Eine Geschichte aus dem Leben des jungen Franz von Assisi erzählt, wie dieser in der Kirche von San Damiano eines Tages die Stimme Jesu am Kreuz hören kann. Er bekommt einen scheinbar unmissverständlichen Auftrag: „Franziskus, geh und bau meine Kirche wieder auf! Siehst du nicht, wie sie zerfällt?“
Franziskus, der schon lange nach einem Sinn für sein Leben gesucht hat, macht sich gleich auf, um das baufällige Kirchlein zu renovieren. Er räumt die herumliegenden Steine weg und sammelt Geld für neues Baumaterial.
Erst nach und nach wird ihm klar, dass mit der „zerfallenen Kirche“ wohl doch nicht das Gebäude von San Damiano gemeint ist, sondern die Gemeinschaft der Kirche selbst, in der sich mancher Ungeist wie eine materielle Ausrichtung des Klerus eingeschlichen hat. „Renovierung“ heißt für Fransziskus ab sofort, das Evangelium gegen alle Widerstände ernst zu nehmen.
In einem der Bibeltexte, die wir am kommenden Kirchweihsonntag hören können, legt sich Jesus auch ein erstes Mal zornig und fast gewalttätig mit der religiösen Obrigkeit an. Er kann nicht akzeptieren, dass der Tempel in seinen Vorhöfen zu einem „Religionsbetrieb“ mit Händlern und Geldwechslern verkommen ist.
Ich liebe den Kirchweihsonntag mit Entenbraten, Kirtanudeln und weiteren Traditionen, aber der Bibeltext macht mich unruhig. Bei aller Festfreude muss es darum gehen, das Eigentliche in den Vordergrund zu stellen: Die innige Freude, dass Gott wirklich in unserer Mitte ist – und die Botschaft, dass unsere Kirche wieder eine Grundsanierung braucht.