Billiger Sprit zapfen auf Tiroler Seite

von Redaktion

Tanktourismus nach Österreich lebt auch in der Region Rosenheim wieder auf

Rosenheim/Kufstein – Ein Kurzbesuch in Österreich lohnt sich selten so sehr wie jetzt. Denn der Sprit in der Region ist so teuer wie schon lange nicht mehr: Der Liter Diesel kostet aktuell diesseits der Grenze etwa 1,60 Euro, jenseits 1,40 Euro. Super-Benzin liegt auf deutscher Seite bei 1,75 Euro, in Tirol bei 1,56 Euro. Die Folge: Es hat sich ein regelrechter Tanktourismus ins Nachbarland entwickelt. Doch der Preisunterschied von rund 20 Cent pro Liter ist laut den Tankstellenbetreibern nicht der einzige Grund des wieder auflebenden Ansturms.

Corona-Pandemie
kein Faktor mehr

„Dass wir wieder viele Leute aus dem Raum Rosenheim bei uns begrüßen dürfen, liegt daran, dass man wieder einfacher zu uns kommen kann“, sagt Karl Thrainer, Geschäftsführer der Thrainer-Tankstelle in Niederndorf. Demnach ist es durch die Lockerungen der Corona-Beschränkungen nun wieder deutlich einfacher, für den sogenannten „kleinen Grenzverkehr“ nach Österreich zu fahren, um dort zu tanken. Nach dem schwierigen Jahr 2020 ist Thrainer laut eigener Aussage wieder „im gewohnten Schnitt“ und eine der ersten Anlaufstellen für Kurzbesuche aus dem Nachbarland.

Dass sich die Preise insbesondere in diesem Jahr um durchschnittlich 20 Cent unterscheiden, hat laut Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der Spedition Johann Dettendorfer und Betreiber von Tankstellen in Deutschland und Österreich, einen einfachen Grund: „Das liegt in erster Linie an der CO2-Besteuerung, die seit Januar 2021 in Deutschland erhoben wird.“ Die Rohstoffpreise seien in beiden Ländern gleich. Die Steuerbelastung auf einen Liter Sprit sei in Österreich indes deutlich niedriger.

„Das Ganze könnte sich aber bereits im kommenden Jahr ein wenig angleichen“, meint Dettendorfer. Denn ab Juli 2022 soll auch im Nachbarland eine CO2-Steuer erhoben werden. „Das wäre etwas, was wir nicht schlucken können“, bestätigt Thrainer. So eine Erhöhung würde dementsprechend auf den Verbraucher zurückfallen, der dann wieder ein paar Cent mehr für den Liter bezahlen müsste. Bis dahin müsse man allerdings erst einmal abwarten, da sich politisch in beiden Ländern gerade viel entwickele.

Aktuell stellt sich für den Verbraucher die Frage, ab wann sich die zusätzlichen Kilometer, die man in Kauf nehmen muss, überhaupt rentieren, wie Andreas Kral von der Aral-Tankstelle in Pfraundorf (Gemeinde Raubling) zu bedenken gibt. „Das ist von uns aus betrachtet schon ein bisschen weit weg.“ Der Pächter habe aus diesem Grund trotz der steigenden Preise noch keinen großen Abgang Richtung Tirol verzeichnen müssen. „Natürlich gibt es immer wieder einmal Beschwerden, wenn der Sprit auf einmal zehn Cent mehr kostet als vorher“, meint Kral. Alles in allem wäre das im alltäglichen Geschäft mit Kraftstoffen aber nicht ungewöhnlich.

Ab wann lohnt
sich der Umweg?

Auch Dettendorfer, der neben dem Autohof in Reischenhart (Raubling) auch die Benzinversorgung für Lkw bei „Inntaler Tank“ in Niederndorf übernimmt, würde sich „lieber zweimal überlegen“, ob sich der Aufwand lohnt. „Wenn ich mit einem 50-Liter-Tank von Rosenheim bis nach Kufstein fahre, spare ich mir bei 20 Cent pro Liter circa zehn Euro, lege aber rund 50 Kilometer extra zurück.“ Für einem Mehraufwand von rund einer halben Stunde würde man sich daher bei einem Preis von rund 1,60 Euro pro Liter nicht einmal fünf Euro sparen. Auch wenn der Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich aktuell so hoch ist, ist es nach Ansicht von Dettendorfer daher oft einfacher, „da zu tanken, wo man gerade ist“.

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