Flintsbach – Der tödliche Alpinunfall an der Maiwand bei Flintsbach hat für Betroffenheit über die Landkreisgrenzen hinaus gesorgt. Drei Wanderer aus Niederbayern und der Oberpfalz sind am vergangenen Samstagnachmittag beim Abstieg über die Maiwand eine rund 30 Meter hohe Felswand hinabgestürzt. Mittlerweile verdichten sich die Anzeichen, dass sowohl das blinde Vertrauen in eine gängige Wander-App als auch die zu dieser Jahreszeit bestehenden Verhältnisse eine tödliche Kombination ergeben haben könnten.
Berüchtigter und gefährlicher Gipfel
Die Maiwand bei Flintsbach gilt bei Einheimischen als berüchtigter und gefährlicher Gipfel. Immer wieder passieren am steilen und ausgesetzten Gipfelaufbau tödliche Unfälle. Selbst Einheimische kennen nicht alle Wege, und meiden, wenn es irgendwie geht, die Route über die zackige Spitze. Vor allem zur jetzigen Jahreszeit ist die Besteigung ein gefährliches Unterfangen.
Die letzten Boten des Winters machen den Aufstieg durch Schneefelder, aufgeweichte Wiesen und rutschigen Untergrund zu einem Wagnis. Nicht umsonst wird auf vielen Internetseiten wie beispielsweise „outdooractive“ darauf verwiesen, dass eine Besteigung vor Mai als sehr riskant gelte. Auch erfahrene Bergsteiger haben mit dem Weg bis zur eigentlichen Gefahrenstelle bereits zu kämpfen.
Selbst Experten warnen davor, sich zu sehr auf die Routenbeschreibung einer Wander-App zu verlassen. In den letzten Jahren haben diese Apps immer größer werdender Beliebtheit gewonnen. Bereits zu Hause kann man sich mit dem Smartphone eine Tour aussuchen oder selbst zusammenstellen. Das Angebot an Wanderapps ist groß. Die gängigsten sind laut verschiedenster Vergleichsseiten im Internet „Komoot“, „Bergfex“ und „outdooractive“. Welche App von den Wanderern benutzt wurde, wollte die Polizei auf OVB-Anfrage nicht nennen. Das Problem in diesem Zusammenhang ist, dass einige Apps mit einem Open-Street-Modell arbeiten. Dabei können Nutzer Wege zu den Karten hinzufügen. Ob diese wirklich existieren oder gefährlich sind, spielt keine Rolle. Das könnte mitunter ein Grund dafür sein, warum sich die vier Bergsteiger auf einen Weg abseits der bekannten Wege rund um die Maiwand-Runde begeben haben.
Ausschlaggebend für den Absturz dürfte aber keineswegs die App gewesen sein. Auf allen Portalen wird deutlich auf die Gefahren beim Auf- und Abstieg zur Maiwand durch den Maigraben hingewiesen. Zusätzlich verweisen auch mehrere Erfahrungsberichte und Fotos von früheren Besteigungen auf die drohende Lebensgefahr.
Die größte Gefahr lauert vielmehr in der richtigen Nutzung der Apps. „Die digitalen Geräte ersetzen nicht die Orientierung im Gelände“, sagt Roland Amperberger von der Bayerischen Bergwacht. Alle Informationen, die Wanderer durch die Apps erhalten, müssen laut dem Bergretter in die Wirklichkeit übersetzt werden und an die tatsächlichen Bedingungen vor Ort angepasst werden.
Dies können sowohl Hinweisschilder am Berg als auch aktuelle Witterungsverhältnisse sein. Das Problem der richtigen Bedienung ist für die Bergwacht allerdings nichts Neues. „Die digitalen Angebote ersetzen die klassische Wanderkarte von damals“, sagt Amperberger. Auch früher musste man sich entsprechend auf die Bergtour vorbereiten. Wer die Angebote der Apps nutze, solle auch immer das Angezeigte hinterfragen und gegebenenfalls überprüfen, sagt Amperberger.
Verlass aufs Handy kann tödlich enden
Zudem könne das Smartphone auch ausfallen oder man hat – wie am besagten Gipfel der Maiwand – kein Netz. Deshalb sollten die Apps immer nur als Unterstützung benutzt werden.
Drei Bergtote auf einer Tour – wie reagieren die Appanbieter darauf? Auf Anfrage des OVB haben die Betreiber der Wander-Apps ihr Bedauern ausgedrückt. Gelöscht werden gefährliche Touren aus dem Angebot aber nicht. „Es ist besser, wenn wir von den Gefahren berichten, als wenn man darüber gar keine Informationen hat. Da würde vermutlich mehr passieren“, sagt Sebastian Glasner von „outdooractive“. So wollen die Portale zu einer höheren Sicherheit der Nutzer beitragen. Auch um weitere Unglücke wie das von Samstag zu vermeiden.