Rosenheim – Kein Christkindlmarkt, kein Herbstfest, Silvesterpartys mit begrenzter Personenzahl – das Corona-Jahr Nummer zwei endet, wie es begonnen hat: mit Einschränkungen, Absagen und dem bangen Blick in die Zukunft. Denn nach fast zwei Jahren Pandemie droht die nächste Schreckensmeldung: Die Omikron-Variante, im November in Südafrika entdeckt und Experten zufolge hochansteckend, könnte die Region überrollen – und einmal mehr für explodierende Fallzahlen und übervolle Kliniken sorgen.
Dabei hatte das Jahr 2021 so hoffnungsvoll begonnen: Noch zum Jahresende 2020 waren auch im Raum Rosenheim die ersten Corona-Impfungen verabreicht worden, erst durch mobile Teams in Alten- und Pflegeheimen, wenig später im Impfzentrum in der Inntalhalle in Rosenheim.
Abflauen der
zweiten Welle
In der zweiten Januar-Hälfte klang dann auch die zweite Corona-Welle ab, im Februar wurden erste Einschränkungen zurückgenommen – um sie wenig später wieder in Kraft treten zu lassen: Denn die dritte Welle, angeschoben durch Virus-Mutationen (siehe Infobox), baute sich auf.
Das Thema Impfen nahm im April weiter Fahrt auf, als die Hausärzte mit ins Boot genommen wurden. Das Manko hier: überbordender Bürokratismus und immer wieder ein Mangel an Impfstoffen – auch diese Klagen der Ärzteschaft zogen sich durchs Jahr.
Nach den Osterferien rückten die Schulen weiter in den Fokus. Mitte April begann die Testpflicht für Schüler. Im neuen Jahr folgt sie nun für die Kindergarten und Kita-Kinder.
Ende April bereits
500 Corona-Tote
Ein trauriger Negativ-Rekord stellte sich Ende April 2021 ein: Als der 500. Corona-Tote in der Region registriert wurde. Inzwischen ist die Gesamtzahl der in Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen auf 728 angestiegen (siehe Seite 33).
Der Mai ließ schließlich eine Phase der Entspannung anklingen: Die Fallzahlen gingen zurück, ab 19. Mai waren die ersten Lockerungen in Stadt und Landkreis möglich. Die Gastronomie durfte wieder öffnen. Das Leben kehrte zurück.
Nur wenige Wochen später dann erneut der bange Blick auf die Zahlen: Reiserückkehrer brachten von August an das Virus mit zurück in die Heimat, was die Fallzahlen anschwellen ließ. Gleichzeitig stagnierte seit Sommer die Impfkampagne, was die Sorge der Experten nicht geringer machte.
Mitte August gelangte sodann das erste Mal die 3G-Regel in Gastronomie, bei Friseuren etc. zur Anwendung (Geimpft, Getestet, Genesen), was das Anwachsen der vierten Welle dennoch nicht aufhalten konnte.
Und was Mitte September in einen weiteren, vorläufigen Negativ-Rekord in dieser Pandemie gipfelte: Die Stadt Rosenheim sorgte für Aufsehen als bundesweiter Corona-Hotspot mit einem Spitzenwert von 247 (7Sieben-Tage-Inzidenz).
Hinzu kamen von September an Corona-Ausbrüche in Seniorenheimen in Stadt und Landkreis, die eine Vielzahl an Hospitalisierungen und Todesfälle zur Folge hatten.
Lockerungen
mit Folgen
Gleichzeitig wurde weiter gelockert: Wegfall der Maskenpflicht in den Schulen, die Freigabe von größeren Veranstaltungen, Familienfeiern, Hochzeiten – und selbst die Fußballstadien durften wieder befüllt werden. Was nach wenigen Wochen der gefühlten Freiheit für das bittere Erwachen im Herbst sorgte: schier explodierende Fallzahlen, sich füllende Kliniken – vorwiegend mit Umgeimpften. Ende September waren allein 39 von insgesamt 41 Corona–Patienten auf Intensivstation in den Romed-Kliniken ungeimpft (seit Beginn der vierten Welle), was eine Quote von 95 Prozent bedeutet.
Nachlassende
Schutzwirkung
Die Quote verschob sich im Laufe des Herbstes – denn auch früh im Jahr Zweifach-Geimpfte mit nachlassender Schutzwirkungen fanden sich plötzlich ebenso in den Kliniken wieder – was diese ab der zweiten Oktoberhälfte unter der Patientenlast ächzen ließ. Regel-OPs mussten letztendlich verschoben, die Kapazitäten aufgestockt, Abverlegungen organisiert werden – um am Ende dennoch Wochen am Limit stemmen zu müssen.
Impfkampagne
der Ärzteschaft
Gleichzeitig starteten in der Region die Bemühungen, die Impfbereitschaft zu erhöhen – auf unterschiedlichsten Ebenen. Bundesweit für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang die Kampagne von über 500 Ärzten aus Stadt und Landkreis Rosenheim, die in einer ganzseitigen OVB-Zeitungsanzeige zum Impfen aufriefen. Noch in derselben Woche Ende November verabschiedete der Stadtrat Rosenheim eine Resolution, in der eine breite Mehrheit eine Impfpflicht forderte.
Unterdessen stieg die Zahl der Neuinfizierten weiter an, unschöne Rekorde waren die Folge: Am 23. November wurde in der Region erstmals die neue Hotspot-Marke 1000 gerissen – was ab dem 25. November einen regionalen Lockdown nach sich zog mit Schließung der Gastronomie sowie von Sport- und Kulturstätten. Gut eineinhalb Wochen später dann die gute Nachricht: Aufgrund kontinuierlich sinkender Fallzahlen – der Scheitelpunkt war am 25. November mit Inzidenzen von 1468 im Landkreis und 1271 in der Stadt Rosenheim erreicht – konnte zum 7. Dezember der Lockdown wieder aufgehoben werden. Das Leben kehrte, wenn auch eingeschränkt durch 2G/2G plus (Geimpft/Genesen, wahlweise plus Negativtest) zurück.
Großspende von
Unternehmern
Trotz Abflachen der vierten Welle ließ in der ersten Dezember-Hälfte die Entspannung in der Klinik-Lage weiter auf sich warten. Die Zahl der Corona-Patienten auf Normal- und Intensivpatienten blieb weiter auf einem hohen Niveau. Die Besorgnis hielt an.
Und es stellten sich weitere Negativ-Rekorde ein: Mit bis zu 34 offiziell registrierten Corona-Toten binnen einer Woche in Stadt und Landkreis, darunter immer wieder Verstorbene in der Altersgruppe zwischen 35 und 60 Jahre, erreichte die Pandemie zum Jahresende einmal mehr einen traurigen Höhepunkt.
Zugleich war der Jahresausklang von schönen Gesten begleitet: Neben unzähligen Sachspenden, Plätzchen und Geschenken erreichte das Romed-Klinikum eine ganze Reihe großzügiger Geldspenden. Allen voran: Die stolze Summe von 220000 Euro, aus einer privaten Spendeninitiative stammend, initiiert von OVB-Verleger Oliver Döser, der sich zahlreiche Unternehmer und auch Privatpersonen aus der Region Rosenheim angeschlossen hatten und damit für große Freude sorgten.