Rosenheim – Es war eine in jeder Hinsicht besondere Ausstellung im Rosenheimer Lokschuppen, die mit dem dritten Lockdown zwei Wochen früher enden musste als geplant. Vom 26. September 2019 bis zum 24. November 2021 waren die „Saurier – Giganten der Meere“ in der Rosenheimer Innenstadt zu sehen – allerdings mit 284 Tagen Unterbrechung. Mit der neuen Sammlung über die „Eiszeit“ hoffen die Betreiber auf einen Neuanfang und verraten im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, was die Besucher ab dem 18. März 2022 erwartet.
Rekordstart wird
zum Trauerspiel
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verstauen die Mitarbeiter des Museums die Überreste der Saurier zurück in die Kisten, in denen sie vor über zwei Jahren nach Rosenheim transportiert wurden. „Es war eigentlich unsere schönste Ausstellung“, meint Peter Lutz, Geschäftsführer der Rosenheimer Veranstaltungs- und Kongress-Gesellschaft (VKR). Doch die rund 200000 Besucher mussten sich immer wieder gedulden, um die Giganten der Meere aus nächster Nähe betrachten zu können.
Viele Hürden durch
die Corona-Pandemie
Die insgesamt fünfterfolgreichste Ausstellung verzeichnete laut Lutz schon in den ersten drei Monaten rekordverdächtige 75000 Besucher. Doch dann begann die Corona-Pandemie und mit ihr das „Trauerspiel“. Drei Lockdowns, staatliche Vorgaben, erhebliche Einschränkungen und Hygieneauflagen prägten die Zeit nach dem so guten Start. Das Ergebnis: nur noch 52000 Besucher im gesamten Jahr 2020, deutlich weniger als alleine in den ersten drei Monaten. „Das tut schon weh“, sagt Lutz.
Dass die Riesenechsen nicht wie geplant als Sammlung auf Tournee gehen, ist nun der Schlusspunkt der Berg- und Talfahrt, die der Lokschuppen mit den Sauriern erlebte. „Durch die Corona-Pandemie ist die internationale Vermarktung von Ausstellungen zum Erliegen gekommen. Aktuell besteht aufgrund von finanziellen Einbrüchen kein Interesse mehr an Komplett-Übernahmen“, so der Geschäftsführer. Daher verstreuen sich die Überreste der Ausstellung nun in verschiedene Richtungen. Die eigens gefertigten Modelle, Repliken, Vitrinen und Medienstationen sind größtenteils verkauft. Die Ausstellungsarchitektur wird eingelagert, die Originale gehen zurück in die Staatssammlung.
Bis Anfang Januar werden die Räume geleert, um für das neue Thema „Eiszeit“ Platz zu schaffen. An die Stelle des Plesiosaurus rückt dann der „Mann aus Neuessing“. Die neue Hauptattraktion ist ein einzigartig gut erhaltenes Skelett, das in der Klausenhöhle im niederbayerischen Landkreis Kelheim gefunden wurde. Zusammen mit Repliken, Konstruktionen und Originalfunden von tonnenschweren Mammuts, meterlangen Höhlenlöwen und Wollnashörnern repräsentiert das Skelett die Kaltzeit von vor 40000 bis vor 15000 Jahren.
„Wir wollen das Skelett und die aktuellsten genetischen Analysen möglichst würdevoll präsentieren“, betont der Leiter des Lokschuppens, Peter Miesbeck. Stilistisch orientieret sich das Museum dabei an der Darstellung der Saurier.
Um sich ein Bild von der Eiszeit machen zu können, erwarten den Besucher aus Kunststoff nachgebildete Mammuts, Auerochsen oder Riesenhirsche. Aber auch bewegte Bilder, interaktive Stationen und aufwendige Animationen sind Teil des neuen Programms. In Workshops können sich Gruppen von Schulklassen außerdem mit der Handwerkskunst in der Eiszeit auseinandersetzen und sich selbst an Musikinstrumenten, Zeichnungen oder Schmuck versuchen.
Ein besonderes Augenmerk legt der Lokschuppen 2022 auch auf ein derzeit brisantes Thema. „Gegen Ende der Ausstellung stellen wir unter dem Motto ‚Von der Eis- zur Heißzeit‘ die Fakten und Folgen des aktuellen Klimawandels dar“, meint Miesbeck.
Sollte alles nach Plan laufen, wird die Ausstellung nach zweimonatigen Aufbauarbeiten bis zum 11. Dezember zu sehen sein. Mit der folgenden Sammlung im Jahr 2023, die sich mit dem Thema Vulkane beschäftigt, hoffen alle Beteiligten, wieder in einen normalen Rhythmus zu kommen. Denn so schön die Meeressaurier auch waren, so gerne will Miesbeck die durch Corona geprägte Ausstellung nun möglichst schnell abhaken.