Rosenheim – Ist Homöopathie Medizin im Sinne der Satzung? Eine Entscheidung der Bayerischen Landesärztekammer sorgt für Diskussionen auch in der Ärzteschaft der Region Rosenheim. Denn die Delegierten bei der Ärztevertretung haben die Streichung der Homöopathie aus ihrer Weiterbildungsordnung beschlossen. Damit genießt die Homöopathie offiziell nicht mehr die Anerkennung der Ärzteschaft.
Es ist eine Entscheidung, die in der Ärzteschaft in der Region auch auf Kritik stößt. „Damit verschwindet auf unabsehbare Zeit die Kontinuität dieses wertvollen medizinischen Wissens und der Erfahrung von über 200 Jahren, Wissen der Natur selbst, aus dem ärztlichen Repertoire“, heißt es in einer Erklärung, die 16 der Homöopathie nahestehende Mediziner aus der Region unterzeichnet haben.
Die Entscheidung habe Signalwirkung, befürchtet der Priener Allgemeinarzt und Homöopath Dr. Hans W. Thiergardt, einer der Unterzeichner der Erklärung mit dem Titel „Homöopathie ist Patientenmedizin“. Die Anerkennung der Kammer bislang sei einem Gütesiegel gleichgekommen.
Die Autoren der Erklärung sehen offenbar einen gewissen Gegensatz zur naturwissenschaftlich geprägten sogenannten Schulmedizin. Heilung geschehe eben „nicht nur materiell und molekular, sondern zu einem großen Teil im Geist“. Wenn die derzeitige Naturwissenschaft den Geist einer Arznei nicht messen könne, dann „gibt es diesen aber trotzdem“.
Genau an der Wirksamkeit der Homöopathie aber gibt es seit langem starke Zweifel. Die Heilkraft der Homöopathie sei wenig oder vielmehr gar nicht erwiesen, sagt etwa Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim.
Thiergardt befürchtet, dass die neue Linie der Kammer Spuren bei der jungen Ärztegenerationen hinterlassen könnte. Dr. Mario Zöllner aus Prien sieht Gefahren auch für den Patienten selbst. Es könne nun zu einer Verwässerung kommen. Überspitzt formuliert könnte ja irgendwann jeder, der „ein Buch über Homöopathie gelesen hat“, diesen Schwerpunkt auf sein Praxisschild setzen.
Da würde ihm Kollege Stein vielleicht sogar Recht geben. Er sieht insgesamt die Streichung der Homöopathie nicht nur als Vorteil. „Jetzt sind es wenigstens Ärzte, die das machen, die können eingreifen, wenn etwas auftaucht.“ Wenn man die Homöopathie aber verdränge, wenn sich irgendwann nur noch Heilpraktiker dieses Zweigs annähmen: Dann „könnten auch leichter ernsthafte Krankheiten übersehen werden“.