Traunstein/Großkarolinenfeld – „Von jetzt auf gleich gab es einen Flashover. Dann stand das Gebäude lichterloh in Flammen.“ So schilderte ein Polizeibeamter den Großbrand in einem Supermarkt in Großkarolinenfeld mit einem Gesamtschaden von rund 3,5 Millionen Euro (wir berichteten). Gegen den Brandstifter, einen psychisch kranken 30-jährigen Bosnier, ordnete die Zweite Traunsteiner Strafkammer mit ihrem derzeitigen Vorsitzenden, Richter Andreas Bartschmid, am Montag die zeitlich nicht begrenzte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.
Der Kripobeamte hatte am 25. Juni 2021 mit einer Kollegin Nachtdienst. Nach 22 Uhr wurden die zwei KDD-ler von der Einsatzzentrale nach Großkarolinenfeld beordert. Bei ihrer Ankunft war der 30-Jährige bereits von uniformierten Kollegen in dem Gebäude auf frischer Tat ertappt und festgenommen worden. Der Zeuge schilderte: „Bei unserem Eintreffen war es schon viel zu gefährlich, in das Gebäude reinzugehen.“ Dann sei die Verpuffung erfolgt. Schlagartig habe das ganze Gebäude gebrannt: „Wir konnten nicht mehr viel machen.“
Stimmen
gehört
In der Dienststelle habe er den Beschuldigten befragt. Der 30-Jährige habe „einen gewissen verwirrten Eindruck gemacht“: „Er berichtete von Stimmen, die er gehört habe. Welche Stimmen genau, wisse er nicht. Sie würden ihn jedoch vom Schlafen abhalten.“
Die rund 170 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Polizei und Rettungsorganisationen konnten letztlich nicht verhindern, dass das Großfeuer binnen etwa 15 Minuten das komplette Gebäude des Lebensmitteldiscounters samt Warenbestand vernichtete. Die Kosten für den Abriss der Ruine bezifferte Staatsanwalt Markus Andrä mit 200000 Euro, mit 2,3 Millionen Euro für den Neubau und mit einer Million Euro für den Warenbestand und den Verdienstausfall.
Der 30-Jährige zeigte sich geständig. Er fühle sich „schlecht und beschämt“, bereue die Tat. Er habe zu jener Zeit viel beruflichen und privaten Stress gehabt. Dass er seit Jahren schwer psychisch krank ist – das wollte er nicht einsehen. Die „Geräusche“ im Kopf, die ihm den Schlaf raubten, hatte er in früheren Untersuchungen zurückgeführt auf ein „Metallstück“, ein anderes Mal auf einen ihm eingepflanzten „Mikrochip“ oder einen „Magneten“ im Schädel.
Die psychiatrische Sachverständige, Dr. Susanne Lausch vom Gutachterzentrum in Straubing, empfahl gestern die Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie. Sie bescheinigte dem Bosnier aufgehobene Schuldfähigkeit.
Extrem hohe
Wiederholungsgefahr
Die Gutachterin gelangte zu einer extrem hohen Wiederholungsgefahr für schwere Gewalttaten, Brandstiftungen und Gewalt gegen Menschen eingeschlossen. Die Erkrankung sei grundsätzlich nicht heilbar. Ihre Symptome könnten jedoch durch medikamentöse Behandlung unterdrückt werden.
Staatsanwalt Markus Andrä bekräftigte seinen Antrag auf Unterbringung im Plädoyer. Unbehandelt sei der Mann allgemeingefährlich. Verteidigerin Gabriele Sachse aus Rosenheim hatte dem Schlussantrag Andräs wenig hinzuzufügen. Wenn ihr Mandant Krankheitseinsicht entwickle, könne sich sein Zustand in überschaubarer Zeit bessern.
Im Urteil unterstrich Bartschmid, zum Tatmotiv des 30-Jährigen sei nichts bekannt geworden. Die Ursache liege wohl in seiner Krankheit: „Er hat vielleicht ein Ventil gesucht, um sich Erleichterung zu verschaffen.“ „Ihre Zukunft wird darin bestehen, sich mit der Krankheit, die gut behandelt werden kann, auseinanderzusetzen“, machte der Vorsitzende dem 30-Jährigen Mut. Das Urteil wurde mit Zustimmung des Staatsanwalts sofort rechtskräftig.
Monika Kretzmer-Diepold