Sie brauche Hilfe, um ihren behinderten Sohn in den Rollstuhl zu heben, schreibt mir eine verzweifelte Frau. „Der Pflegedienst kommt morgens und abends, aber am Nachmittag schaffe ich das nicht mehr allein. Ob vielleicht einer der Messdiener helfen kann?“
Etwas ratlos schaue ich auf die Zeilen, denn unsere Ministranten kann ich nicht schicken. Die kleineren sind dem kräftemäßig nicht gewachsen, die größeren am Nachmittag in der Arbeit. Zudem darf ich meine Schutzbefohlenen gar nicht in eine fremde Wohnung lassen und bei sensiblen pflegerischen Handgriffen tun sich auch noch versicherungsrechtliche Fragen auf. In der Verantwortung für andere muss ich mich an diese Vorgaben halten. Schließlich fällt uns ein Ehepaar ein, das in der Nähe der Frau wohnt. Dieses hat weitere Freiwillige gefunden und momentan ist der Transfer in den Rollstuhl gesichert. Nicht immer können wir helfen. Die Nöte auf dieser Welt sind zu viele. Trotzdem berührt mich die Hilfsbereitschaft so vieler, die in unseren Pfarrgemeinden einfach anpacken. Ob es um solche stillen Hilfestellungen geht, oder wie jetzt um konkrete Initiativen für die Flüchtenden aus der Ukraine. Es sind Menschen, die nicht nur Geld, Spaß und ihre Freizeitbeschäftigung vor Augen haben.
Vor einigen Jahren hat mich der Begriff „Gutmenschen“ sehr traurig gemacht. Natürlich darf Einsatz für andere nicht völlig blind erfolgen und muss verstandesmäßig auch reflektiert sein. Aber ohne Menschen, die „eben mal schnell mit anpacken“, ist ein Miteinander auf dieser Welt nicht möglich.