Auf Frauen mit großer Oberweite fixiert?

von Redaktion

Prozess wegen sexueller Belästigung

Ebersberg/Rosenheim – „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich das gehört habe.“ Das sagte eine Zeugin jetzt vor dem Ebersberger Amtsgericht. Dort wird dem Inhaber (65) eines Unternehmens aus dem Landkreis Rosenheim mit Firmensitzen auch im Landkreis Ebersberg der Prozess gemacht. Vorwurf: sexuelle Belästigung (wir berichten). Angezeigt haben ihn zwei ehemalige Mitarbeiterinnen. Aktuelle Mitarbeiterinnen nehmen ihren Chef in Schutz und erklärten, nichts bemerkt zu haben.

Verhältnis „familiär und freundschaftlich“

„Ich wurde nicht belästigt“, sagte eine Zeugin am zweiten Verhandlungstag. Eine weitere Zeugin sagte: „Mir ist nie etwas in diese Richtung aufgefallen.“ Alle hätten sich gefreut, wenn der Chef in den Laden gekommen sei. Das Verhältnis sei familiär und freundschaftlich gewesen.

Eine andere Zeugin erklärte hingegen, der Inhaber sei direkt hinter den Frauen gestanden und habe Schaukelbewegungungen mit seinem Körper gemacht. Der Mann habe Interesse an jungen Studentinnen gehabt, wenn der Busen groß gewesen sei. Bei einer Weihnachtsfeier habe er einer Frau unter die Arme gefasst und versucht ihre Brüste zu berühren.

Mehrere Frauen hätten sich beschwert, so ein ehemaliger Geschäftspartner des Angeklagten. Dieser habe Frauen von hinten umarmt. Das habe er auch in der Öffentlichkeit gemacht. Er habe dem Angeklagten in Bezug auf sein Verhalten gesagt: „Das geht nicht, so etwas macht man nicht.“ Der 75-jährige Zeuge hatte mit dem Inhaber eine Auseinandersetzung vor Gericht, die mit einem Vergleich endete.

In der Küche von hinten gepackt?

Ein Zeugin erklärte, es habe Umarmungen gegeben, „jedoch nicht bei mir.“ Die Anklage listet unter anderem einen Vorfall auf, bei dem der Inhaber eine Frau in der Küche von hinten gepackt und sich an ihr gerieben haben soll. Die Frau hat ihn angezeigt. Die Zeugin will das nicht beobachtet haben, berichtet jedoch, dass die Kollegin „fertig“ gewesen sei. Sie habe später erzählt, was aus ihrer Sicht vorgefallen sei. „Ich glaube nicht, dass sie mich anlügt“, sagte die Zeugin.

Eine andere Zeugin erklärte, in der Firma sei mitgeteilt worden, dass Anzeige gegen den Chef erstattet worden sei. Die stellvertretende Geschäftsführerin habe erklärt, dass Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Am ersten Verhandlungstag war gemutmaßt worden, dass Zeugen nicht aussagen würden, weil sie Angst hätten.

Der Prozess wird fortgesetzt. ROBERT LANGER

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