Kein Hotspot für Verwundete

von Redaktion

Romed-Chef über Vorkehrungen der Klinik wegen des Ukraine-Kriegs

Bei der Übergabe der Sachspenden: Romed- Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram (links) und Einkaufsleiter Dr. Rudolf Herzog. Foto Romed

Rosenheim – Die Corona-Pandemie hat das Romed-Klinikum bereits vor viele Herausforderungen gestellt. Der Ukraine-Krieg könnte hier noch eine Schippe drauflegen. Denn am Mittwoch war aus dem Ministerrat zu hören, dass der Freistaat auch Verletzte und Verwundete aus der Kriegsregion aufnehmen und für deren Versorgung in bayerischen Kliniken Sorge tragen will. Mit vielen Verletzten, die aus der Ukraine ins Romed-Klinikum verlegt werden, rechnet der Geschäftsführer des Romed-Klinikums, Dr. Jens Deerberg-Wittram, jedoch nicht.

Häuser aktuell
voll belegt

Im Radius von zweieinhalb Flugstunden rund um Kiew gebe es viele Tausend Kliniken, die grundsätzlich zunächst für eine Versorgung infrage kämen, sagt der Klinik-Chef. Er sieht nicht, dass Rosenheim damit zu einem Hotspot für die Versorgung Verwundeter aus der Ukraine werden könnte.

Vielleicht auch zum Glück. Denn zumindest aktuell, berichtet Deerberg-Wittram, seien die Kliniken des Verbunds „voll belegt“. An den vier Standorten würden derzeit mehr als 80 Covid-Patienten versorgt. „Das ist schon mal eine sehr große Zahl“, sagt der Klinik-Chef. Der Umstand, dass es auch immer wieder zu Corona-Fällen unter der Belegschaft komme, erleichtere die Situation nicht. „Diese Kombination führt dazu, dass wir mit Blick auf die Kapazität echt am Anschlag sind.“ Andererseits ergänzt er: „Mit insgesamt vier Unfallchirurgien an vier Standorten, die in Summe wirklich sehr, sehr groß sind, sind wir eigentlich dafür prädestiniert, das auch leisten zu können.“

Wirklich beunruhigt, dass ihm bei der Patientenversorgung die Felle davonschwimmen, scheint Deerberg-Wittram ohnehin nicht. Zum einen geht der Romed-Chef davon aus, dass man den Scheitelpunkt der fünften Corona-Welle nunmehr erreicht habe. Und selbst wenn das Romed-Klinikum Patienten aus der Ukraine aufnehmen müsste, rechnet der Mediziner mit einem Vorlauf von zumindest drei Tagen, bis die Verwundeten tatsächlich in den Häusern ankommen. „Dann könnten wir uns auch darauf einstellen.“

Infektionswelle
ebbt allmählich ab

Zumindest chirurgisch sieht Jens Deerberg-Wittram keine Verletzungsmuster, mit denen die Operateure nicht umzugehen vermögen. Was man jedoch nicht wisse, sei, ob sich dieser Krieg noch in einer Art und Weise zuspitze, dass auch Kampfstoffe zum Einsatz kämen, die andere Verletzungsmuster mit sich brächten. „An diesem Punkt sind wir noch nicht, und ich hoffe, dass wir auch nicht dorthin kommen.“

Prognosen mit Blick auf die Versorgungskapazität der Kliniken ließen sich aber derzeit schwer treffen. „Tendenziell bin ich optimistisch, weil wir merken, dass die Infektionswelle abebbt“, sagt Deerberg-Wittram. Damit müsste in nächster Zeit auch die Zahl jener Patienten zurückgehen, die stationär behandelt werden müssen. Aber auch die covid-erkrankten Mitarbeiter seien bis dahin vermutlich wieder einsatzbereit. „Wenn das alles so eintritt, wie ich das hoffe und wie es zu vermuten ist, dann glaube ich, werden wir auch die Kapazität haben, Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. Aber im Moment wäre hierfür nicht die beste Zeit des Jahres.“

Andere Vorkehrungen zur Aufnahme Verwunderter aus dem Kriegsgebiet Ukraine hat das Romed bereits getroffen.

Darunter die Suche nach geeigneten Dolmetschern, um sich mit den ukrainischen Patienten verständigen zu können. „Das haben wir im Krisenstab Anfang der Woche bereits besprochen, damit wir eine Übersicht haben, welche der Kolleginnen und Kollegen Ukrainisch oder Russisch sprechen“, berichtet Deerberg-Wittram. Mit akut Verletzten, die im Romed-Klinikum zu versorgen wären, rechnet der Klinik-Chef realistischerweise nicht. Schließlich könnten solche Patienten schlichtweg nicht verlegt werden, ohne dass man sie vorher stabilisiert hat. „Transportfähigkeit“ lautet hier das Stichwort. Es gehe wohl vielmehr um Verwunderte, die bereits in erster Instanz versorgt wurden und gegebenenfalls noch chirurgisch nachbehandelt werden müssten. „Und in Sachen Spezialversorgung können wir in diesem Zusammenhang sicherlich auch einiges leisten“, versichert er.

Sachspenden für die Menschen in der Ukraine

Das Romed-Klinikum hat Sachspenden im Wert von rund 10000 Euro für die Menschen in der Ukraine gesammelt. Am Mittwoch übergaben Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram und Einkaufsleiter Dr. Rudolf Herzog die erste Tranche des Materials an den Partnerschaftsverein Volovec-Bad Endorf. Gespendet hat die Klinik medizinisches Material, darunter Einwegsets zur Wundversorgung, Skalpelle, Einweg-Nadelhalter, aber auch Verbandsmaterial. „Der Krieg in der Ukraine hat bei uns allen das Gefühl der Hilflosigkeit und den Impuls, etwas tun zu wollen, ausgelöst. Dem haben wir versucht, als Romed-Klinikverbund insgesamt nachzukommen“, sagte Deerberg-Wittram im Zuge der Spendenübergabe.

Die Impfpflicht-Situation bei Romed

Ab dem 16. März gilt in Deutschland die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht, wenngleich Bayern die neue Rechtslage in einem gestuften Verfahren umsetzt. Damit müssen die Kliniken zumindest noch nicht fürchten, sich schon ab diesem Tag von ungeimpftem Personal trennen zu müssen. Von diesem gibt es auch im Romed-Klinikum noch welches. Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram nennt eine Impfquote von etwa 85 Prozent für die Romed-Klinik. Das ist zum Teil auch bitter für deren Geschäftsführer: „Jeder Mitarbeiter, der uns nicht mehr zur Verfügung stehen kann, weil er nicht geimpft ist, bedeutet für uns zunächst einmal einen großen Verlust und ist hochärgerlich“, sagt Deerberg-Wittram. Es werde eine Anzahl an Mitarbeitern geben, die darauf beharren werden, sich nicht impfen zu lassen. Kein Phänomen, das sich auf die Klinken beschränkt: „Jeder kennt sicherlich jemanden, der sich so klar gegen die Impfung positioniert, dass er sich davon auch nicht weg bewegen wird.“ Diese Impfverweigerer arbeiteten jedoch eher in Bereichen, die nichts mit der Akutversorgung von Patienten zu tun hätten. In Folge: „Ich gehe davon aus, dass wir unseren medizinischen Kernbereich, die Notfallversorgung, OP und Intensivstation betreiben können, auch wenn es eine harte Umsetzung der Impfverordnung gibt.“ jek

Artikel 7 von 11