Wie in vielen Kirchen unserer Gegend, steht auch in einer unserer drei Pfarrkirchen eine Figur des heiligen Sebastian, dessen Namenstag wir morgen feiern. Gefesselt und von Pfeilen durchbohrt, steht der Heilige dort auf einem Sockel und erinnert daran, dass selbst die Pfeile seiner Gegner seinem Leben zunächst nichts anhaben konnten.
Für mich trotzdem kein schöner Anblick. Man darf aber nicht vergessen, dass diese blutige Darstellung aus der Not früherer Pestzeiten kommt. Damals haben die Menschen in der Angst vor dem „Giftpfeil“ der Pest speziell bei diesem Heiligen Trost und Hilfe gesucht.
Vor Kurzem ist mir beim Blick auf den heiligen Sebastian in den Sinn gekommen, wie viele solcher „Giftpfeile“ es auch heute gibt. Dabei denke ich nicht einmal mehr an das Coronavirus, sondern wie Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten oft miteinander umgehen.
In manchen Sozialen Netzwerken werden ohne sachliche Argumentation „Giftpfeile“ abgefeuert, denen andere schutzlos ausgeliefert sind. Auf einige Vertreter der Öffentlichkeit hat man sich dort regelrecht eingeschossen wie auf eine Zielscheibe, die jeder anvisieren darf.
Wenn morgen am Festtag des heiligen Sebastian auch das externe Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Bereich unserer Erzdiözese veröffentlicht wird – und endlich ans Licht kommt, was auch ans Licht kommen muss – ist meine Hoffnung, dass die berechtigten Pfeile der Öffentlichkeit dann nicht pauschal alle treffen, die über all die Jahre in der Seelsorge still, liebevoll und redlich ihren Dienst getan haben.