Sporthallen für Kriegsflüchtlinge

von Redaktion

Gymnasien in Prien und Bad Aibling bereiten sich auf Ukrainer vor

Rosenheim – Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine treibt Hunderttausende in die Flucht. Nun erreichen die Ausläufer des Bebens den Landkreis Rosenheim. Das Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) in Prien und das Gymnasium in Bad Aibling reagieren – auf Anweisung des Landratsamtes – als erste Schulen in der Region Rosenheim auf die Flüchtlingskrise. Sie stellen ihre Sporthallen als „Ankunftszentren“ bereit. Wie außerdem bekannt wurde, wird auch die Luitpoldhalle in Rosenheim als Zufluchtsort für Ukrainer vorbereitet. Sie werde ab kommendem Montag gesperrt sein, teilte Christian Schwalm als Sprecher der Stadt mit.

Erster Bus soll
heute ankommen

Für den heutigen Mittwoch kündigte Landratsamtssprecher Michael Fischer den ersten Bus mit Flüchtlingen aus der Ukraine an. „Gestern Abend wurden wir in Kenntnis gesetzt“, sagte Andreas Schaller, Schulleiter des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, am Dienstag den OVB-Heimatzeitungen. „Wir sind bereits an der Umsetzung.“ Man habe eine kurze Frist der Vorbereitung gehabt, sagt Schaller. Schon aus Erfahrung: „Es war nicht schwer zu erraten, dass der Krieg Menschen aus der Ukraine vertreiben würde.“

Das bedeutete im Falle des LTG dennoch nur kurze Zeit für die Suche nach Ausweichmöglichkeiten. Für den Schulsport etwa. Aber auch fürs Abitur. Zunächst habe man mit dem Dienstagmittag den Schulsport in der eigenen Halle eingestellt, überdies die Priener Vereine in Kenntnis gesetzt, dass die Halle fürs erste nicht mehr zur Verfügung stehe. „Wir werden andere Schulen um Hallenzeiten anbetteln und uns Gedanken um mehr Schulsport im Freien machen“, sagt Schaller.

Was die Prüfungen angehe, die drei Tage nach den Osterferien beginnen: Da befinde man sich in Prien in einer gesegneten Lage. Die angehenden Abiturienten müssen lediglich einen kurzen Fußweg hinter sich bringen, um an ihren Prüfungsplätzen im König-Ludwig-Saal Platz nehmen zu können.

Auch das Gymnasium in Bad Aibling wird als Unterkunft dienen. Für den heutigen Mittwoch rechnet Schulleiter Michael Beer mit ersten Ankömmlingen, schon laufen wie in Prien die Vorbereitungen. Böden werden abgeklebt, provisorische Abteile für jeweils ein, zwei Familien eingerichtet, dazu ein Raum zum Essen sowie Aufenthaltsbereiche und Spielbereiche für Kinder.

Beer äußert sich gelassen. „Wir können schließlich auf die Erfahrungen von 2015 und 2016 zurückgreifen, als wir ein Dreivierteljahr als Unterkunft dienten.“ Diesmal geht der Oberstudienrat von bis zu 200 Bewohnern aus. Und wenn es mehr werden? „Kein Problem“, sagt er, da fahre man eben auf Sicht. „Und ich bin mittlerweile ein großer Auf-Sicht-Fahrer“, sagt Beer und lacht. Das betrifft auch das Abitur. Er kann sich vorstellen, für jene drei Tage Schüler nach Hause zu schicken. Damit Klassenräume für Prüfungen geräumt werden können. Übers Elternportal hat er jedenfalls schon mal Väter und Mütter unterrichtet. Und die hätten Verständnis gezeigt, sagt er, nach dem Motto: Was bedeute eine Stunde Schulsport, wenn man dafür Menschen eine Unterkunft geben könne? „Das gibt mir den Glauben an die Menschheit zurück“, sagt Beer.

Die beiden Gymnasien dürften nicht die letzten Schulen gewesen sein, die Menschen in Not ein Dach über dem Kopf gewähren. Auch die Regierung von Oberbayern – sie weist den Landkreisen die geflüchteten Menschen an – tut sich mit Vorhersagen schwer. Derzeit lasse sich nicht seriös abschätzen, wie viele Menschen bereits auf der Flucht seien und wie viele davon nach Oberbayern kommen könnten, sagt Sprecher Wolfgang Rupp. Michael Fischer rechnet mit bis zu 1000 Ukrainern, die in der Region untergebracht werden.

„Wir rechnen damit, haben aber noch keine Anfrage bekommen“, sagt Walter Baier, Schulleiter des Gymnasiums Bruckmühl und Vorsitzender der Bayerischen Direktorenvereinigung. Er rechnet mit Flüchtlingszahlen nicht weit entfernt von jener durch den syrischen Bürgerkrieg ausgelösten Wanderung. „Vielleicht 50000 sind es jetzt, eine Million Menschen können es aber auch werden“, sagt er. „Da muss es die Lösung mit großen Hallen geben.“ Dass man sich darauf schlecht einrichten kann und präzise Prognosen unmöglich sind, dafür hat er Verständnis. Dennoch fürchtet er eine zu knappe Ansage knapp vor Ostern. Denn dann hätte man nur noch einen Tag, um Hallen vorzubereiten und überdies noch Räume für Prüfungen zu suchen. Grundsätzlich aber gelte allgemein der Wille zur Hilfe. Baier: „Natürlich machen wir da mit.“

Abgeblitzt mit Privatunterkunft?

Schon weil die eigenen Großeltern als Vertriebene aus dem Sudetenland Aufnahme erfahren haben, wollte Florian Dobler aus Wasserburg Menschen aus der Ukraine Unterkunft anbieten. Doch beim Landratsamt sei er abgeblitzt, sagte Dobler den OVB-Heimatzeitungen. Von Landratsamtssprecher Michael Fischer kommt entschiedener Widerspruch. Angebote würden „selbstverständlich“ nicht abgelehnt, Anbieter informiert, „dass wir bei Bedarf auf sie zukommen werden.“ Wichtig sei für die Flüchtlinge jedoch Privatsphäre, deswegen habe das Innenministerium Wohnraum nach Eignung eingestuft. „Privatwohnungen stehen hier an erster Stelle, Zimmer in Privatunterkünften dagegen weit hinten.“ Dobler will nicht lockerlassen: „Wir bieten unser Schlafzimmer als Unterkunft an.“

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