Erst langes Warten, dann die große Delle

Die aktuelle Impfquote im Vergleich.Klinger

Die aktuelle Impfquote im Vergleich.Klinger

Die Impfkampagne in Stadt und Landkreis Rosenheim stockt noch immer

Rosenheim – Es war ein dramatischer Appell: Angesichts explodierender Inzidenz-Zahlen und Überlastung der Kliniken starten rund 500 Ärzte aus der Region einen Impf-Aufruf in den OVB-Heimatzeitungen. Denn: „Der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung droht Realität zu werden.“

Alarmismus? Ganz und gar nicht. In der Region, ja in weiten Teilen Südostbayerns sind die Intensivstationen überfüllt. Und zunächst sind es weit überwiegend die Ungeimpften, die stationär oder gar intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

Rückblende: Ende 2020 stehen Impfstoffe gegen Corona bereit. Doch die Chance ist bald vertan. Wie, das macht unter anderem die Region Rosenheim vor. Am 27. Dezember 2020 beginnt die Impfkampagne. Anfang April steigen die Hausärzte ein. Größtes Problem zu Beginn: Der Betrieb muss sich erst einspielen. Und die Impfstoffe sind so knapp, dass man sich – wenn man nicht alt und gebrechlich ist – auf lange Wartezeiten einstellen muss. Dann kommen Schritt für Schritt die Jüngeren an die Reihe. Und dann ist Sommer. Die Krankheit scheint weit weg, die Impfkampagne gerät ins Stocken. Das tut sie in weiten Teilen Deutschlands, aber selten so massiv wie im Landkreis Rosenheim. Gut zehn Prozent liegt die Region hinter dem Bundesdurchschnitt zurück (siehe Grafik). Sogar im bayernweiten Vergleich sind Stadt und Landkreis weit hinten zu finden. Die Fachleute staunen. „Sozioökonomische, kulturelle und psychologische Faktoren“ spielten eine Rolle, vermutet Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim. Bei vielen ist es schlichte Angst. Man hört von Impfkomplikationen. Die aber sind rar: 17 Verdachtsfälle von Impfkomplikationen hat das Gesundheitsamt Rosenheim in der Region registriert, fünf Menschen sterben – womöglich aber eher in zeitlichem, nicht in ursächlichem Zusammenhang, wie es die Behörden auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen vorsichtig formulieren.

Erst Omikron bringt die Kampagne wieder in Schwung. Allerdings vor allem bei denen, die ohnehin guten Willens sind: Ein Großteil der Impfungen am Ende des Jahres sind sogenannte Booster, Auffrischungen. Nötig sind sie, weil sich herausgestellt hat, dass der Impfschutz nach wenigen Monaten nachlässt. Sie sollen aber auch gegen Omikron schützen, bis ein angepasster Impfstoff entwickelt ist. Bis April oder Mai werde das aber dauern, vermutet Dr. Hanns Lohner, Ärztlicher Direktor der Romed-Kliniken. Auch er empfiehlt daher dringend: Boostern.

Die Impfbilanz zum Jahresende in Stadt und Landkreis Rosenheim nach einem Jahr Impfen: 203569 Erstimpfungen (Impfquote 62,66 Prozent); 201809 Zweitimpfungen (62,12 Prozent); 96452 Booster-Impfungen (29,69 Prozent; jeweils Stand 29. Dezember). Michael Weiser/Rosi Gantner

Freitag, 10. Juli 2026
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