Rosenheim/Kufstein – Des einen Freud, des anderen Leid. So ist die Situation beim Feuerwerksverkauf in diesem Jahr. Während in der Bundesrepublik der Verkauf von Pyrotechnik einmal mehr verboten ist, können bei den Nachbarn in Tirol die Kracher eingekauft werden. Der Ansturm von deutscher Seite ist groß.
Kein Glück hatten erst einmal Robert W. und seine beiden Buben, die aus Brannenburg kommend in Niederndorf groß einkaufen wollten. Denn es gab nichts mehr. Der extra aufgestellte Container am Ortseingang war innerhalb kürzester Zeit leergekauft. Und so zogen die drei enttäuscht wieder ab. „Jetzt haben wir den langen Weg umsonst gemacht und müssen schauen, wo wir noch was kriegen. Wir versuchen unser Glück jetzt in Kufstein, da geht vielleicht noch was.“ Sprach’s und ab ging’s zum Auto in Richtung Kufstein, wo sie dann auch noch fündig wurden.
Nachmittags
bereits ausverkauft
Für die Verkäuferin im Feuerwerkscontainer in Niederndorf war der Arbeitstag an diesem Nachmittag dann auch schnell zu Ende. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so schnell ausverkauft bin und jetzt habe ich nichts mehr und mache Feierabend.“
Auf dem Weg nach Kufstein kam man gar nicht vorbei an den vielen Hinweisschildern, die zum Feuerwerkskörper-Verkauf führen. Eigentlich brauchte man nur den langen Autoschlangen folgen und kam direkt an die so heiß begehrten Verkaufsstände. Einer davon war direkt am Inn, ganz nah an dem im Sommer so viel befahrenen Innradweg. Da war schon gar kein Parkplatz mehr zu finden. Autos aus nahezu ganz Deutschland standen neben den Österreichern und alle strömten zu dem Container-Verkaufsstand, um sich mit Feuerwerkskörpern einzudecken.
Lange Schlangen
in Kufstein
Gemächlicher ging’s in Kufstein zu, wo im Gewerbegebiet neben Baumarkt und Discounter der Container mit den heiß begehrten Krachern nicht zu übersehen war. Sichtlich zufrieden gingen gerade drei junge Burschen aus Tirol zu ihrem Auto, die Hände voll mit Feuerwerkskörpern aller Art, die sie soeben für rund 300 Euro gekauft hatten. „Wir freuen uns schon narrisch auf Silvester und lassen es dann mal so richtig krachen. Leider können wir aber nicht zusammen feiern, denn bei uns sind ja die Corona-Auflagen sehr hart“, sagten die drei Freunde aus Angerberg und Ebbs (Tirol). Allerdings wunderte es sie nicht, „dass so viele Deutsche zu uns rüber kommen, denn die können ja dort nichts kaufen.“
„Grundsätzlich dürfen Feuerwerkskörper der Kategorien F1 und F2 nur mit entsprechender Kennzeichnung – BAM-Kennzeichnung oder CE-Kennzeichnung – eingeführt und besessen werden“, erklärt Yvonne Oppermann von der Rosenheimer Bundespolizei auf OVB-Anfrage.
Bundespolizei
zur Einführung
Die Einführung von sogenannten „Billigprodukten“, die die Auflagen nicht erfüllen, sei illegal. „In unserem Zuständigkeitsbereich zwischen Chiemsee und Zugspitze werden derartige Verstöße bislang jedoch nur in wenigen Einzelfällen festgestellt“, so die Bundespolizeisprecherin. Privatpersonen dürfen bis 50 Kilogramm Feuerwerkskörper transportieren, heißt es vonseiten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Darüber hinaus gelten die gefahrgutrechtlichen Bestimmungen.
Während sich viele auf bayerischer Seite offenbar vom Böllern nicht abhalten lassen wollen, begrüßt man im Romed-Klinikum Rosenheim das seitens der Staatsregierung erlassene Feuerwerkskörper-Verkaufsverbot. Denn: Das Verbot soll die Notaufnahme in Pandemiezeiten vor einer zusätzlichen Belastung bewahren. Denn wer mit den Knallkörpern allzu lax umgeht, dem drohen in der Regel Handverletzungen, wie die Oberärztin der Handchirurgie am Rosenheimer Romed-Klinikum, Dr. Ute Rauner, auf OVB-Anfrage schildert. Darunter: Quetschungen und schwere Weichteilverletzungen, die im schlimmsten Fall auch zu Amputationen führen könnten. Bisweilen gebe es auch Augenverletzungen und Knalltraumata, also Verletzungen am Trommelfell.
Schon im vergangenen Jahr war der Böllerverkauf zu Silvester verboten. Dennoch hätten sich auch zum Jahreswechsel 2020/21 Patienten mit diversen Verletzungen gemeldet, die sich auf Knallkörper zurückführen ließen, erinnert sich die Medizinerin. Doch im Vergleich zum Jahr 2019 sei deren Zahl zumindest zurückgegangen.