Welle der Ungeimpften belastet

von Redaktion

Weiter steigende Corona-Fallzahlen – Kliniken am Limit

Rosenheim – Überlastete Kliniken und Ärzte, immer weiter steigende Fallzahlen – die Serie der Negativrekorde reißt in dieser vierten Corona-Welle nicht ab. Der Landkreis Rosenheim bewegt sich mit zuletzt 234 Neumeldungen und einer Sieben-Tage-Inzidenz von 581 (11. November) auf die Marke 600 zu. Die Stadt Rosenheim liegt mit 30 Neumeldungen bei 388 – während die Nachbarlandkreise Traunstein und Mühldorf bereits auf die 1000 zulaufen.

Die Gründe für die explodierenden Zahlen: vielfältig – und weiter „diffus“, wie es seitens des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim heißt. Einzelne Ausbruchsgeschehen könnten nicht mehr festgemacht werden. Sorgen bereiten indes die vermehrten Infektionsübertragungen auf Mitarbeiter und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. „Besorgniserregend ist dabei der hohe Anteil vollständig geimpfter Bewohner bei den positiven Fällen und den Hospitalisierten“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl auf Anfrage.

Wieder Infektionen
in Schulen und Kitas

Hinzu komme eine „zunehmend hohe Zahl“ an positiven Fällen sowie an Infektionsübertragungen in Schulen und Kitas. Während den Herbstferien hatte es eine zwischenzeitliche Abnahme der Fallzahlen gegeben, inzwischen steigen sie wieder. Rekordinzidenzen, explodierende Fallzahlen, alles noch nie dagewesene Werte, die sich täglich zu übertreffen scheinen – und die in der Folge die Kliniken mit einer weiter steigenden Anzahl an schweren Covid-Verläufen an die Belastungsgrenze bringen. Allein in den Romed-Kliniken befinden sich aktuell 102 Covid-Patienten (davon sieben Verdachtsfälle) in stationärer Behandlung, verteilt auf die Standorte Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg. Davon liegen wiederum 18 Patienten auf Intensivstation, sieben beatmet.

Extrem hohe
Belegungszahlen

Belegungszahlen, die höher sind als zu Spitzenzeiten im vergangenen Corona-Winter, als es noch keine Impfungen gab. „Aber damals gab es einen Lockdown, deshalb wurden deutlich weniger Unfallpatienten eingeliefert“, sagt Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit August, als sich die vierte Welle anbahnte, waren in den Romed-Kliniken bereits über 90 Covid-Intensivpatienten in Behandlung. Etwa 90 Prozent ungeimpft, berichtet der Geschäftsführer. Und: „Wir haben jetzt deutlich mehr jüngere Patienten. Kerngesunde 40-Jährige, die Corona voll erwischt hat.“

Ein weiterer Faktor für die prekäre Lage ist, dass für die vier Romed-Kliniken im Kreis Rosenheim aktuell ein Drittel der Intensivbetten nicht zur Verfügung steht, weil Pflegekräfte dafür fehlen. Die Personalsituation sei deutlich angespannter als im vergangenen Winter, sagt Deerberg-Wittram. „Der Markt für Intensivpflegekräfte ist völlig leer. Jede Stelle, die frei wird, können wir nicht nachbesetzen.“ Hinzu komme, dass viele Intensivpflegekräfte im Krankenstand seien, einige auch wegen Erschöpfung. „Und natürlich gibt es auch bei unserem Personal Infektionen und Quarantäne.“

Doch selbst wenn Patienten mit einer Infektion im Krankenhaus landen, bedeute das nicht automatisch, dass sie das Virus ernster nehmen, berichtet Deerberg-Wittram. „Einige sind wirklich aggressiv, weigern sich die Maske zu tragen, oder bedrohen die Pflegekräfte sogar.“ Ein Patient habe einer Pflegekraft kürzlich die Schutzausrüstung runtergerissen und sie angespuckt. Die Angst, sich selbst zu infizieren, sei trotz aller Professionalität und Sicherheitsvorkehrungen ein ständiger Begleiter für viele Intensivpflegekräfte.

Deerberg-Wittram ist froh, dass zumindest die Klinik-Ampel nun anzeigt, wie dramatisch die Situation auf den Intensivstationen inzwischen ist. „Das bedeutet ja auch, dass die Pandemie-Regeln vor Ort verschärft werden. 2G ist aus Sicht der Krankenhaus-Mitarbeiter besser als 3G.“ Er betont: „Alles, was zu mehr Schutz führt, hilft uns.“

Erleichterung über den erneut ausgerufenen Katastrophenfall herrscht beim regionalen Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordination, Dr. Michael Städtler, zuständig für die Bettenbelegung in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Miesbach. Damit könnte die Verlegung von Covid-Patienten erleichtert werden. Städtler: „Die Auswirkungen in konkreten Bettenzahlen sind Stand jetzt allerdings noch nicht abschätzbar, das ist ein dynamischer Prozess. Vorrangiges Ziel muss es sein, die Anzahl der behandlungsbedürftigen Erkrankten zu reduzieren, zum Beispiel durch Impfungen.“

Wobei das Thema Impfen in der Region Fahrt aufzunehmen scheint. Wie die Stadt Rosenheim, zuständig für das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis, auf Anfrage mitteilt, dürfte sich die Zahl der Impfungen bis Ende dieser Woche voraussichtlich um 30 Prozent gegenüber der Vorwoche erhöhen. Die Nachfrage nach Erst- und Auffrischungsimpfungen ist dem Sprecher zufolge groß. Derzeit seien im „Impfzelt“ vier Impfstraßen in Betrieb, bis Samstag sollen alle sechs Straßen in Betrieb sein.

Steigende
Impfbereitschaft

Die Hoffnung in der Region liegt neben der steigenden Impfbereitschaft in der Wirkung der Verschärfungen hin zur vermehrten 2G-Regelung. Insbesondere Gesundheitsamtschef Wolfgang Hierl begrüßt die Verschärfungen der Regelungen durch die Staatsregierung: „Sie gehen in die richtige Richtung. Ganz entscheidend hängt der Erfolg aber auch von den Einlasskontrollen in den Einrichtungen oder bei den Veranstaltungen ab.“

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