„Die Entwicklung ist rasant“

von Redaktion

Rosenheimer Initiative gibt einen Ausblick auf die Energiezukunft in der Region

Rosenheim – Nichts weniger als eine erfolgreiche Energiewende in der Region voranzutreiben, ist das Ziel der 2012 gegründeten Initiative „Energiezukunft Rosenheim“ (ezro). Um dafür neue Ideen und Projekte zu entwickeln, haben sich Stadt und Landratsamt, die Technische Hochschule (TH) sowie diverse Unternehmen und Verbände aus dem Landkreis Rosenheim zusammengeschlossen.

Einmal alle drei Monate tauschen sich die Experten ihres jeweiligen Fachgebiets untereinander aus und versuchen, neue Lösungen für alternative Energien in der Region zu finden. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens blicken die Leiter der ezro auf die bisherigen Fortschritte zurück und verraten, was in den kommenden Jahren auf Rosenheim zukommen wird.

Projektidee entstand
vor zehn Jahren

„Entstanden ist das alles in einer kleinen Runde, die zunächst nur untersuchen wollte, welchen Beitrag die Landwirtschaft zur Energiewende leisten kann“, erinnert sich Dominikus Bücker, Mitbegründer und Leiter der Initiative. Gemeinsam mit dem Präsidenten der TH Rosenheim, Heinrich Köster, merkte er allerdings schon beim ersten Treffen im Jahr 2012, dass das Thema größer ist als die ursprüngliche Idee. Anstatt nur einen kleinen Teilaspekt zu bearbeiten, sei es doch viel wichtiger, die gesamte Energiewende in Rosenheim zu betrachten und mit allen Beteiligten voranzutreiben.

Dieses umfassendere Ziel sprach sich im Landkreis herum und so entwickelte sich über die Jahre ein Gremium aus mittlerweile 19 Mitgliedern, das sich drei- bis viermal pro Jahr an der Hochschule trifft. Beteiligt sind dabei große Firmen wie Duschl Ingenieure, die Volksbank-Raiffeisenbank oder die Stadtwerke Rosenheim. Aber auch Verbände wie die Kreishandwerkerschaft, die IHK oder die Euregio Inntal sind vertreten. Sie bilden laut Bücker die Basis für die Projekte, die in den vergangen zehn Jahren umgesetzt wurden.

Bei diesen Projekten gehe es häufig auch darum, sich gegenseitig über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen, wie Peter Heßner, Koordinator der ezro-Geschäftsstelle, betont. So entstand beispielsweise eine Veranstaltung zur Energieeffizienz in Unternehmen, bei der die Schattdecor AG aus Thansau ihre Strategie vorstellte, oder ein Online-Vortrag, bei dem die Nußdorfer Spedition Johann Dettendorfer einen Einblick in das Thema Wasserstoffantrieb für Lkw gab (wir berichteten) .

Zusätzlich organisiert die Initiative fortlaufende Angebote wie die Beratungstage im Rosenheimer Landratsamt, bei denen sich in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung für Energieberater jeder Hauseigentümer über effiziente Heiz- und Stromsysteme informieren kann.

Ein aktuelles Forschungsthema geht die TH mit Unterstützung der ezro im Inntal an. Dort wird mithilfe einer speziellen Messstation die mögliche Nutzung des sogenannten Erler Windes analysiert. Zwischen den Bergketten des Mangfallgebirges und der Chiemgauer Alpen verengt sich das Tal um die Gemeinde Erl so stark, dass aufgrund des Temperaturunterschiedes zwischen den Berghängen und der Ebene starke Windböen entstehen.

In Steinach bei Nußdorf hat ein Team unter Leitung von ezro-Mitglied Frank Buttinger daher eine Meteorologiestation aufgestellt, mit der die relevanten Klimadaten ermittelt werden. Anhand dieser ließe sich feststellen, ob und an welchen Standorten sich künftig die Installation von Kleinwindkraftanlagen im Inntal rechnete. Die ersten Ergebnisse der Studie werden laut Heßner beim „Rosenheimer Klimafrühling“ vorgestellt. Die digitale Veranstaltung, bei der eine Vielzahl von Vorträgen rund um das Thema Klimaneutralität gehalten werden, findet am 11. und 12. Februar statt und ist gleichzeitig der Auftakt für das Jubiläumsjahr der Initiative.

Bei der Frage nach den zukünftigen Entwicklungen der Energienutzung sieht Bücker eine Menge Arbeit auf den Landkreis Rosenheim zukommen. „Alles rund um die Elektromobilität geht schneller voran, als wir denken. In fünf Jahren möchte niemand mehr einen Neuwagen mit Verbrennungsmotor kaufen und in zehn Jahren darf das vielleicht schon niemand mehr“, meint der ezro-Leiter.

Etwas, womit sich bald viele Bürger in der Region beschäftigen müssen, sei zudem die Wärme- und Gebäudetechnik. Denn schon jetzt trieben Sanierungsmaßnahmen zur effizienteren Nutzung von Energie nahezu jeden Hausbesitzer um.

Aber auch die erneuerbaren Ressourcen werden laut Bücker schneller eine Rolle spielen als gedacht. Die Entwicklung von Fotovoltaikanlagen sei gerade bei der Vielzahl von landwirtschaftlichen Flächen in der Region sehr interessant und sowohl für Investoren als auch für die Bauern lukrativ. „Die Entwicklung ist rasant. Was vor zwei Jahren noch selbstverständlich war, ist heute schon wieder zu wenig“, bilanziert Bücker.

„Wir müssen
alle mitnehmen“

Aus diesem Grund sei es wichtig, die Bürger und die kommunalen Verwaltungen mitzunehmen. Mit dem Tempo der neuen Möglichkeiten mitzukommen, wird aus Sicht von Bücker die größte Herausforderung für den Rosenheimer Landkreis. Um das zu schaffen, wird die Initiative auch nach zehn Jahren mit Forschungsprojekten, Beratungen und Veranstaltungen aktiv blieben. „Das Interesse an alternativer Energie in der Region“, davon ist Bücker überzeugt, „wird in den kommenden Jahren immer größer werden“.

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