Schechen/Glonn – In der idyllischen Lernoase in Schechen erblühte das Schulleben nur zwei Wochen lang: Am 22. September schlossen die Behörden eine gerade gegründete private Schule in einem aufgelassenen Bauernhof (wir berichteten).
Oberlandesanwalt
bestätigt Prüfung
Mutmaßliche Schulleiterin war Veronika G., gegen die nun ermittelt wird. Er könne bestätigen, „dass von Seiten der Landesanwaltschaft Bayern – Disziplinarbehörde – aktuell die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen die als Leiterin der Einrichtung aufgetretene Beamtin geprüft wird“, erklärte Oberlandesanwalt Michael Pahlke.
Veronika G. ist eigentlich Lehrerin an der Grund- und Mittelschule Glonn (Landkreis Ebersberg), aber „seit mehreren Monaten krank geschrieben“, wie der Sprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp, bestätigte. Das hielt die Lehrerin nicht davon ab, alternativ tätig zu werden.
Sie unterrichtete in dem Bauernhof etwa 50 Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 9. Unterrichtsinhalte sind nicht bekannt, Rupp nennt die Schule aber „alternativ mit Tendenz zum Esoterischen“.
Veronika G. bezeichnet sich als Evolutionspädagogin und entfaltete als selbstständige Lernberaterin rege Aktivitäten, bot Vorträge an und Beratung von Schülern mit Problemen. „Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit mir und Sie werden sehen, dass schon nach einer Sitzung nichts mehr wie früher ist“, wirbt sie auf ihrer Homepage. Zudem schrieb sie ein Buch über „Lernprobleme aufgrund von Pandemiemaßnahmen“.
Im Internet vernetzte sie sich mit Gleichgesinnten. Plattform war eine Art Blog, auf dem sich unter der unverdächtigen Überschrift „Südostbayernaktiv“ seit August Eltern austauschten, die Interesse an der Gründung von „Lernoasen“ und „Lerngruppen“ als Alternative zum herkömmlichen Schulsystem hatten.
Es gab ein Vernetzungstreffen in einem Freizeitpark in der Nähe von Wasserburg, wobei sich die Teilnehmer über angeheftete Smileys fast konspirativ gegenseitig kenntlich machten. Bei dem Treffen wurde verabredet, über den Messengerdienst Telegram Details zu Schulgründungen wie „Finanzen“, „Rechtliches“ und „Verpflegung“ zu regeln.
Diskutiert wurde aber auch über andere Themen: Leben ohne 5G-Netz, Gründung regionaler Tauschringe, Einkaufsverzicht im Internet – sozusagen der Aufbau einer Parallelwelt. „Unter dem Radar bleiben. Keine große Aufmerksamkeit erregen. Normal bleiben“, lautet die Ermahnung in einem Flugblatt.
Einer der Beteiligten nennt sich Herbert und ist aus Gstadt am Chiemsee, wo er ebenfalls eine Alternativ-Schule gründen wollte. Mit Reichsbürgern oder Esoterikern habe er nichts zu tun, betont der Mann, der sich als „gläubiger Christ“ einer Freikirche bezeichnet. Er selber lässt seinen Sohn, einen Erstklässler, zuhause – das Kind soll nicht getestet werden.
„Drohungen, die
Angst machen sollen“
Von der Ankündigung des Kultusministeriums, demzufolge solche Kinder nach den Herbstferien als Schulschwänzer gelten, zeigt sich Herbert unbeeindruckt. „Das sind Drohungen, die Angst machen sollen“, sagt er. Er werde seinen Sohn weiter zuhause unterrichten. Denn zur Schulgründung kam es nicht. „Die Sache ist ziemlich eingeschlafen“, sagt er unserer Zeitung.
Gegen die Eltern von zwei der Schüler in der Kurzzeitschule Schechen wird nun ermittelt – sie hatten ihre Kinder ohne weitere Entschuldigung einfach vom normalen Schulbesuch abgemeldet.