Polizei-Einsatz bei Querdenkern

von Redaktion

Schule in Deutelhausen bleibt geschlossen – „Russisches Hoheitsgebiet“

Schechen – Eine dichte Nebeldecke liegt am Donnerstag um Viertel vor acht über der Region. Auch über dem alten Bauernhof in Deutelhausen, der von Querdenkern zur Schule umfunktioniert worden war. Doch die umherziehenden Nebelschwaden sind das einzige, was dort an diesem Morgen in Bewegung ist. Kein Mensch ist zu sehen, kein Auto – von Polizeifahrzeugen abgesehen.

„Wir haben Vollzugshilfe geleistet und geschaut, ob die Bescheide eingehalten werden“, sagt Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. „Die Bescheide“ sind die, die die Regierung von Oberbayern am Mittwoch erließ (wir berichteten) und in denen der Schulleiterin und der Betreiberin der Schule auf dem Bauernhof der Betrieb untersagt wurde. Sollte doch Schulbetrieb stattfinden, wird ein Zwangsgeld von bis zu 20000 Euro fällig. Und für den Verstoß gegen das Baurecht kämen vom Landratsamt laut dessen Sprecherin Ina Krug noch 5000 Euro hinzu.

Zahlreiche
Beamte vor Ort

Das war der Schulleiterin, einer krankgeschriebenen Lehrerin an einer öffentlichen Schule im südlichen Oberbayern, wie Wolfgang Rupp von der Regierung von Oberbayern bestätigt, und der Betreiberin, einer Stiftung namens „Freiheit braucht Mut“, dann offensichtlich doch zu viel. Bisher hatte die Schulleiterin sich gegenüber Medienvertretern darauf zurückgezogen, dass der Bauernhof „russisches Hoheitsgebiet“ sei, die Schule eine russische Stiftungsschule und als solche auch zertifiziert sei.

Die Vernetzung der Schulleitung, des Lehrpersonals und der Eltern der etwa 50 dort unterrichteten Kinder funktioniert offensichtlich, denn bis Viertel nach acht tut sich rund um den Hof gar nichts. Außer, dass sich die Sonne ganz langsam einen Weg durch den Nebel bahnt. Dann biegt ein Auto in die schmale Straße ein. Erregt Aufmerksamkeit in den diversen Polizeifahrzeugen – zivilen und blau-gelb-silbernen. Eine Anliegerin, wie sich zeigt. Ein Kaninchen hoppelt über die Wiese, sonst ist alles ruhig.

Davon konnte die Polizeiinspektion aber nicht ausgehen. 50 Kinder, dazu die Eltern und lehrende Erwachsene – es hätte eine größere Menschenmenge auf den Hof kommen können. Auf diese warteten in und um Deutelhausen „angemessene Kräfte“, wie es Polizeisprecher Emig formuliert. In Sichtweite der Reporterin waren es mindestens vier offenkundige Einsatzwagen, drei Zivilfahrzeuge und drei Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei. Abgesehen davon, dass immer mal wieder der Hahn kräht, bleibt an diesem Vormittag alles ruhig. Von Schulbetrieb keine Spur.

Verbindung zu
Reichsbürgern?

Schon als die von der Gründerin als „Lernoase“ bezeichnete Schule publik wird, gibt es Gerüchte, es handle sich um eine Querdenker-Schule. Diese haben sich in der Zwischenzeit verdichtet. Der Regierung von Oberbayern liegen laut ihrem Sprecher Wolfgang Rupp Dokumente, darunter Werbematerialien und Vertragsentwürfe, vor, die in diese Richtung beziehungsweise in Richtung Reichsbürger weisen. Das betreffe die Schulleitung und die Betreiberin, Stiftung „Freiheit braucht Mut“. Den Kindern und ihren Eltern könne man dieses Gedankengut nicht pauschal unterstellen, betont Rupp gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Dr. Matthias Pöhlmann, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche Bayern, wird bei der Kombination von „Lernoase“, „freies Lernen“ und „russisches Hoheitsgebiet“ hellhörig. Er hat sich für sein Buch „Rechte Esoterik“ (erscheint am 12. Oktober im Herder-Verlag) intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es könne sich um eine „Schetinin“-Schule handeln, die neben allem anderen auch stark militaristisch geprägt sei. Außerdem sei das „freie Lernen“ verstärktes Betätigungsfeld der sogenannten Anastasia-Bewegung und der „Schools of Bliss“ (zu deutsch: Schulen der Glückseligkeit), die rechtsesoterische, verschwörungsideologische, rassistische und antisemitische Züge hätten, erläutert er auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Auch ohne nähere Informationen deutet für ihn vieles darauf hin. Zumal die einen wie die anderen laut Pöhlmann zunehmend Aktivitäten in Bayern entfalten.

Darum fehlten die 50 Kinder in keiner Schule

Eltern, die ihre Kinder nicht regelmäßigen Selbsttests und der zumindest bis 1.Oktober geltenden Maskenpflicht aussetzen wollen, dürfen ihre Kinder aus der Schule in den Distanzunterricht nehmen, erklärt Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern. „Die Kinder waren wohl ordnungsgemäß in den Distanzunterricht entschuldigt“, so Rupp. Und da sie aus vielen verschiedenen Schulen kamen, wurde auch auf diesem Weg kein Verdacht erregt. Rupp weiß sicher nur von einem Fall, in dem ein Kind tatsächlich aus seiner Regelschule abgemeldet wurde.syl

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