Obing – In der Nacht auf Samstag ist eine Frau (54) auf ihrem Heimweg – nur rund 100 Meter von ihrem Haus entfernt – von einem Unbekannten überfallen und mehrfach vergewaltigt worden (wir berichteten). Inzwischen sind bei der Polizei bereits verschiedene Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, wie Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärte. Diese würden nun gesichtet und dann entsprechend bewertet.
Die Beamten arbeiten weiter mit Hochdruck an dem Fall, nachdem eine erste Großfahndung im Nahbereich des Tatortes, der im Bereich Kienberger Straße/ Eichenweg gelegen ist, erfolglos geblieben war. „Das ist schon ein sehr extremer Fall“, sagte Sonntag. Eine derart brutale Vergewaltigung im öffentlichen Raum habe es „seit Jahren nicht mehr gegeben“, betonte der Sprecher. Derzeit überlegt man bei der Kriminalpolizei Traunstein, die die Ermittlungen leitet, ob eine entsprechende Ermittlungsgruppe beziehungsweise Sonderkommission eingerichtet wird. Dies sei nach derzeitigem Stand „sehr wahrscheinlich“, so Sonntag.
Parallel dazu läuft auch bereits die Auswertung der Spuren, die unmittelbar nach der Tat sowie am folgenden Tag bei Tageslicht umfangreich gesichert worden waren. Allerdings sei es derzeit noch zu früh, hierzu konkrete Aussagen zu treffen. „Die Ermittlungen befinden sich hier noch im Anfangsstadium. Die Auswertung derartiger Spuren dauert Tage, teilweise sogar Wochen“, sagte Sonntag. Das 54-jährige Opfer wird derweil weiter psychologisch betreut. Die ganze Situation sei für die Frau „extrem traumatisierend“ und „seelisch arg belastend“, so Sonntag. Wenigstens habe die Frau bei dem Überfall körperlich keine allzu schweren Verletzungen erlitten.
Die 54-Jährige war in der Nacht auf Samstag gegen 0.30 Uhr zu Fuß von ihrer nahegelegenen Arbeitsstätte, einer Gaststätte, nach Hause unterwegs, als sie der Unbekannte von hinten angriff, überwältigte und anschließend mit Gewalt in ein nahegelegenes Feld westlich der Kienberger Straße zerrte. Dort fiel der etwa 30-jährige Unbekannte über sein Opfer her und vergewaltigte es mehrfach. Erst nach rund einer Stunde ließ der Täter von der 54-Jährigen ab, die sich anschließend in ihr nur rund 100 Meter entferntes Zuhause schleppen konnte. Von dort aus verständigte ein Angehöriger per Notruf die Polizei.
In Obing sitzt der Schock angesichts der Tat tief. Bürgermeister Josef Huber (Freie Wähler) war völlig fassungslos und fragte sich, wie so etwas in einem Ort, in dem „jeder jeden kennt“, passieren konnte.
Die Polizei hofft indes weiterhin auf sachdienliche Hinweise seitens der Bevölkerung. Der Täter wird als rund 30 Jahre alt, circa 1,70 Meter groß und schlank mit kurzen, dunklen Haaren beschrieben. Er sprach teilweise englisch und gebrochenes Deutsch. Bekleidet war er mit einem grauen Kapuzenpulli und einer schwarzen Jacke. Hinweise nimmt die Kripo Traunstein unter Telefon 0861/9873-0 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen. Martin Weidner