Prominente Unterstützung

von Redaktion

Ukraine-Hilfsgüter aus Stephanskirchen erreichen ihr Ziel

Stephanskirchen – Mit diesem Ausgang hätte Nicole Heilmaier aus Stephanskirchen nie gerechnet, als sie Sonntag vor einer Woche einen Spendenaufruf für Hilfsgüter für die Ukraine gestartet hatte (wir berichteten). Innerhalb einer Woche hat sich die Einfahrt der Familie mehr oder weniger in einen Umschlagbahnhof verwandelt. Sechs Tage lang wurden ununterbrochen Spenden angeliefert. Am vergangenen Sonntag erreichten die gesammelten Sachen mit einem eigens organisierten Konvoi unter der Leitung von Ex-DTM-Fahrer Martin Tomczyk ihr Ziel: ein großes Zentrallager für Hilfsgüter in Bratislava in der Slowakei.

Zwei weitere
Sammelstellen

Die von der Familie Heilmaier organisierte Hilfsaktion war schon vor Abfahrt ein großer Erfolg. „Die Leute sind teilweise extra aus München, Traunstein oder Ebersberg zu uns gefahren“, sagt Nicole Heilmaier. Die Hilfsbereitschaft war so riesig, dass eigens für die Spendenaktion zwei weitere Sammelstellen am Bürgerhaus in Soyen und beim Gasthaus Bartl in Högling eingerichtet werden mussten. Selbst Schulen haben sich an der Aktion beteiligt. So wurden zum Beispiel am Finsterwalder-Gymnasium kleine Pakete mit Schokolade und Schülerbriefen für die ukrainische Bevölkerung vorbereitet. Auch von der Grundschule Pang kamen 140 eigens von Schülern gepackte Kartons mit Hilfsmitteln.

So waren es am Ende rund 10000 Pakete, die in der Einfahrt von Familie Heilmaier auf die Abholung warteten.

Die nächste Hürde war, die Hilfsgüter zu jenen zu bringen, die sie dringend benötigen. Doch auch hier wieder das gleiche Bild: Die Hilfsbereitschaft und Initiative der Menschen riss nicht ab. Ungefragt haben Firmen aus der ganzen Umgebung ihre Lkw vollgetankt zu den Heilmaiers gebracht. „Da hing sogar immer ein Kuvert mit Tankgeld für die Rückfahrt dran“, sagt Nicole Heilmaier. Innerhalb kürzester Zeit stand eine stattliche Fahrzeugkolonne bereit.

Und plötzlich hatte die Aktion sogar einen prominenten Teilnehmer: Martin Tomczyk, ehemaliger Rennfahrer und Nachbar der Heilmaiers. Der Kontakt ist über dessen Frau Christina Surer entstanden, die selbst etwas spenden wollte. Als Tomczyk vom anstehenden Transport erfahren hat, stand sofort fest, dass er helfen möchte. „Bevor wir lang suchen müssen, haben wir privat noch einen Lkw gemietet und ich hock mich da auch selber rein“, sagt Martin Tomczyk. Als dann auch noch die Gemeinde Stephanskirchen einen weiteren Leihwagen finanzierte, war der Konvoi vollständig.

Am Ende standen zehn Lastwagen – sowohl mehrere 7,5-Tonner als auch ein paar 3,5-Tonner – zur Abfahrt bereit. An Fahrern mangelte es nicht. Dank eines Instagram-Aufrufs Tomczyks war schnell eine starke Truppe von 20 Mann gefunden. Alles Freiwillige aus unterschiedlichsten Berufen. Und so machten sich die Helfer schließlich um 6 Uhr am vergangenen Sonntagmorgen auf den Weg in Richtung Slowakei.

Unter den Fahrern befand sich auch Stefan Heilmaier, der Ehemann von Nicole Heilmaier und zweifacher Karateweltmeister. „Die Stimmung war ziemlich gut, obwohl sich keiner kannte“, erzählt der 61-Jährige. Jeder Lkw war doppelt besetzt, damit man sich beim Fahren immer wieder abwechseln konnte.

Das erste Ziel nach sieben Stunden Fahrt war eine Lagerhalle knapp 20 Kilometer außerhalb von Bratislava. Dort sammelt eine örtliche Hilfsorganisation alle Güter, bevor sie weiter in die Krisengebiete transportiert werden. Allerdings wurde schnell klar, dass die Lieferung die Kapazitäten der Halle sprengen würde. Deswegen ging es nach einem kurzen Stopp weiter zu einer anderen Lagerhalle im Zentrum von Bratislava. „Es war ein bisschen unorganisiert, aber der Wille war auf jeden Fall da“, sagt Stefan Heilmaier zum anfänglichen Chaos.

Schlussendlich konnten aber alle Hilfsgüter ausgeladen werden. Auch unter großer Mithilfe von vorbeikommenden Passanten, die sich spontan an den Menschenketten beteiligten. Nach jedem geleerten Lastwagen brach Jubel unter den Helfern aus. „Das eine Couchidee in so einem Miteinander endet, ist gigantisch“, sagt Tomczyk, der die Koordination vor Ort in die Hand nahm.

Erschöpft,
aber stolz

Als nach vier Stunden das letzte Paket den Lkw verlassen hatte, lagen sich alle Freiwilligen in den Armen. Für den Stephanskirchner Konvoi stand nun die Rückreise an. Um kurz vor 3 Uhr in der Nacht zum Montag erreichten Tomczyk und seine Männer wieder die Heimat. Müde und erschöpft, aber stolz auf das Erreichte. Vor allem, dass man sichergehen konnte, dass alle Spenden auch dort ankommen, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Das war den Heilmaiers und auch Tomczyk am wichtigsten.

Familie Heilmaier, die derzeit keine Spenden von Privatpersonen mehr annehmen kann, plant für Ende März bereits den nächsten Konvoi in Richtung Osten – diesmal mit Firmenspenden an die polnische Grenze. Damit das Leid der Kriegsopfer vor Ort wenigstens ein bisschen abgemildert werden kann.

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