Intensivkapazitäten ausgeschöpft

von Redaktion

Corona-Lage in der Region angespannt – Vermehrt Heime betroffen

Rosenheim – Die Corona-Lage ist äußerst angespannt in der Region Rosenheim – insbesondere, was die Belegung der Intensivstationen angeht. Die Kapazitäten in den Romed-Kliniken sind inzwischen ausgeschöpft.

Um die Versorgung dennoch sicherzustellen und die steigende Anzahl an Covid-Patienten bewältigen zu können, muss nun umstrukturiert werden: Personal wird aus den Kreiskliniken nach Rosenheim beordert, dort wird die Zahl der Intensivbetten aufgestockt. Gleichzeitig werden seit dieser Woche planbare Operationen und Eingriffe abgesagt. Mit nunmehr 16 Covid-Intensivplätzen in Rosenheim und Einzelbetten an den Standorten Bad Aibling und Wasserburg hofft man, zumindest genügend Spielraum übers Wochenende zu haben. „Damit konnte zumindest Luft verschafft werden“, erklärt eine Romed-Sprecherin auf Anfrage. Kommende Woche müsste nach Möglichkeiten gesucht werden, die Bettenanzahl noch weiter zu erhöhen.

Viele Covid-Patienten auf Intensivstation

Stand Freitagmorgen befanden sich 74 Covid-Patienten zur stationären Behandlung in den Romed-Kliniken, davon 13 auf Intensivstation. Hinzu kommen acht Verdachtsfälle, davon einer auf Intensiv. Vier der insgesamt 14 Intensivpatienten müssen beatmet werden (Stand 5. November, 9 Uhr).

Im gesamten Rettungsdienstbereich, der die Landkreise Miesbach (Krankenhaus Agatharied) und Rosenheim sowie die Stadt Rosenheim umfasst, waren Freitagmorgen 119 Covid-Patienten in stationärer Behandlung (Vorwoche 86), davon 24 auf einer Intensivstation (Vorwoche 16).

In Sorge ist der Ärztliche Leiter Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler. Die Covid-Belegungszahlen näherten sich dem Spitzenwert der zweiten Welle bei gleichzeitig weniger zur Verfügung stehenden Kapazitäten. „Ein gleiches Bild zeigt sich im gesamten oberbayerischen Raum, sodass Abverlegungen im Umkreis nahezu nicht möglich sind“, erklärt Städtler. Die Lage auf den Intensivstationen sei „extrem belastend“. Auch das Personal befinde sich an der „absoluten Belastungsgrenze“. Und: Es würden fast ausschließlich ungeimpfte Patienten intensivmedizinisch versorgt. Städtler: „Für den Winter ist zu erwarten, dass saisonbedingt die Infektionszahlen weiter massiv ansteigen werden. Das wird die Belastung der Kliniken in der Region, vor allem im Intensivbereich, an ihre Leistungsgrenze bringen.“ Unterdessen schwellen die Inzidenzen weiter an, die Fallzahlen explodieren geradezu. Die 7-Tage-Inzidenz des Landkreises liegt bei 493, für die Stadt Rosenheim bei 360 (5. November). Dem Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim wurden in dieser Woche täglich durchschnittlich etwa 220 neue Fälle gemeldet (insgesamt 1520 Neumeldungen; Vorwoche 1364). Am Donnerstag wurde mit 304 die bislang höchste Zahl neuer Fälle registriert. Und es bleibt dabei: Weit überwiegend sind, so belegen es die Erhebungen der Behörde, Ungeimpfte bei den neuen Fällen betroffen. Knapp zwei Drittel der positiv Getesteten sind im Alter zwischen 18 und 59 Jahren.

Fälle in Unternehmen, Kitas und Schulen

Das Ausbruchsgeschehen in der Region ist aktuell vielfältig – und größtenteils „diffus“, wie es aus dem Gesundheitsamt heißt. Konkret betroffen war zuletzt ein Unternehmen im nördlichen Landkreis. Die Bilanz nach einer Reihentestung: 18 Positiv-Fälle.

Hinzu kommen 60 Fälle in 29 Schulen, die in die Herbstferien hinein gemeldet wurden, und 23 in 18 Kitas, wobei es sich um neun Ausbrüche mit 13 Folgefällen handelt. Besorgniserregend ist die Entwicklung in den Alten- und Seniorenheimen, wo bei Mitarbeitern und Bewohnern die Fallzahlen sprunghaft angestiegen sind. Laut Gesundheitsamt ist dabei der Anteil der positiv getesteten, vollständig geimpften Bewohner „beunruhigend hoch.“ Die betroffenen Mitarbeiter waren indes zum überwiegenden Teil ungeimpft. So wurden in dieser Woche in 19 Alten- und Pflegeheimen bei 104 Bewohnern (88 geimpft, 15 nicht geimpft) und 46 Mitarbeitern (25 nicht geimpft, 14 geimpft, sieben unbekannt) Corona-Infektionen festgestellt. Elf der betroffenen Heimbewohner (drei nicht geimpft, sieben geimpft) mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Die Zahlen unterstreichen eindrücklich, dass dringend Auffrischungsimpfungen bei vollständig geimpftem Personal und Bewohnern erforderlich sind, wenn die letzte Impfung vor mindestens einem halben Jahr stattfand“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl.

Aus den Heimen sind aktuell die meisten Todesfälle zu beklagen: Vier der zuletzt insgesamt fünf Covid-Toten in der Region Rosenheim waren in einem Heim untergebracht. Sie alle waren über 80 Jahre alt. Ein weiterer Corona-Todesfall in dieser Woche (Vorwoche: sechs) war zwischen 60 und 80 Jahre alt. Die Gesamtzahl der Corona-Todesfälle in Stadt und Landkreis erhöht sich damit auf 568 Personen.

„Verschärfungen gehen in die richtige Richtung“

Die in dieser Woche im Südosten Oberbayerns und damit auch in Stadt und Landkreis Rosenheim veranlassten Verschärfungen hin zu 2G (Geimpfte, Genesene) in Clubs und Diskotheken, FFP2-Maskenpflicht und Quarantäneverlängerung für Ungeimpfte auf zehn Tage begrüßt Rosenheims Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl ausdrücklich. „Alle diese Regelungen gehen in die richtige Richtung. Nur durch wirkungsvolle Kontaktbeschränkungen von Ungeimpften lässt sich das Infektionsgeschehen abmildern. Ob die beschlossenen Maßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten und hängt ganz entscheidend von den Einlasskontrollen in den Einrichtungen oder bei den Veranstaltungen ab.“

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