Der Bahnhof in Tokio hat 200 Ausgänge. Wenn man dort nicht den richtigen Weg nach draußen nimmt, wird man in der riesigen Metropole sein Ziel nicht erreichen. Die Orientierung am Bahnhof in Tokio ist für mich ein Albtraum, denn ich gehöre zu denen, die schon am Stachus in München beim Aussteigen aus der U-Bahn überlegen müssen, wo es jetzt weitergeht.
Die Bewohner von Tokio dagegen kommen mit ihrem quirligen Bahnhof scheinbar gut zurecht und irgendwie ist das auch ein Bild für unser Leben. Auch da darf man im Getriebe des Alltags den richtigen „Absprung“ nicht verpassen, um den Anschluss an einen neuen Weg zu finden.
Das Aufgeben einer konfliktbeladenen Arbeitsstelle oder eines kräfteraubenden Ehrenamts beispielsweise kann wie eine Befreiung sein. Abschied und Veränderungen sind mit Wehmut verbunden, aber manchmal ermöglicht tatsächlich nur der Aufbruch aus festgefahrenen Sicherheiten eine echte Zukunft.
Auch die Bibel erzählt solche Geschichten. Erstaunlich finde ich dabei, dass gerade die Menschen dort einen neuen Anfang wagen, für die – in den Augen der anderen – „der Zug bereits abgefahren“ ist. Der alte Abraham ist so ein seltsamer Typ, der sich fast am Endpunkt seines Lebens noch einmal auf den Weg macht, um etwas Neues zu entdecken.
Was diese Visionäre in der Bibel von anderen unterscheidet, ist ein Grundvertrauen, dass Gott den Weg weiß und diesen auch verlässlich mitgeht. Allerdings steht am Beginn des Aufbruchs immer die Mühe, den richtigen Ausweg aus der persönlichen Komfortzone zu suchen und dann auch wirklich anzutreten.