Tuntenhausen – Versuchter Mord in 20 Fällen, schwere Brandstiftung, schwere Körperverletzung: Das alles wirft die Staatsanwaltschaft einem 41-jährigen Rumänen vor. Marius-Daniel P. soll im Juni 2021 in einem Haus im Herzen von Tuntenhausen Feuer gelegt und zwei Landsleute schwer verletzt haben. Und zwar aus Vorsatz und mit Heimtücke, wie die Staatsanwaltschaft meint. Die Opfer mussten mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht werden. Ab heute muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Vorgesehen sind drei Verhandlungstage.
Nur einen Steinwurf
weg von der Basilika
Gerade mal 50 Meter von der Basilika Mariä Himmelfahrt entfernt ereignete sich am frühen Morgen des 20. Juni Unfassbares. Der damals 40-jährige Marius-Daniel P. betrat den Raum, in dem zwei seiner Landsleute schliefen. „Ich fackel euch ab“, soll er gerufen haben, bevor er einen der beiden im Schlaf Überraschten mit Benzin überschüttete und mit einem Feuerzeug angezündet haben soll. Benzin war auch auf den Boden gespritzt, das Feuer breitete sich so schnell aus, dass insgesamt 20 Menschen in Lebensgefahr gerieten. So viele hielten sich in jener Nacht in dem Haus auf.
Darunter der Vermieter des Hauses, Peter Steyrer. Nachdem der Mann das Benzin entzündet hatte, „hat im Gang oben mit den alten Balken alles ganz schnell Feuer gefangen“. Er selbst sei fast nicht mehr rausgekommen, sagt Steyrer: „Ich bin übers Dach abgehauen.“
Der mit Benzin übergossene Mann musste mit schweren Verbrennungen mit dem Helikopter in die Unfallklinik Murnau gebracht werden, eine auf Brandverletzungen spezialisierte Klinik. Sieben Wochen brachte der Rumäne dort zu, vier Operationen musste er sich unterziehen. Der andere Mann wurde ins Klinikum Rosenheim gebracht.
Doch hätte sogar noch mehr Schaden entstehen können – die Häuser stehen dicht beisammen in Tuntenhausens Kern. „Wir sind glimpflich davongekommen“, sagte denn auch Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl: „Es hätte einiges mehr passieren können.“
Dass der Ort nicht noch mehr abbekam, lag am schnellen Eingreifen der Feuerwehr. Auch die Polizei nahm schnell die Fährte auf. Die Fahnder verhörten die Mitbewohner, mithilfe von Dolmetschern überwanden sie die Sprachbarrieren zu den Osteuropäern. Noch im Laufe der Nacht erhärtete sich der Verdacht gegen Marius-Daniel P. Wenige Stunden später wurde er am Bahnhof Ostermünchen festgenommen.
Peter Steyrers Haus wurde schwer beschädigt. Auf fast eine Million Euro schätzten Gutachter den Brandschaden am Haus, weitere 200000 Euro Schaden entstanden Steyrer an seinem Hausrat. „Es sind viele persönliche Sachen vernichtet worden, alles andere ist zu ersetzen.“ Wichtig sei, so sagt er, dass niemand gestorben sei.
Warum Marius-Daniel P. überhaupt ausgerastet ist, darüber hat Steyrer erzählt bekommen. Es sei Alkohol im Spiel gewesen, es habe einen Streit gegeben, „viele starke Emotionen, wie bei einer Wirtshausschlägerei“. Letztlich sei es hier im Kleinen wie in Osteuropa im Großen: Richtig erklären könne man es nicht, jedenfalls nicht mit Logik. „Wo ist denn beim Krieg in der Ukraine der Sinn?“, fragt Steyrer.
Einige Appartements sind bewohnt, noch aber sind die Spuren des Großbrands nicht völlig beseitigt. Bis August, so schätzt der Eigentümer, werden die Arbeiten noch dauern. Auch die an seiner eigenen Wohnung. Er nimmt es gelassen, immerhin sei alles gut versichert gewesen. Und so erinnert er sich zwar gut an die dramatischen Nächte, er scheint aber gut drüber hinweggekommen zu sein. „Ich hab mich von einer sehr schönen, großen Wohnung in ein Appartement verändert“, sagt Steyrer und lacht. „Mir fehlt mein sonntägliches Wannenbad.“