Rosenheim – Von der Grenze zur Apotheke, von dort wiederum zur Polizeiinspektion ist es in Kiefersfelden kein weiter Weg. Und so legte ein Mann aus Südtirol bei seinem jüngsten Besuch in Bayern nur ein paar Meter zurück. Denn der Südtiroler wurde schon nach kürzester Zeit festgenommen. Er hatte versucht, sich mit einem gefälschten Zertifikat seinen Impfnachweis zu erschleichen.
Der Besucher durfte nach einiger Zeit wieder zurückreisen – allerdings nicht ohne 4000 Euro Sicherheitsleistung hinterlegt zu haben. So hart ahnden Polizei und Justiz mittlerweile Impfbetrug. „Als Straftat“, wie Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, nochmals warnt.
Auch im Zugverkehr bei anderen Gelegenheiten greift die Polizei hart durch: Am Mittwochvormittag kontrollierten die Polizeibeamten der Grenzpolizei Piding im Reisezug einen 50-jährigen Deutschen. Sein Impfpass: gefälscht, wie die Beamten bei näherer Prüfung feststellten. Nicht nur das Dokument wurde eingezogen, sondern auch der Mann aus dem Zug komplimentiert.
So viel Konsequenz überzeugt offenbar diejenigen, die Tricksen mit den Corona-Regeln zunächst noch für ein lässliches Vergehen hielten. „Es sind nicht mehr so viele, die es versuchen“, stellt Elke Wanie fest, die bei der Frühlingsapotheke in Bad Aibling arbeitet und im Vorstand der Bayerischen Apothekerkammer sitzt. Man habe in den vergangenen Wochen eben auch konsequent die Polizei benachrichtigt, wenn Impftrickser aufgekreuzt seien.
Dubiose Angebote
über Telegram
Für die geimpfte Mehrheit gibt es wenige Wochen, nachdem die entsprechende Gesetzesverschärfung in Kraft getreten ist, eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Versuche von Impfgegnern, sich mit gefälschten Nachweisen durchzumogeln, sind weniger geworden. Die schlechte: Die Versuche der Entschlossenen sind besser koordiniert, sozusagen professioneller. Es gibt Menschen, die mit gefälschten Nachweisen und Attesten Geld verdienen. Und die sich etwa über den Messengerdienst Telegram mit der Impfgegnerszene vernetzen.
Auch in der Region Rosenheim bedienen sich Impfskeptiker dubioser Angebote im Internet. „Wir sind ein Team bestehend aus Ärzten und Apothekern, die versuchen, den Menschen auf diesem Wege zu helfen, sich kein Gift in den Körper zu spritzen“, lautet etwa ein besonders zweifelhaftes Angebot. Nach Zahlung einer gewissen Summe in Kryptowährung könne man einen Impfausweis auch mit Aufklebern und Stempeln des Rosenheimer Impfzentrums liefern. Allerdings: Nicht nur die in dem Telegram-Post verwendete Originalschreibweise „Impfausweiß“ lässt an dem Angebot zweifeln.
Nicht ausschließen lässt sich, dass sich manche Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht bei anonymen Adressen im Internet, sondern quasi im Bekanntenkreis versorgen lassen – beim Mediziner ihres Vertrauens. Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands, weiß, dass nicht jeder Mediziner die Impfkampagne unterstützt. Zumindest argumentativ unterstützen manche seiner Kollegen die Impfgegner. „Es gibt da schon einige, die unsere Bemühungen nach einer höheren Impfquote torpedieren“, sagt Klecker.
Immerhin: Die Zahlen sind nachweislich zurückgegangen. Impftourismus habe in jüngster Zeit abgenommen, sagt Stefan Sonntag. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wurden in den vergangenen drei Wochen 45 Fälle der Fälschung erfasst. in Stadt und Landkreis Rosenheim waren es acht. Im Jahr 2021 wurden im gesamten Präsidiumsbereich rund 500 Fälle registriert. In zehn Fällen stellten die Beamten gefälschte Genesenen-Zertifikate fest.
Die Bundespolizei ertappte bei Kontrollen etwa in Zügen nur wenige „Einzelfälle“, wie Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei, berichtet. „Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich die weitaus meisten Menschen vernünftig benehmen“, sagt Scharf.
Allerdings will Stefan Sonntag wiederum nicht auszuschließen, dass es eine große Dunkelziffer gebe. Die Fälscher haben dazugelernt, es gibt mittlerweile mehr falsche Dokumente, die auch einer mehr als oberflächlichen Prüfung standhalten. „Wir Ärzte sind auch nicht dazu ausgebildet, jedem Trick auf die Schliche zu kommen“, sagt Dr. Fitz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim.