Bergen/Brünn – Im Chiemgau hatte er für große Konflikte zwischen Naturschützern und Landwirten gesorgt, nun ist GW2425m tot. Wie das Landesamt für Umwelt (LfU) am Mittwoch bekannt gab, ist das Tier bereits am 17. Januar in Prostejov in Tschechien überfahren worden – 360 Kilometer Luftlinie von Marktschellenberg, Ort des letzten Nachweises, entfernt.
Der Wolf, der im Dezember für zahlreiche Risse an Weide- und Wildtieren in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, und Berchtesgadener Land verantwortlich war, hatte bereits in der Vergangenheit weite Strecken zurückgelegt. So war der GW2425m vor den Rissen im Chiemgau bereits im Ötztal nachgewiesen worden.
Seit Ende Dezember war das Tier wie vom Erdboden verschluckt, obwohl auch im Landkreis Berchtesgadener Land Wolfssichtungen berichtet wurden.
Antrag zunächst
für anderes Tier
Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau Mitte November 2021 die Entnahme des Wolfes beantragt. Damals hatte ein, wie nachher publik wurde, anderes Tier Schafe in Bergen gerissen. Der Entnahmeantrag wurde dann für den GW2425m erweitert, nachdem dieser mutmaßlich auch mitten durch den Ortskern von Bergen spazierte, wie ein Handyvideo zeigt.
Die Regierung von Oberbayern hatte die Entnahme am 14. Januar 2022 genehmigt. Allerdings hatten zwei Naturschutzorganisationen am Verwaltungsgericht München per Eilantrag geklagt, sodass die Entnahme gestoppt werden musste.
Ob der Wolf eine Gefahr für Menschen darstellt, ist strittig. Zunächst hatte das Gericht den Naturschützern recht gegeben und war auch recht deutlich geworden. Nur drei Tage nach der Genehmigung war GW2425m allerdings bereits tot. Im tschechischen Ort Prostejov, der nordöstlich von Brünn liegt, wurde am 17. Januar 2022 ein Wolf überfahren. Die Internetseite olomoucky.denik.cz berichtet vom Fund eines toten Tieres nahe der Autobahn D46.
Jäger hatten die tschechischen Behörden auf den Fund aufmerksam gemacht, das dortige Amt für Natur und Landschaftsschutz hatte infolgedessen genetische Proben genommen. Nun steht fest, dass es sich um den Wolfsrüden GW2425m handelt.
Laut der tschechischen Behörden sei das Tier weder krank oder noch bereits vor dem Unfall verletzt gewesen. Sowohl die Entnahme als auch der Eilantrag dagegen seien damit hinfällig, bestätigt Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern.
Im Chiemgau zeigt man sich in erster Linie erleichtert. Matthäus Michlbauer, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Traunstein, ist froh, dass das Tier keine weiteren Risse verursacht hat. „Das war schon ein auffälliger Wolf und für uns war klar: Der muss entnommen werden“, sagt Michlbauer. Er habe bedauert, dass der Bund Naturschutz und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe gegen die Entnahmeentscheidung geklagt hatten.
„Alles gut ist jetzt aber trotzdem nicht“, sagt der Bauernvertreter mit Blick auf den Tod des Problemwolfs. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann der nächste auffällige Wolf komme.
Zank um
Förderung für Zäune
Bitter stimmt Milchlbauer zufolge die Landwirte, dass „klammheimlich“ über den Jahreswechsel die Bezuschussung von Herdenschutzmaßnahmen eingeschränkt worden sei. „Wir haben auf einmal Anrufe bekommen, von Antragstellern, die nun eine Eigenleistung einbringen müssen“, so Milchlbauer. Das Argument der Umweltschützer, dass es eben eine öffentliche Förderung gebe: „Das ist nichts mehr wert.“ Zumal nicht alle Gemeinden Teil der Förderkulisse seien. „Das Thema wird uns sicher weiterbeschäftigen. Die Saison und der Auftrieb auf die Almen stehen kurz bevor“, resümiert Michlbauer.
Beate Rutkowski, Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein des Bund Naturschutz, bedauert den Tod des Wolfes. „Wir hoffen gleichzeitig, dass dieser Fall ein Weckruf für den Herdenschutz in Bayern ist“, sagt die Naturschützerin. Der BN will insgesamt eine bessere Förderung, um Weidetiere zu schützen. Wäre er nicht nach Tschechien gewandert, hätte GW2425m wohl weitere ungeschützte Tiere in Bayern gerissen.