Rosenheim – Seit 14 Jahren gestaltet Pfarrer Andreas Zach mit den jungen Absolventen den Abschlussgottesdienst der Landwirtschaftsschule. Das Motto hieß heuer „Ich bin wer!“ Dazu zeigten die Absolventinnen Magdalena Meier aus Gars und Maria Winner aus Eching eine Art Gleichnis.
Gleichnis mit einem
50-Euro-Schein
Sie führten die Gottesdienstbesucher in diese Situation: Zwei Moderatorinnen fragen ihr Publikum, wer 50 Euro haben wolle. Alle Anwesenden, so die Vermutung der beiden, würden sich melden. Dann zerknitterte Meier den Geldschein. Auch zerknüllt würden diesen alle haben wollen, selbst wenn er zu Boden geworfen und auf ihm herumgetreten worden sei. Auch der eigene Wert, so das Fazit, sei nicht von Äußerlichkeiten bestimmt, er liege im Menschen selbst und könne von niemandem infrage gestellt werden.
Damit dieser Wert Bestand habe, so meinte der Pfarrer in seiner Predigt, müsse er von einer Größe abgeleitet werden, die über menschliche Überlegungen hinausrage: Jeder sei ein Kind Gottes, schon deshalb könne ihm sein Wert von keinem anderen Menschen aberkannt werden. Was aber passiere, wenn der Wert des Einzelnen nur durch zwischenmenschliche Vereinbarungen gesichert sei und nicht mehr durch etwas, das darüberstehe? Das hätten die Menschen im Dritten Reich erlebt und erlebten es jetzt in Ansätzen in der Ukraine wieder: Bei Grundvereinbarungen der Menschen untereinander sind sie im Zweifels- und Kriegsfall kaum noch das Papier wert, auf dem sie stehen. Ein solides Selbstwertgefühl brauche Anerkennung, so der Pfarrer, ohne diese könne kein Mensch leben.
Dazu stellt Anna Bruckmeier, die Leiterin der Landwirtschaftsschule, fest, dass die jungen Menschen unter einer Diskrepanz litten: Auf der einen Seite stünden Mühe, Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein und Wissenschaftlichkeit, die in der Ausbildung und den Betrieben für eine moderne Landwirtschaft aufgebracht würden. Auf der anderen Seite sei das öffentliche Bild der Landwirtschaft immer noch mit Klischees und Vorurteilen belegt. Die jungen Menschen fühlten sich oft für nicht voll genommen.
Fatal werde es dann, so Pfarrer Zach, wenn sich die Menschen selbst in ihrem engeren Bekanntenkreis nicht mehr trauten, ihre Meinung zu äußern, sobald sie der Mehrheitsmeinung entgegenstehe – aus Angst, auch hier die so wichtige Anerkennung zu verlieren. Das dritte Standbein für ein tragfähiges Selbstwertgefühl sei deshalb ein couragiertes Eintreten für die eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen, so der Pfarrer.
Überzeugung auch
im Beruf vertreten
Dies werde von den jungen Leuten auch in ihren zukünftigen Arbeitsstellen gefordert, bestätigte die Schulleiterin. Die jungen Absolventen steckten voller Wissen, neuer Ideen, Methoden und Ansätze. Diese an ihren zukünftigen Arbeitsplätzen auch an- und einzubringen, setze ebenfalls das Bewusstsein voraus: „Ich bin wer, ich kann was und darf, ja, muss das zeigen.“
Die Entscheidung, den Abschlussgottesdienst und die Zeugnisübergabe zu verbinden und in der Stadtteilpfarrkirche Sankt Nikolaus abzuhalten, befand der Pfarrer für gut: Jeder der 41 Absolventen habe den verdienten Applaus bekommen, „in einer Fülle und Mächtigkeit, wie ihn eben die Akustik eines großen Kirchenschiffes bieten kann“.