Vom hohen Ross heruntersteigen

Zwischen Himmel und Erde

hannelore.maurer@ovb.net

„Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“, singen unsere Kindergartenkinder in voller Lautstärke. Jedes Jahr geht mir wieder das Herz auf, wenn sie mit ihren Laternen zur Martinsfeier in die Kirche kommen. Mit vier Jahren kennen sie bereits die Erzählung des Soldaten Martinus, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt.

Aber ist diese Geschichte wirklich so einfach? Eine Legende, die wir nur auf Kindergartenkinder reduzieren? Beim tieferen Nachdenken gehen mir darin noch ein paar Nebenschauplätze auf: Ein Offizier ohne oder mit nur einem halben roten Soldatenmantel, das geht eigentlich gar nicht. Da hat einer nicht nur seinen wärmenden Umhang, sondern auch die Insignien seiner Macht abgegeben. Da macht sich einer zum Gespött der anderen.

Wer hat diese menschliche Größe heute noch, in einer Zeit, in der die mediale Selbstdarstellung so einen hohen Stellenwert hat? Eigentlich nur einer, der sein Herz am innersten Punkt wirklich berühren lassen kann. Jemand, der Gott und andere Menschen an sein eigenes Herz heranlässt und dann seiner Intuition folgt, ohne die letzte Konsequenz zu überdenken.

Ich bin überzeugt, dass das Leben jeden von uns immer wieder in solche Situationen bringt. Gut, wenn wir dann wie der heilige Martin von unserem hohen Ross heruntersteigen können. Vielleicht sehen wir dann manches aus einer anderen Perspektive.

Man kann nur gewinnen, wenn man sich aus seiner Komfortzone herausbegibt und selber verschenkt. Denn die Liebe ist das Einzige, das sich noch verdoppelt, wenn man sie miteinander teilt.

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Montag, 13. Juli 2026
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