Rosenheim – Landesgartenschauen, das weiß man in Rosenheim aus eigener Erfahrung, können in einer Stadt viel in Bewegung bringen. Besonders markant sind dabei die Impulse, die Stadtentwicklung und Architektur betreffen. Rosenheimer Architekturstudenten dürfen einen Ausstellungspavillon für die Gartenschau 2023 in Freyung beisteuern.
Auftraggeber und damit Bauherr ist das Bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Das Gebäude, das Teil des Gartenschaugeländes sein wird, ging aus einem Architekturwettbewerb hervor, den das Ministerium zusammen mit der Hochschule Rosenheim durchgeführt hatte. Drei der besten Entwürfe sowie der Siegerentwurf wurden nun im Rahmen einer Feierstunde vorgestellt. „Die Zielsetzungen, die die Studierenden mit ihren Entwürfen zu erfüllen versuchten, waren dabei hoch gesetzt“, wie Umweltminister Thorsten Glauber in seiner Ansprache betonte. Schließlich ging es darum, einen Magneten für die Ausstellung zu erschaffen, der hinsichtlich Nachhaltigkeit, Wiederverwendbarkeit und Bezug zur Region Freyung beispielhaft sein sollte.
Die Aufgabe, verschiedene Ziele „unter ein Dach“ zu bringen, ist „eine der Kernaufgaben des Architekturberufes“, weiß Jury-Mitglied Christine Degenhart, Architektin und ehemalige Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer. Die Herausforderung bestehe in der Selbstorganisation und Abstimmung über Vorgehen und Verlauf, Planung sowie Präsentation des Entwurfs.
Die Sieger werden die Schritte bis zur Realisierung im Jahr 2023 begleiten. Der Siegerentwurf, so Glauber, habe dabei alle Wunschziele des Ministeriums hervorragend interpretiert und umgesetzt.
Der Entwurf „Stockgeflüster“ enthält in den Außenwänden Bienenstöcke. Beim Eintreten in das Gebäude komme man zunächst in einen dunklen Ausstellungsbereich, der sich dann zu einem bepflanzten Atrium öffne, um sich dann in einen zweiten, wieder dunkler gehaltenen Ausstellungsbereich fortzusetzen. Überall im Gebäude sei das Summen von Bienen zu hören. Die Kombination dieser Sinneseindrücke mache die Besucher neugierig.
Kennzeichnend für den Entwurf sei auch die Beschränkung der Baustoffe auf Holz und Glas, regionaltypische Produkte. Glas ist bei dem Gebäude der Sockel, auf dem die Holzwände ruhen. Er wird auch nach der Gartenschau bleiben und dient dann, zusammen mit einer Holzbedeckung, als Sitzgelegenheit. Der Rest des Baukörpers kann demontiert und auf der folgenden Gartenschau wiederverwendet werden, auch das ist eine Zielsetzung des Ministeriums. Die Idee des Entwerferteams ist dabei, dass der Freyunger Glassockel dort durch ein Material ersetzt werde, das einen besonderen Ortsbezug hat.
„Stockgeflüster“ zeichne sich durch Klarheit und Einfachheit aus, so Degenhart. Hochschulpräsident Professor Heinrich Köster kann deshalb stolz auf seine Studierenden und Professoren der Fakultät Innenarchitektur, Architektur und Design sein. Diese haben erneut bewiesen, dass es sich bei der Hochschule Rosenheim um eine „Exzellenz-Institution mit Bodenhaftung“ handelt.jt