Inzidenz sinkt: Vorsichtiger Optimismus

von Redaktion

Corona-Lage in der Region Rosenheim stabilisiert sich – Klinik-Situation weiter kritisch

Rosenheim – Die Corona-Fallzahlen in der Region Rosenheim sind seit Tagen auf Sinkflug, mit Tendenz weiter rückläufig. Die Inzidenzwerte für Stadt (659) und Landkreis (674) sind in der Zwischenzeit deutlich von der Hotspot-Marke 1000 entfernt. Selbst Experte Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, ist inzwischen vorsichtig optimistisch.

Was dennoch besorgt: In den Kliniken ist von Entspannung noch nichts zu spüren, sie sind weiter an der Kapazitätsgrenze. Und die Zahl der Corona-Toten in der Region steigt weiter an: Binnen einer Woche sind 24 neue Covid-19-Todesfälle hinzugekommen (Vorwoche: 20). Die Gesamtzahl der registrierten Corona-Toten steigt somit auf 659 Personen.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Zur epidemiologischen Lage in Stadt und Landkreis sagt Experte Hierl: „Die Entwicklung der Infektionszahlen gibt vorsichtig Anlass zu Optimismus. Die Kontakt- und Einlassbeschränkungen scheinen zu wirken. Da sind wir auf dem richtigen Weg.“ Die Lage in den Kliniken in Stadt und Landkreis sei indes weiterhin besorgniserregend. „Keinesfalls dürfen wir uns daher hinreißen lassen, aufgrund der sinkenden Sieben-Tage-Inzidenz Entwarnung zu geben.“

Nach wie vor
große Impflücke

In der Region Rosenheim stecken sich nach den Worten von Hierl jeden Tag weiterhin bis zu 450 Personen mit dem Virus an. „Gleichzeitig ist die Impflücke in unserer Bevölkerung viel zu groß, als dass wir einen nennenswerten Bevölkerungsschutz erwarten könnten.“ Hierl zeigt sich überdies besorgt, dass es zu einer rasanten Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland komme und damit möglicherweise schwere Verläufe bei Ungeschützten zunehmen könnten. Gleichzeitig könne aufgrund der verminderten Wirksamkeit der Impfstoffe bei Omikron nur durch eine Booster-Impfung ein ausreichendes Schutzniveau erreicht werden. Hierl: „Wir fahren bildlich gesprochen mit angezogener Handbremse, aber die Geschwindigkeit ist trotzdem viel zu hoch. Dies führt dazu, dass auch weiterhin unweigerlich schwerste Erkrankungen entstehen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen.“

Die Zahlen aus den Kliniken sprechen Bände: In den Romed-Krankenhäusern befinden sich aktuell 121 Covid-Patienten in stationärer Behandlung (darunter fünf Verdachtsfälle, Stand 10. Dezember), davon 17 auf Intensivstation. Acht Covid-Patienten müssen beatmet werden.

In der gesamten Region werden derzeit 245 Covid-Patienten stationär behandelt (Vorwoche 235), 35 davon auf Intensivstation (35). Nach Aussage des Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler, stagnieren die Belegungszahlen mit Covid-19 auf den Normalstationen. Die Belastung der Intensivstationen sei indes unverändert sehr hoch. Ein gleiches Bild zeige sich im gesamten bayerischen Raum, sodass Abverlegungen nahezu nicht möglich sind. Städtler: „Die Kliniken in der Region sind bereits an ihrer Leistungsgrenze.“

Die Zahl der Neuinfektionen ging im Wochenverlauf deutlich zurück. Im Schnitt kamen laut Gesundheitsamt am Tag 310 neue Fälle in Stadt und Landkreis hinzu. Die Gesamtzahl der Neumeldungen lag diese Woche bei 2184 (Vorwoche 3008). Regionale „Hotspots“ waren Wasserburg (143 Fälle), Kolbermoor (142), Bad Aibling (109) und Bruckmühl (100) sowie Prien am Chiemsee (88), Bernau (68) und Stephanskirchen (59).

