Alarmstufe rot auf der Intensivstation

von Redaktion

CORONA-LAGE Welle der Ungeimpften füllt Kliniken in Hotspot-Region Rosenheim

Rosenheim – In der Covid-19-Intensivstation des Romed-Klinikums in Rosenheim spricht die Chefin mittlerweile von großer Anspannung. „Bei uns leuchtet die Ampel tiefrot“, sagt Leitende Ärztin Katharina Lenherr. Ein anderes Bild zeigt die Homepage des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Dort gibt die sogenannte Krankenhaus-Ampel Bayern weiterhin grünes Licht.

So deutlich konnte man seit Einführung der Ampel noch nicht sehen, wie sehr der neue Pandemie-Maßstab über die krassen Unterschiede im Freistaat hinwegtäuscht. In der kreisfreien Stadt Rosenheim etwa steht die Sieben-Tage-Inzidenz bei 235,9, im Landkreis Fürstenfeldbruck bei 38,4. Über beiden Kommunen aber leuchtet gleichermaßen das Grün der Klinik-Ampel.

Verlegung
nach Murnau

Während daher bayernweit die Klinikkapazitäten zumindest rechnerisch noch ausreichen, steht Medizinern im Corona-Hauptklinikum in Rosenheim das Wasser bis zum Hals. Ein Covid-19-Patient musste bereits ins Unfallkrankenhaus Murnau verlegt werden, wo zu diesem Zeitpunkt noch Kapazitäten frei waren.

Der Freistaat steht allerdings auch nicht gut da. Gestern sprang die Bayern-Inzidenz zum ersten Mal seit Mai wieder über die 100, nur in Thüringen lag sie höher. Bayern verzeichnet darüber die drei heftigsten Hotspots in Deutschland: Dem Landkreis Berchtesgadener Land (312,2) folgten Traunstein (259,2) und Stadt Rosenheim. Der Landkreis Rosenheim liegt mit 213,2 auf Platz zwei. Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, läutet die Alarmglocke. Er erwartet für den Herbst einen noch stärkeren Anstieg und damit auch eine höhere Belastung der Kliniken.

Zwei Drittel zwischen
18 und 59 Jahren

Dem Gesundheitsamt wurden seit Freitag vergangener Woche täglich durchschnittlich etwa 100 (bis zu 142) neue Fälle gemeldet. In sieben Tagen summierten sie sich auf 708 (Vorwoche: 670). Nach Auskunft Hierls sind überwiegend Ungeimpfte betroffen. Zwei Drittel der positiv Getesteten sind zwischen 18 und 59 Jahre alt.

Warum Rosenheim erneut unter den Hotspotregionen zu finden ist? Nachdem zu Beginn Reiserückkehrer viele andere Menschen ansteckten, herrsche mittlerweile ein diffuses Ausbreitungsgeschehen vor.

Hierl führt außerdem eine hohe Zahl von Ansteckungen in Schulen, Heimen, Betrieben und Asylunterkünften an. Sein Fazit: Für die Region Rosenheim gingen die Lockerungen zu weit: Die Regelungen zu 3G in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung seien für Regionen „mit hohem Infektionsdruck, hoher Belegung auf den Intensivstationen und zu geringer Impfrate, wie in Stadt und Landkreis Rosenheim, nicht geeignet, um das Infektionsgeschehen deutlich abzubremsen“. Nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Stadt und Landkreis sind nach den Berechnungen des Landratsamtes vollständig geimpft. Ohne Impfungen, die sich Menschen aus der Region woanders geholt haben, und ohne Impfungen durch Betriebsärzte liegt die Quote bei 55,72 Prozent Zweitimpfungen und 56,97 Prozent Erstimpfungen.

Bisher sind insgesamt 22768 Fälle von Covid-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 17767, Stadt: 5001). Die Auswertung der Fälle seit 1. September ergibt, dass trotz der Impfbemühungen etwa zehn Prozent in der Altersklasse über 60 Jahre betroffen waren, also Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Fast zwei Drittel der Fälle (65 Prozent) lagen im Bereich zwischen 18 und 59 Jahren. 14 Prozent der Fälle traten bei Kindern zwischen zwölf und 17 Jahren auf. Für diese Altersgruppe existiert eine Empfehlung der Stiko, diese Infektionsfälle wären grundsätzlich vermeidbar gewesen. Elf Prozent der Fälle traten bei Kindern unter zwölf Jahren auf, für die es bislang noch keine Impfstoffzulassung gibt.

Im Zeitraum vom 1. September bis 6. Oktober wurden insgesamt 3005 Fälle registriert, davon waren 2400 (79,9 Prozent) ungeimpft, 418 vollständig Geimpfte steckten sich an, davon 316 mit Symptomen (10,5 Prozent).

In der vergangenen Woche wurden in zehn Altenheimen acht Bewohner und 17 Mitarbeiter – davon elf nicht geimpft – positiv getestet. Vergangene Woche sind in Schulen 86 und in Kitas zwölf positive Fälle aufgetreten. In einer Schule wurden seit 22. September insgesamt 27 Fälle aus 14 verschiedenen Klassen gemeldet. Das Gesundheitsamt hat daher für drei Klassen Quarantänemaßnahmen, generelle Maskenpflicht im Schulgebäude und tägliche Schnelltests ab fünfter Klasse angeordnet.

Mittlerweile wurde bei mindestens 18949 Personen eine Genesung dokumentiert. 550 Personen (Stand davor: 549) sind bislang an oder mit Corona gestorben (Landkreis: 477). 51 (zuletzt: 36) Covid-19-Patienten werden stationär behandelt, davon 19 Patienten, sieben mehr als vergangene Woche, auf einer Intensivstation.

Einzelne Schwerpunkte sind nicht mehr zu erkennen, es gibt viele Gemeinden mit zweistelligen Infektionszahlen.

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