Auf der Suche nach akzeptablen Lösungen für alle Parteien

von Redaktion

Kaufhaus-Geschäftsführerin Annerose Dirnberger ist ab 1. Januar neue Handelsrichterin in Traunstein

Traunstein – Annerose Dirnberger, die 1978 als Lehrling im Kaufhaus Unterforsthuber in Traunstein begann und seit 2002 an der Spitze des Unternehmens steht, ist ab 1. Januar für fünf Jahre Handelsrichterin in der Zweiten Handelskammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Beatrice Handlanger. Landgerichtspräsident Professor Dr. Ludwig Kroiß überreichte die Bestellungsurkunde und wünschte der von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern vorgeschlagenen neuen ehrenamtlichen Richterin „eine glückliche Hand“.

Der Präsident sprach aus eigener Erfahrung, war er doch selbst früher Vorsitzender einer Handelskammer. Aktuell gebe es in Traunstein zwei für ganz Südostbayern zuständige Handelskammern mit insgesamt 14 ehrenamtlichen Richtern. In der Ersten Handelskammer stehen Vorsitzender Richterin Barbara Dallmayer ausschließlich männliche Handelsrichter zur Seite, während in der Zweiten Handelskammer inzwischen die Frauen dominieren. Neben Vorsitzender Richterin Beatrice Handlanger wirken vier Damen und zwei Männer mit an der Suche nach rechtlich einwandfreien und für alle Parteien akzeptablen Lösungen. „Handelsrichter sind eine wichtige Hilfe, haben einen unverstellten Blick. Es ist schön, ihre Expertise nutzen zu können“, sagte Kroiß.

Über Erfahrung verfügt Annerose Dirnberger reichlich. Im Kaufhaus Unterforsthuber GmbH startete sie im August 1978 in dem Gebäude am Stadtplatz in Traunstein ihre Lehre zur Bürokauffrau. Nach Ende der Ausbildung blieb sie dem Unternehmen als Mitarbeiterin treu. Noch zu Lebzeiten der 2003 verstorbenen Fanny Unterforsthuber erhielt sie Mitte 2000 die „allgemeine Handlungsvollmacht“. Im Februar 2002 wurde sie einzelvertretungsberechtigte Geschäftsführerin. Alleinige Geschäftsführerin ist die inzwischen 59-Jährige seit April 2003.

In dem Unternehmen ist die Frauenquote nach Worten der neuen Handelsrichterin mehr als erfüllt: „Unser Personal besteht aus 50 Frauen und einem Mann. Er arbeitet in der Gardinenabteilung.“ Fluktuation unter den Angestellten sei in dem Kaufhaus ein Fremdwort – worauf die Geschäftsführerin stolz ist. Sie selbst sei „voll eingebunden in den Betrieb“, verfüge im Management über keine Hilfskräfte.

„Manches hat ein ganz anderes Gewicht, wenn eine Geschäftsfrau, ein Geschäftsmann was zu einem kniffligen Punkt im Verfahren sagt“, freute sich Vorsitzende Richterin Beatrice Handlanger auf ihr neues Kammermitglied. Derzeit werde die Geschäftsverteilung für 2022 erarbeitet. Alle drei Monate sei Dirnberger für die Verfahren in einem Monat zuständig. Konkret bedeute das zwei bis drei Montage in diesen vier Wochen. Damit sei der zeitliche Aufwand gut planbar.

Schwerpunkt der Tätigkeit als Handelsrichterin seien Verfahren unter Kaufleuten, berichtete die Vorsitzende Richterin. Beispiele seien Gesellschafterbeschlüsse, die angefochten wurden, oder aktuell Verfahren gegen Betriebsschließungsversicherungen aufgrund der Corona-Pandemie. Beatrice Handlanger erinnerte sich an das bislang „aufregendste Verfahren“ der Zweiten Handelskammer mit einem Streitwert von 40 Millionen Euro gegen Tesla/USA: „Von allen Seiten wird mit harten Bandagen gekämpft.“ An Dirnberger richtete die Kammervorsitzende: „Sie haben eine große Aufgabe vor sich. Es ist schön, dass Sie und die anderen Handelsrichter so viel Zeit und Erfahrung investieren. Sie selbst können davon sicher auch profitieren.“ Monika Kretzmer-Diepold

Historisches

Die Handelsgerichtsbarkeit in Bayern reicht über 500 Jahre zurück. Kaiser Maximilian I. legte 1508 in Nürnberg bei der Konstituierung des ersten deutschen Kaufmannsgerichts fest, „dass überhaupt niemand geschickter ist, die obgemeldeten Gebrechen der Kaufleut und Kaufmannshändel zu entscheiden als die verständigen Kaufleut“.

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