Kampf gegen die Überlastung

von Redaktion

Wie Romed die Notaufnahme auch in Corona-Zeiten am Laufen hält

Rosenheim – In Krankenhäusern gibt es viele kritische Bereiche, aber vielleicht keinen so kritischen wie die Notaufnahme. Da ein Patient, der um sein Leben kämpft. Dort ein Patient mit Schnupfen, der sich über lange Wartezeiten beschwert. Nirgendwo gibt es so viele Reibungspunkte wie in der Notaufnahme. Die Mischung aus Stress, aus knapper Personalausstattung und vielfältigsten Krankheitsbildern macht die Arbeit dort dann auch zu einer Herausforderung.

Am Romed-Klinikum in Rosenheim hat sich Dr. Michael Bayeff-Filloff als Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen Gedanken gemacht. Und er ist auf Lösungen gekommen. Koordination und Kooperation heißen die Zauberworte gegen nervtötenden und gefährlichen Patientenstau.

Zwei Systeme
arbeiten zusammen

Bayeff-Filloff hat in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und dem Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung in Deutschland nunmehr eine Studie vorgelegt. Man kann auch sagen, eine Untersuchung zur rechten Zeit. Denn während der Pandemie vergrößerten sich die personellen Engpässe. Da stieß das Klinikum mitunter an seine Grenzen – vor allem in der Notaufnahme. Allein während des abgelaufenen Monats fielen wegen der hochansteckenden Omikron-Variante im Schnitt rund zehn Prozent der Romed-Mitarbeiter aus. Ohne Einspringer aus anderen Bereichen sei der Betrieb in der ZNA manchmal kaum mehr aufrechtzuerhalten gewesen, sagte der Romed-Chefarzt und Pandemie-Beauftragte Dr. Hanns Lohner auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Wenn es nach Michael Bayeff-Filloff geht, ist man nicht nur in Rosenheim auf Regelbetrieb und Pandemie-Herausforderungen bald besser vorbereitet. Der Rosenheimer ZNA-Chefarzt kann nun sagen, an welchen Stellschrauben man drehen muss, um die Notaufnahme zu entlasten – und dennoch allen Patienten die bestmögliche Behandlung angedeihen zu lassen. Es gilt, zwei Systeme zu kombinieren: das fünfstufige Manchester-Triage-System (MTS) von Rot (für sehr dringend) bis Grün (am wenigsten dringend), das an der Notaufnahme zum Tragen kommt. Und die sogenannte strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland (SmED), mit der gleich nebenan in der Bereitschaftspraxis gearbeitet wird. Also in dem Bereich, der für Otto Normalpatient den Hausarzt vertritt, wenn dessen Praxis nicht mehr geöffnet ist.

Dieser Bereich kann die ZNA sehr wohl entlasten, wenn die Unterscheidung in dringende und nicht ganz so dringende Fälle funktionierte. Und sie funktionierte wirklich. „Patientensicher umsetzbar“ sei sie, sagt Bayeff-Filloff. Und damit geeignet für sein Vorhaben: mehr Sicherheit für Patienten. Und Entlastung für die Notaufnahmen.

Um die beiden Systeme zu kombinieren, setzte man in Rosenheim aufs „System der zwei Tresen“: hier der Empfangsdesk der Notaufnahme, gleich daneben der für die Bereitschaftspraxis. so war enger Austausch möglich. Und Kontrolle. Zu Bayeff-Filloffs Erleichterung funktionierte auch die Vertragsärzte-Software verlässlich. Die „Redflags“, also die beiden höchsten Dringlichkeitsklassen, seien auch mit SmED „zuverlässig identifiziert“ worden.

Würde der Patienten-Andrang auf solche Art gelenkt, würden sich viele Staus erst gar nicht bilden, glauben Experten. Dazu bräuchte es aber mehr Personal für die Bereitschaftspraxen, sagt der ZNA-Chef, und mehr technische Möglichkeiten für die Diagnose. Auch Unfallchirurgen in der KV-Praxis könnten die Notaufnahmen entlasten. Und dazu, vielleicht noch schwieriger zu erreichen, mehr Pragmatismus mit dem Datenschutz: Über ihre Patientendaten dürfen sich die Systeme von Notaufnahme und Bereitschaftspraxis nicht ohne weiteres austauschen.

Erst zum Ärztlichen
Bereitschaftsdienst

Auch die Patienten selber können mithelfen. Indem sie sich erst an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter Telefon 116117 wenden. Dort könnte man den Besuch eines Arztes veranlassen oder an eine KVB-Praxis verwiesen werden und würde die Notaufnahmen nicht belasten. Noch eine Erkenntnis: Von den Patienten, die einen Arzt per Video konsultiert hatten und nicht ins Klinikum eingewiesen worden waren, sah sich jeder zweite bereits durch die Beratung per Online-Schalte ausreichend versorgt. „Das sagt uns, dass wir den Bereich der Telemedizin ausbauen sollten“, sagt Bayeff-Filloff.

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