Die Auswertung der Fälle seit 1. Dezember ergibt, dass trotz der Impfbemühungen etwa 19 Prozent in der Altersklasse über 60 Jahre betroffen waren, also Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Über die Hälfte der Fälle (56 Prozent) lagen zuletzt im Altersbereich zwischen 18 und 59 Jahren. Acht Prozent der Fälle traten bei Kindern zwischen zwölf und 17 Jahren auf. Hierl: „Alle diese Infektionsfälle wären grundsätzlich durch eine Impfung vermeidbar.“

17 Prozent der Fälle (im November 13 Prozent) traten bei Kindern und Jugendlichen unter zwölf Jahren auf. In den Schulen in Stadt und Landkreis ereigneten sich in dieser Woche fünf Ausbrüche mit elf Folgefällen, in den Kitas sechs Ausbrüche mit acht Folgefällen.

In den Heimen in Stadt und Landkreis befinden sich laut Gesundheitsamt die Krankheitsfälle bei Bewohnern und auch bei Mitarbeitern weiter auf hohem Niveau. Dabei sei der Anteil der positiv getesteten vollständig geimpften Bewohner weiterhin hoch, jedoch zur Vorwoche rückläufig. Die Verlaufsformen seien in der Regel milde.

Viele Heime
betroffen

Die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter war laut Gesundheitsamt ungeimpft. Insgesamt kam es in dieser Woche zu Covid-19-Infektionen in 30 Alten- und Pflegeheimen in der Region bei insgesamt 233 Bewohnern (173 geimpft, 48 ungeimpft, sechs unvollständig geimpft, in sechs Fällen unbekannt) und 117 Mitarbeitern (61 ungeimpft, 45 vollständig, zwei unvollständig geimpft, in neun Fällen unbekannt). Zehn Heimbewohner – sechs davon ungeimpft – mussten hospitalisiert werden.

Impfquote bei
rund 60 Prozent

Die Impfquote in der Region (60,25 Prozent Zweitimpfungen, 61,32 Prozent Erstimpfungen) bewertet Behördenleiter Hierl weiter als zu gering: „Nur etwa 60 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Die wöchentlichen Zuwächse bewegen sich nur im Zehntelprozentbereich. Das ist für einen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen viel zu gering.“

Reiserückkehrer bringen Omikron-Variante in die Region

Seit 24. November sind nach Angaben des Gesundheitsamtes Rosenheim insgesamt 70 Personen mit Wohnsitz in Stadt und Landkreis Rosenheim aus einem Virusvariantengebiet im südlichen Afrika eingereist. In 51 Fällen war das Reiseland Südafrika, in 18 Fällen Namibia und einmal Simbabwe. 67 dieser Reiserückkehrer wurden negativ getestet. Sie müssen aufgrund der rechtlichen Bestimmungen eine 14-tägige Quarantäne mit Zwischen- und Abschlusstestungen absolvieren. Die restlichen drei Personen wurden mittels PCR positiv getestet. Ebenfalls PCR-positiv wurde eine Person getestet, die ihren Hauptwohnsitz in einem anderen Landkreis hat, die häusliche Isolation aber bei den beiden Familienmitgliedern (die ebenfalls PCR-positiv getestet wurden) im Landkreis verbringt. Für diese Person sowie für einen weiteren Reiserückkehrer liegen mittlerweile die Nachweise der neuen besorgniserregenden Omikron-Variante mittels Genomsequenzierung vor. Insgesamt sind bislang zwei Fälle bestätigt. Bei den anderen positiven Fällen steht der Nachweis noch aus. Für alle sechs PCR-positiven Fälle besteht eine Isolationspflicht (davon in zwei Fällen in einem Hotel am Flughafen München, in den restlichen Fällen zu Hause).rg

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