Rosenheim – Die Negativrekorde inmitten der fünften Corona-Welle überschlagen sich weiter: Einmal mehr werden in der Region Rosenheim neue Höchststände erreicht mit Inzidenzen von deutlich über 2000 und täglich mehr als 1000 Neuinfektionen. Die gute Nachricht: Die Zahl der Corona-Todesfälle geht zurück, ebenso die Anzahl der schweren Covid-19-Verläufe in den Kliniken.
Die Kennzahlen erreichen dabei ständig neue Dimensionen: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt Rosenheim lag zuletzt bei 2447, im Landkreis bei 2367 (Stand 11. Februar, 0 Uhr) – und dabei weiter deutlich über der inzwischen außer Kraft gesetzten Hotspot-Marke 1000. Zu den neuen Höchstwerten zählen überdies 1608 Neumeldungen an einem einzigen Tag (9. Februar). Insgesamt registrierte das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim 7754 Neumeldungen binnen einer Woche (Vorwoche: 6256).
Weniger
Corona-Tote
Rückläufig ist die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 in der Region: von acht Verstorbenen in der Vorwoche auf zuletzt drei. Wobei zwei Personen über 80 Jahre alt waren, eine zwischen 60 und 80 Jahre alt. Zwei Personen waren in einem Heim betreut worden.
Behördenleiter Dr. Wolfgang Hierl zur Lage in der Region: „Wir befinden uns weiterhin inmitten der Steilwand einer fünften Welle durch Omikron, und ein Ende ist nicht in Sicht. In der dritten Woche liegen die täglich neu gemeldeten Fallzahlen bei weit über 1000. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in Stadt und Landkreis konstant über 2000 und hat den Höchstwert der vierten Welle anhaltend deutlich überschritten.“
Ausbrüche
in Heimen
Sechs von zehn der positiv Getesteten liegen laut Gesundheitsamt im Altersbereich zwischen 18 und 59 Jahren, über ein Viertel bei Kindern und Jugendlichen. Das Ausbreitungsgeschehen beschreibt Hierl weiterhin als „diffus“. Darüber hinaus ereignen sich weiter Ausbrüche in Pflege- und Behindertenheimen sowie Kliniken.
Nach Aussage des Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler, sind die Belegungszahlen mit Covid-19 auf den Normalstationen derzeit deutlich ansteigend, auf den Intensivstationen aber auf stabilem Niveau. Die Belastung der Intensivstationen sei unverändert sehr hoch, vor allem mit Notfallpatienten ohne Corona-Bezug. Ein gleiches Bild zeige sich im gesamten bayerischen Raum. Abverlegungen seien derzeit nicht erforderlich. „Erschwerend kommen derzeit zum Teil nicht unerhebliche Personalausfälle durch positive Testungen hinzu“, erklärt Städtler.
Die Geschäftsführung des Romed-Klinikverbunds bewertet die Lage auf den Romed-Intensivstationen hinsichtlich der Belegung mit Covid-19-Patienten als stabilisiert. Die Belegung der Normalstationen mit Covid-19-Patienten nehme indes zu. Gerade auch die operative Versorgung von Patienten, die als Begleiterkrankung Covid-19 hätten, sei für alle Beteiligten aufgrund der Hygienemaßnahmen sehr aufwendig. Ein großes Problem sieht Romed in dem zunehmenden krankheitsbedingten Ausfall von Mitarbeitern in sämtlichen Bereichen. Insbesondere in den zentralen Notaufnahmen, heißt es aus der Klinik, sei das Personal an der absoluten Belastungsgrenze. Aufgrund der Personalausfälle müssten planbare Eingriffe weiter verschoben werden.
Personalausfälle
belasten
Auch in den stationären Pflege- und Behinderteneinrichtungen in Stadt und Landkreis komme es zu einer Vielzahl von Ausbrüchen und hohen Fallzahlen bei Bewohnern und Mitarbeitern. Dabei ist laut Gesundheitsamt der Anteil der positiv getesteten, vollständig geimpften und größtenteils geboosterten Bewohner weiterhin sehr hoch. Die Verlaufsformen seien in der Regel jedoch milde, und es bestehe eine nur sehr geringe Rate an Hospitalisierungen. Dies wertet Behördenleiter Hierl als klaren Erfolg der Impfungen. Hierl weiter: „Auch die Heime sind durch den Ausfall positiv getesteten oder quarantänisierten Personals erheblich belastet.“
Neue Wege geht das Gesundheitsamt bei der Einzelfallnachverfolgung. Das bisher seit Beginn der Pandemie durch die Gesundheitsämter praktizierte Einzelfallmanagement von Indexfällen und Kontaktpersonen in der Pandemie-Bekämpfung hat nach den Worten des Behördenleiters für Stadt und Landkreis Rosenheim „definitiv die Grenzen seiner Möglichkeiten überschritten“. Durch Einführung einer digitalen Lösung will man nun die Effizienz der Fallbearbeitung weiter steigern. „Gleichzeitig ist es unerlässlich, unsere Ressourcen zunehmend auf den Schutz vulnerabler Personengruppen zu fokussieren“, erklärt Hierl.
Dr. Hierl wirbt
fürs Impfen
Als einzigen Ausweg aus der Pandemie sieht Hierl eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung. „Die Studienlage zeigt, dass die in der EU zugelassenen Impfstoffe nach vollständiger Grundimmunisierung und Auffrischimpfung auch bei der Omikronvariante eine hohe Impfeffektivität haben und zu einem hohen Prozentsatz einen Schutz vor Hospitalisierung, schweren Krankheitsverläufen, Behandlung auf einer Intensivstation und Tod bewirken. Gleichzeitig wird die Übertragbarkeit von Viren auf andere Personen deutlich verringert, insbesondere wenn beide Seiten vollständig geimpft und geboostert sind“, so Hierl. Auch in dieser Woche kristallisieren sich wieder regionale Corona-Hotspots heraus. Neben der Stadt Rosenheim mit 1557 Neumeldungen binnen einer Woche sind das: Bad Aibling mit 471 Neuinfektionen, Kolbermoor mit 433, Wasserburg mit 337, Raubling mit 330 und Bruckmühl mit 320 neuen Fällen.