine Woche lang Blockabfertigung machen oder gleich einen Monat.“

Das Land Tirol hingegen, verantwortlich für die Blockabfertigung, spricht von einer wohlüberlegten Maßnahme, die „nur im unbedingt notwendigen zeitlichen Ausmaß“ zur Anwendung komme. So heißt es in einer Antwort auf eine frühere Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Denn: „Ohne Dosiersystem könnte die Autobahn den gesamten Verkehrsfluss nicht mehr aufnehmen.“

Für die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig eine vorgeschobene Begründung. „Eine Blockabfertigung ist nicht zielführend, und zwar für niemanden“, sagt sie. „Die bayerische Seite leidet unter der Verkehrsbelastung, und auch die Tiroler Seite weiß, dass selbst mit der Blockabfertigung keine Reduzierung des Gesamtaufkommens zu erreichen ist.“ Reine Schaufenster-Politik, so sagt es die Bundestagsabgeordnete, die seit längerem auf eine Lösung drängt.

Die Tiroler begründen ihre Drosselungen unterschiedlich. Mal ist‘s das Sonntagsfahrverbot, mal sind es Baumaßnahmen, die als Anlass dienen. Zuletzt seien es Reparaturmaßnahmen an der Brennerautobahn gewesen, habe Georg Dettendorfer erfahren, „circa 100 Kilometer entfernt“.

Der Grund freilich ist woanders zu finden – im Brenner-Nordzulauf. Die zwischenstaatlichen Verträge zum Brenner-Basistunnel und den Zulaufstrecken seien von bereits vor über zehn Jahren unterschrieben worden, mahnt Tirol. „Der Umsetzungsstand der einzelnen Maßnahmen ist unterschiedlich.“ Weit vorangeschritten in Österreich, will das sagen, weniger weit in Deutschland. Die Nachbarn im Norden sollten „die Ausschöpfung aller vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zur Planungsbeschleunigung des Nordzulaufs“ prüfen.

Bürgermeister Kalsperger kann es nicht fassen. Man komme doch eh voran mit den Planungen. Und schließlich bedeute der Nordzulauf von der Größenordnung her eben doch ein wenig mehr Aufwand als ein Einfamilienhaus. Michael Weiser

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