Rosenheim – Die Technische Hochschule Rosenheim als Innovationsstandort noch bekannter zu machen und gleichzeitig die zu würdigen, denen diese Neuerungen zu verdanken sind – das ist die doppelte Aufgabe des „Innovationspreises“. Hochschule und Seeoner Kreis haben ihn am Mittwoch zum ersten Mal verliehen.
„Wer sieht, was hier von den sechs Finalisten auf die Beine gestellt wurde“, meinte Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die als Gastrednerin zur Veranstaltung gekommen war, „dem wird nicht bang, dass wir unsere Zukunftsaufgaben meistern können“. Auch die größte Herausforderung der Zeit, der Klimaschutz, sei kein Problem, vor dem man kapitulieren müsse. „Wir haben, wie sich heute zeigt, durchaus die wissenschaftliche Kreativität, um hier Lösungen finden zu können. Es braucht nur auch das Zutrauen in unsere Fähigkeiten.“
Kleine und mittlere
Betriebe entscheidend
Genau darum, dieses Potenzial an Wissen und Kreativität bekannt zu machen, es mit der Wirtschaft zu vernetzen und dadurch erst richtig fruchtbar werden zu lassen, geht es dem Seeoner Kreis mit dem Innovationspreis, wie dessen Vorstandsvorsitzender, Gerald Rhein, deutlich machte. Adressat ist dabei vor allem die mittelständische Wirtschaft in der Region: Es seien nicht in erster Linie die Dax-notierten Großkonzerne, die die Innovation vorantreiben, meinte dazu Ilse Aigner, „das sind große Tanker, die natürlich ihre Bedeutung haben. Entscheidender aber sind die kleinen Schnellboote, die rasch reagieren können und das auch tun – also die mittleren und kleinen Unternehmen“.
Wenn sich Wirtschaft, Hochschule und Politik über die Bedeutung von Innovationsleistungen einig seien und sich gemeinsam um deren Nutzung bemühten, ergänzte Hochschulpräsident Heinrich Köster, „dann kann nichts wirklich schief gehen“. Der Politik, so Aigner, käme es hier vor allem zu, die Leitplanken zu setzen. Verbesserungsbedarf sei in dieser Hinsicht immer da, aber man habe hier in der Vergangenheit doch einiges geleistet, der Wandel Bayerns von einem beinah rückständigen Agrarland zu einem hervorragenden Wissenschaftsstandort spräche für sich.
Und auch Heinrich Köster stimmte dem zu: Der Aufstieg Rosenheims von der einst kleinsten Hochschule Bayerns zum jetzigen Stand mit 40 Studiengängen sei eben genau diesem Zusammenspiel von Hochschule, Politik und Wirtschaft zu verdanken. Und welche Exzellenz damit zu erreichen sei, habe er erst am Tag zuvor wieder bestätigt bekommen, als er in Baden-Württemberg auf einem Termin dem dortigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann begegnet sei. Der habe gesagt, in Rosenheim handele es sich mittlerweile um das Mekka der Holztechnologie.
Dass das Kreativpotenzial der Hochschule aber längst nicht nur mehr auf Holz beschränkt ist und gerade beim Thema Nachhaltigkeit ganz vorne mitspielt, das machten auch die sechs Finalisten deutlich. Michael Sigrüner, der letztendliche Preisträger, war zum Beispiel an einem Forschungsprojekt beteiligt, bei dem es um neue Techniken bei der Betonbewehrung geht: Bislang wird dort Eisen eingesetzt. Das aber ist nicht nur korrosionsanfällig, sondern macht auch viel ummantelnden Beton nötig. Beides – Eisen wie Beton – braucht zur Herstellung aber jede Menge Energie und setzt entsprechend Kohlendioxid frei. Die Forschungen des Teams, an dem Michael Sigrüner beteiligt war, werden es möglich machen, das Eisen durch Faserverbundstoffe zu ersetzen.
Das Ergebnis: keine Korrosionsprobleme mehr, damit längere Lebenszeit der Bauwerke, die mit deutlich dünneren Wandstärken auskommen und bei ihrer Herstellung mit entscheidend weniger CO2-Ausstoß verbunden sind.
Erklärvideos
für Berufsschüler
Derartige Forschungsleistung setzt natürlich eine fundierte Ausbildung voraus, und auch hier überzeugt die Technische Hochschule Rosenheim. Einen doppelten Beweis dafür lieferte der studentische Preisträger Markus Mühlbacher. Er steht mit seinen Kommilitonen aus dem Studiengang Ingenieurspädagogik nicht nur für die Ausbildungskompetenz, die sie selbst erfahren haben. Das Team überzeugte auch mit dem Bemühen, diese an jene weiterzugeben, die noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen: durch praxisnahe und unterrichtstaugliche Erklärvideos, vor allem für den Einsatz an Berufsschulen gedacht. Ihre Arbeit ist so erfolgreich, dass sie nicht nur vom Kultusministerium gewürdigt wurde, sondern auch auf die Schulplattform Mebis gestellt werden wird.
Johannes Thomae