Nicht nur reden, sondern auch leben

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Schnitzel nach Art des fahrendes Volks“ lese ich auf der Speisekarte einer traditionellen bayerischen Gastwirtschaft. Nur einen kurzen Moment stutze ich. Mir ist schon klar, dass mit dem „fahrenden Volk“ hier die ethnische Minderheit der Sinti und Roma gemeint ist und die Umschreibung für das Schnitzel mit der Paprikasauce auf der Speisekarte etwas provozierend verwendet wurde, weil der umgangssprachliche Begriff „Zigeuner“ heute als diskriminierend gilt. Diskriminierung von Menschen mit einer anderen Hautfarbe beginnt eben schon bei sprachlichen Begriffen.

Natürlich bin ich bereit, meine persönliche Ausdrucksweise zu überdenken, auch wenn ich ganz ehrlich den geliebten „Mohrenköpfen“ meiner Kindheit nachtrauere, die es heute im Regal nur noch als „Schaumküsse mit Schokoladenüberzug“ gibt. Die Sprache allein macht es doch nicht! Wir können uns sprachlich noch so achtsam und korrekt ausdrücken, wenn wir im Herzen für Menschen anderer Kulturen nicht offen sind.

Am kommenden Sonntag feiern wir den Sonntag der Weltmission. Wo in früheren Zeiten mit der Kollekte für „die armen Negerkinder“ gesammelt wurde, versucht die Solidaritätsaktion am vierten Oktobersonntag heute, wirkliche Brücken zu bauen. Von Mensch zu Mensch und auf echter Augenhöhe.

Und meine Bewunderung gehört immer noch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unserer Kirchen, die nicht endlos diskutieren, wie heute ein „Zigeunerschnitzel“ heißen darf, sondern die ohne große Worte durch ihren Einsatz auf anderen Kontinenten ihren Glauben leben und bezeugen.

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