Rosenheim – Rund 200 Geflüchtete aus der Ukraine sind in der Nacht zum Donnerstag in Rosenheim angekommen, wie die Stadt berichtet. Andere Stellen sprechen von eher 150 Personen, die sich aus den Kampfgebieten auf den Weg gen Westen gemacht hätten.
Zwei Züge aus Ungarn haben die Frauen und Männer nach Rosenheim gebracht, wo die Bahn einen außerplanmäßigen Stopp einlegte. Hintergrund hierfür dürften die beschränkten Kapazitäten zur Registrierung am Grenzbahnhof Freilassing sein. Bereits während der großen Flüchtlingsbewegung 2015 griff man auf Ressourcen der Bundespolizei in Rosenheim zurück, um die neu in Deutschland Angekommenen zu registrieren.
Bereits kurz nach der Registrierung sind die Flüchtlinge in die Ankunftszentren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge nach München weitergeleitet worden. Dauerhaft unterkommen werden sie wohlweislich nicht dort, sondern in den bayerischen Kommunen. Auch Rosenheim rechnet damit, dass die Regierung von Oberbayern der Stadt in nächster Zeit die ersten Flüchtlinge zuweisen wird. „Darum findet derzeit ein Austausch zwischen der Stadt Rosenheim und den Wohlfahrtsverbänden statt, um die adäquate Unterbringung der Geflüchteten zu gewährleisten“, heißt es vonseiten der Stadt. Aufgrund der nicht absehbaren Lage in der Ukraine könne jedoch nicht abgeschätzt werden, wie lange die Kriegsflüchtlinge in Rosenheim untergebracht werden müssen.
Doch hier gibt sich die Stadt optimistisch: Die Hilfsbereitschaft der Rosenheimer sei ungebrochen, etliche Unterkunfts- und Wohnungsangebote seien bei der Stadt Rosenheim eingetroffen, welche die Verwaltung nun schnellstmöglichen prüfen und abarbeiten will. Vorrangig sollen die Kriegsflüchtlinge bei privaten Anbietern Unterkunft finden, so die Stadt.
„Die Rosenheimerinnen und Rosenheimer zeigen in dieser schweren Stunde, was wahre Solidarität bedeutet. Sie sind bereit, völlig fremden Menschen, die gezwungen sind, vor dem barbarischen russischen Angriffskrieg aus ihrem Heimatland zu flüchten, zu helfen und sie unterzubringen. Die völkerrechtliche Ächtung Russlands und der dortigen Kriegsverbrecher ist das eine. Vor Ort gilt es jetzt, den Kriegsflüchtlingen hier in Rosenheim einen Ort der Sicherheit und des Schutzes zu bieten“, sagt Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (CSU).
Ohne Visum in den Schengenraum und damit auch nach Deutschland einreisen dürfen Ukrainer mit biometrischem Pass. Bis zu 90 Tage dürfen sie dann bleiben, ohne einen Aufenthaltstitel beantragen zu müssen, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mitteilt. Dort rechnet man indes nicht damit, dass es zu großen Einreisewellen aus der Ukraine nach Deutschland kommt. „Aufgrund der überwältigenden Aufnahmebereitschaft der unmittelbar an die Ukraine angrenzenden Staaten gehen wir derzeit davon aus, dass der größte Teil der Kriegsflüchtlinge in diesen Staaten verbleiben wird und darauf hofft, nach kurzer Zeit wieder in die Ukraine zurückkehren zu können.“
Einen Asylantrag müssen die Kriegsflüchtlinge jedoch wohl auch nach 90 Tagen nicht stellen. Ende Februar hatte sich der EU-Ministerrat für Justiz und Inneres generell auf ein „unbürokratisches Verfahren“ zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen verständigt. Gestern tagte der Rat erneut zu diesem Thema. Eine abschließende Entscheidung des Gremiums in dieser Sache stand bis Redaktionsschluss jedoch noch aus. Jens Kirschner