Auf der Heimfahrt aus dem Oberland komme ich am Soldatenfriedhof Dürnbach vorbei. Schon oft bin ich auf der Tölzer Landstraße nach der großen Kreuzung dort vorbeigefahren. Dieses Mal bleibe ich am kleinen Parkplatz stehen. Es ist der bohrende Gedanke an die Soldaten der Russen und Ukrainer, der mich an diesem sonnigen Tag dort halten lässt.
Langsam gehe ich durch einige Reihen der 2960 Soldaten des Commonwealth, die hier tatsächlich begraben sind, und studiere die Namen. Kaum einer der Soldaten ist älter als 30 Jahre geworden. Die meisten der Gefallenen sind Angehörige der Royal Air Force, insgesamt aber Soldaten aus zwölf Nationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus mehreren Bundesländern und Österreich dorthin umgebettet wurden.
Auf manchen Grabsteinen steht kein Name, wenn die Toten nicht mehr identifiziert werden konnten. Darunter dann jedoch die Inschrift „Known unto God“. Jeder Name dieser Welt, sagt Gott zu Jesaja in der Bibel, ist in seine Hand eingeschrieben und dort unvergessen.
Auch in Moskau gibt es übrigens im Alexandergarten am Kreml das symbolische „Grabmal des Unbekannten Soldaten“. Es ist Tradition frisch verheirateter russischer Paare, dort am Grabmal einen Blumenstrauß niederzulegen und ihrer Ahnen zu gedenken. Natürlich ist das eine berührende Geste, denn Blumen sind immer etwas Schönes.
Ebenso die Vergewisserung, dass die sinnlos gefallenen Soldaten zumindest bei Gott unvergessen sind. Aber jeder einzelne Grabstein eines Soldaten auf dieser Welt ist einer zu viel.