Keine Spaßbremse

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Weniger ist mehr!“ Irgendwann einmal hat jeder von uns diesen Spruch schon gehört. Rein mathematisch ist das paradox, denn rechnerisch kann „weniger“ gar nicht „mehr“ sein. Und doch gibt es Situationen, in denen die Wahrheit dahinter aufscheint. Wenn ich in ein extrem geschminktes Gesicht schaue oder mir übertriebene Dekoration zu viel ist, denke ich mir still, weniger wäre hier mehr gewesen. Dabei ist das noch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der darf wirklich bunt und verschieden sein.

Aber auch objektiv gesehen, ist weniger manchmal mehr, wenn zum Beispiel unser Essen nicht mehr nur echter Genuss, sondern schlichtweg einfach „zu viel“ ist. Das tut unserem Körper nicht gut, in dem wir ja ein Leben lang zu Hause sind. Beim Autofahren wäre ein „weniger“ nicht nur besser für das Klima, sondern manchmal auch ein „mehr“ an Erfahrung, wenn wir beim Fußweg Dinge neu entdecken, die uns sonst nie auffallen würden. Und ein „weniger“ an Beschäftigung mit dem Handy ist ohne Frage ein „mehr“ an Zeit für wirkliche menschliche Begegnung.

Die 40 Tage der Fastenzeit rufen nicht zum „weniger“ auf, weil die Kirchen mit dem moralischen Zeigefinger wieder einmal als „Spaßbremse“ daherkommen. Das Evangelium will im Gegenteil immer zu einem „mehr“ an Leben führen. Zu einer Freude, die aber mit oberflächlichem Spaß nichts zu tun hat.

Tiefe Freude erwächst aus einem bewussten Leben. Freilich bringt der Weg dorthin erst manche unbequeme Einschränkung mit sich. Aber auch das muss und darf jeder für sich selbst ganz allein entscheiden.

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